Ein Polarflieger aus Warnemünde

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Der Flugpionier Arthur Neumann

reblogged – ursprünglich veröffentlicht am 3. März 2014

Obwohl ich in Warnemünde aufgewachsen bin, hatte ich bis vor kurzem noch nie von einem Polarflieger aus meinem Heimatort gehört (Dank an Reiner Frank, „Rostocker Zorenappels“, 5/2011). Vielleicht bin ich aber, ohne es zu wissen, Arthur Neumann öfters über den Weg gelaufen, denn in meiner Kindheit war der Ort außerhalb der Saison ein überschaubares ruhiges Städtchen. Mit der Arktis hatte Warnemünde eigentlich nichts gemeinsam, abgesehen von seltenen extrem kalten Wintern, in denen sich das Eis der Ostsee durchaus in “arktisches Packeis” verwandeln konnte.

Warnemünde 1963 – Fotograf unbekannt
“Packeis” in Warnemünde 1963 – Fotograf unbekannt

Heute, am 3. März 2014, jährt sich zum 40. Mal der Todestag von Arthur Neumann, der 1923 als erster ein Flugzeug von Spitzbergen aus in Richtung Nordpol gelenkt hatte. Der am 17.1.1890 in Hamburg geborene Flieger hat mit einigen Unterbrechungen bis zu seinem Tod in Warnemünde gelebt.

Historische Ansicht von Warnemünde
Historische Ansicht von Warnemünde

Arthur Neumann wurde während des 1. Weltkriegs Pilot. Er kam 1919 nach Warnemünde zur Deutschen Luft-Reederei und arbeitete ab 1923 für Junkers Luftverkehr AG, das führende Flugverkehrs-Unternehmen dieser Zeit.

Arthur Neumann – Foto: Unbekannt © ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv
Arthur Neumann – Foto: Unbekannt
© ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Junkers hatte Anfang des Jahres 1923 zwei Maschinen vom Typ F 13, dem ersten Verkehrsflugzeug der Welt, an Roald Amundsen – den Bezwinger des Südpols und der Nordwest- bzw. auch der Nordost-Passage – geliefert, der damit von Alaska nonstop über den Nordpol nach Spitzbergen fliegen wollte.

Denkmal für Roald Amundsen in Ny-Ålesund, Spitzbergen
Denkmal für Roald Amundsen in Ny-Ålesund, Spitzbergen

Allerdings waren die Flugzeuge demontiert in Kisten nach Wainwright, Alaska angeliefert und dort ohne Junkers Spezialisten zusammengebaut worden. Am 11.5.1923 startete Amundsens Flieger Oskar Omdal die „Elisabeth“ zu einem ersten kurzen Testflug, jedoch brach bei der Landung der linke Ski, und der verunsicherte Amundsen blies den geplanten ersten Flug zum Nordpol und weiter nach Spitzbergen ab.

Spitzbergen aus dem Flugzeug - 1998
Spitzbergen aus dem Flugzeug – 1998

Bei Junkers hatte man sich in der Zwischenzeit Sorgen um Amundsens ehrgeizige Pläne gemacht und zur Absicherung des Polarflugs eine weitere F13 (D 260) mit dem Flieger Arthur Neumann auf den Weg nach Spitzbergen geschickt, als unerwartet Amundsens Absage eintraf.

Arthur Neumann am Flugzeug
Arthur Neumann – Foto: W. Mittelholzer © ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Junkers war Geschäftsmann genug, um dieser schwierigen Situation noch etwas Positives abzugewinnen. Er beschloss, Neumann und den ihn begleitenden bekannten Schweizer Flieger und Fotografen Walter Mittelholzer mit Erkundungsflügen über Spitzbergen und ersten Luftbildaufnahmen zu beauftragen.

Kongsfjorden
Kongsfjorden, 1923 – Foto: W. Mittelholzer © ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Bei diesen Flügen mit dem „Eisvogel“ gelang es Neumann am 23.7.1923, trotz nicht störungsfrei arbeitendem Motor erstmalig mit einem Flugzeug den 80. Breitengrad* zu überwinden (*in der vorherigen, nunmehr korrigierten Fassung hieß es: “fast den 83. Breitengrad zu erreichen”). Nach einem mehr als sechsstündigem Flug landeten sie im Gronfjorden, wo sich heute die russische Siedlung Barentsburg befindet. Hier mussten sie feststellen, dass das benötigte Ersatzteil nicht zur Verfügung stand.

Waggonway-Gletscher
Waggonway-Gletscher, 1923 – Foto: W. Mittelholzer
© ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Neumann war sich später sicher, dass sie gute Chancen gehabt hatten, erstmalig den Nordpol zu erreichen, wenn es ihnen gelungen wäre, das Flugzeug zu reparieren. Die fotografische Ausbeute Mittelholzers von diesen Flügen war immens, selbst ein 16 Minuten langer Film ist bis heute erhalten geblieben.

Flugexpedition 1923
Flugexpedition 1923 – Foto: W. Mittelholzer © ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Für Arthur Neumann war es wohl der einzige Arktisflug, obwohl er 1926 in Island als Pilot für die Lufthansa tätig war. 1929 bildete er dann sowjetische Piloten im Blindflug aus, offensichtlich im Zusammenhang mit Junkers Flugzeugbau-Aktivitäten in der 1930er Jahren in der UdSSR. Neben dem eigenen Polarflug und einer Gesamtflugstrecke, die der 27maligen Umrundung des Äquators entspricht, zählte Neumann ein Zusammentreffen mit dem russischen Polarflieger Wodopjanow, der 1937 als erster Flieger am Nordpol gelandet war, zu den bedeutsamen Ereignissen in seinem Leben.

Zur Erinnerung an den ersten Arktisflug
Zur Erinnerung an den ersten Arktisflug

Leider sind von Arthur Neumann keine persönlichen Aufzeichnungen über seine Arktisflüge und sein späteres Fliegerleben bekannt. Wären da nicht das Buch „Im Flugzeug dem Nordpol entgegen“ von Mittelholzer und dessen wunderbaren Fotos in den Archiven, hätte man wohl den Polarflieger Arthur Neumann aus Warnemünde, der beinahe als erster Flieger den Nordpol erreicht hatte, längst vergessen.

Leserbrief von A. Neumann, NBI 32, 1968
Leserbrief von A. Neumann, NBI 32, 1968

Amundsen gelang es doch noch, nach Erreichung des Nordpols am 12. Mai 1926 als ehrgeiziger Vermarkter seiner selbst den Ruhm als ein Eroberer des Nordpols zu beanspruchen. Eigentlich aber war er nur als „Tourist“ auf dem Luftschiff Norge unter Kommando von Umberto Nobile dabei gewesen …

Gedenktafel für den Transpolarflug
Gedenktafel für den Transpolarflug (Amundsen, Nobile, Ellsworth) auf Spitzbergen
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Farley Mowat – ein Kanadier, der die Welt veränderte

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Farley Mowat wurde genau heute vor 99 Jahren, am 12. Mai 1921, geboren. In seiner Heimat Kanada sprechen manche von ihm als einem Schriftsteller, der, obwohl er es hin und wieder mit manchen Fakten gar nicht sehr genau nahm, dennoch immer die Wahrheit schrieb. Sind seine „Erlebnisberichte“ in Wirklichkeit erfunden, sind es Romane? Der Geschichtenerzähler veröffentlichte seit den 1950er Jahren 44 Bücher; in vielen davon, die wie Erlebnisberichte wirken, sind die Abgrenzungen zwischen “non-fiction” und “fiction” fließend. Inzwischen wird solcherart Literatur, für die er als Pionier stand, als „faction“ oder “creative nonfiction” akzeptiert und gefeiert.

Farley Mowat – Foto by Tabercil
Farley Mowat – Foto by Tabercil

„Der engagierte Umweltschützer Farley Mowat (geb. 1921) wurde mit Büchern über die grandiose Natur des Nordens („Ein Sommer mit Wölfen“) und die schwere Situation der Caribou-Inuit bekannt („Gefährten der Rentiere“, „Chronik der Verzweifelten“). … Mowats leidenschaftlicher Einsatz für den Schutz der nordischen Natur, der auch in seinen jüngeren, frühere Erlebnisse behandelnden Büchern „No Man’s River“ und „Eastern Passage“ (beide bisher nicht auf Deutsch) zum Ausdruck kommt, brachte ihm Freunde wie Feinde ein.“ – zitiert nach: Kanada. Alles, was sie über Kanada wissen müssen (Länderporträt), MANA-Verlag, S. 333f.

Tundralandschaft im schönen Norden Kanadas
Tundralandschaft im schönen Norden Kanadas

Eines von Mowats größten Verdiensten ist, dass er erstmalig vielen seiner Landsleute bewusst machte, dass Kanada jenseits der dichter besiedelten Region um den 49. Breitengrad auch noch einen Norden hat, einen riesigen Raum voller Schönheit, in dem seit Jahrtausenden Menschen in und mit der rauen Natur leben. Auch wenn sich nicht wenige “Northerners” fanden, die seinen Umgang mit den Fakten kritisierten: Kein anderer Autor hat dem Publikum derartig wirksam, voller Enthusiasmus und Liebe, den kanadischen Norden – mitsamt seinen Problemen – nahe gebracht. Durch sein Buch People of the Deer (dt: Gefährten der Rentiere) trug er maßgeblich dazu bei, dass ein Inuit-Volk, die Ahalmiut, überleben konnte. Diese “Karibu-Inuit” lebten in einer abgelegenen Region der Arktis und hatten nur wenig Kontakte mit Fremden. Wegen des erhöhten Abschusses von Karibus viel weiter südlich fand die massenweise Migration dieser Tiere nach dem Norden damals nicht mehr so statt wie zuvor. Dadurch war den Ahalmiut ihre Hauptnahrung weggefallen, und sie waren vom Verhungern bedroht.

Schiff "Farley Mowat" – Foto by Adrian Tritschler
Einst nannte die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd Conservation Society ihr Schiff “Farley Mowat”; inzwischen wurde es allerdings verschrottet. –
Foto by Adrian Tritschler

Farley Mowat ist als einer von Kanadas ersten und engagiertesten Natur- und Umweltschützern bekannt geworden. Sein Einfluss ging aber über seine Heimat hinaus und erreichte sogar den Naturschutz in der Sowjetunion, nachdem sein Buch Never Cry Wolf (dt: „Ein Sommer mit Wölfen“; verfilmt von Disney als „Wenn die Wölfe heulen“) von 1963 auch ins Russische übersetzt wurde. Bis dahin hatte man in der Sowjetunion einen Vernichtungsfeldzug gegen Wölfe geführt. Wie auch anderswo in der Welt leitete das Buch dort eine tiefgreifende Veränderung der Einstellung zu diesen Tieren ein, die man zuvor lediglich als gefährliche, aggressive Schädlinge betrachtet hatte.

Archäologische Stätte auf Pamiok Island, Ungava Bay – Foto by LKovac
Archäologische Stätte auf Pamiok Island, Ungava Bay – Foto by LKovac

Unterhaltsame, heitere, humorvolle Bücher – in Deutschland wurde „Das Boot, das nicht schwimmen wollte“ und „Der Hund, der mehr sein wollte“ bekannt – gehören zu Mowats Werk ebenso wie Bücher mit geschichtlichen Themen. Faszinierend, wie er in The Farfarers die Möglichkeiten betrachtet, dass lange vor der Neuzeit und sogar vor den Wikingern bereits Entdecker von den Orkney-Inseln Kanada erreicht haben könnten: Grundlage sind archäologische Funde auf Pamiok Island. Die Nachbildung eines solchen möglichen Bauwerkes – das Steinfundament eines Langhauses, dessen Dach ein mit Walrosshaut bespanntes Boot bildet – wurde von Freunden in Mowats Garten in Port Hope aufgestellt.

Der Film “The Snow Walker” erschien auch auf DVD

Mowats Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und in über 50 Ländern insgesamt mehr als 17 Millionen Exemplare verkauft, was ihn zum wohl erfolgreichsten Autor Kanadas macht. Mehrere seiner Bücher wurden verfilmt, darunter The Snow Walker („Der Schneewanderer“).
Zeitgenossen berichten über Begegnungen mit ihm als einen liebenswerten, manchmal auch verstörend Unangepassten, hinter dessen gelegentlich bärbeißigem Auftreten sich ein fröhlicher, bezaubernder und sehr einfühlsamer Mensch verbarg.

10 Million Books - NFB Canada

Einen kurzen Film (ca. 25 min) über sein Leben kann man
hier beim National Film Board of Canada online sehen.

Farley Mowat liebte die Natur nicht nur – er studierte sie, schrieb über sie, brachte sie anderen Menschen nahe und tat sein Bestes für ihren Schutz. In großzügiger Weise hat er mit der Schenkung von über 80 Hektar Land auf Cape Breton Island, als künftigem Naturschutzgebiet, den Nova Scotia Nature Trust unterstützt. Vor 6 Jahren, am 7. Mai 2014, ging das erfüllte Leben eines leidenschaftlichen Menschen zu Ende.

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Grönland – Sinfonie

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Welch mutiger Schritt, in Eis und Schnee zu treten, mit jungen Menschen, die dort aufgewachsen sind, kreativ zu arbeiten. Alte und neue Geschichten berühren sich und – alles ist im Fluss. Stannes Schwarz zeigt nicht nur poetische Bildbeschreibungen der Landschaften und des Lichtes, sondern das heutige Leben in dieser Abgeschiedenheit, die gar nicht abgeschieden ist, hier geht es nur langsamer. Tradition und Moderne stoßen mehr oder weniger gewaltsam aufeinander. Kinder werden erinnert an die Geister der Urahnen ihrer Großeltern, mithilfe des Projektes von Stannes Schwarz „Kids+Art+Landscape“.

Grönland 1
Foto © Stannes Schwarz

In Maniitsoq fand das Hochzeitfest der INNUSSUIT statt – aus aufgesammeltem Müll, Plastikbehältern, wurden zwei Figuren am Ufer installiert, das Hochzeitspaar. Auf einer felsigen Klippe standen sie und waren mit Steinpyramiden umrahmt, die die Kinder anfertigten.

Apolooraq
Apolooraq
Inunnguaq
Inunnguaq

Porträtskizzen – © Stannes Schwarz

Inupaujak
Inupaujak
Nipinnguaq
Nipinnguaq

In Nanortalik errichtete Stannes Schwarz “Kratzer” – Qitsuvitoq. Es sind gefrorene Eiszapfen, die aufgerichtet auf Steinen stehen. In einer 22 Meter langen Reihe, mit Abständen, standen diese “Kratzer” in der Polarnacht. Leider kamen an diesen Tag zu dieser Aktion keine Kinder, und man traf sich erst am anderen Tag.

Grönland 2
Foto © Stannes Schwarz

In Qaqortoq stand der Abschied von den Schneegeistern bevor. Stannes Schwarz schob mit den Kindern die letzten Schneereste zusammen und bauten große Schneemasken, die innen mit Kerzen beleuchtet wurden. Der Abschied vom langen, kalten Winter wurde mit den Kindern gemeinsam gefeiert.

Grönland 3
Foto © Stannes Schwarz

Stannes Schwarz bricht in seinen Erzählungen viele Facetten auf, die in ihrer Komplexität eng verschlungen sind mit der Kolonialgeschichte, mit dem amerikanischen Stützpunkt während des 2. Weltkrieges und danach, mit dem Tourismus, mit dem Klimawandel, mit der verlorenen Jagd der Einheimischen, mit der Suche nach Rohstoffen – und viel Meer.

Grönland 4
Foto © Stannes Schwarz

Die Einsamkeit in den langen Polarnächten ist gefüllt mit Träumen, aber auch Depressionen machen sich breit. Ein schwankendes Gebäude, es droht zu kippen… Der Autor fängt es auf mit dem malerischen Zyklus, auf spröden Holzplatten: „Galerie der Polarfahrer“, wo Leid und Freud, Sieg und Niederlage dicht beieinander liegen. Untrennbare Pole!!! Diese karge Sprödigkeit ist verletzbar, wie unser Leben.

Buch Stannes Schwarz

Das Buch erschien im Achter Verlag.
216 Seiten mit Fotos, Aquarellierte Porträts und Malerei.

Ein Buch weit weg vom Tourismus hinein in den Alltag, das eine Brücke der sinnlichen Kommunikation schafft. Im Sinne von Beuys – eine soziale Plastik!

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Die Oder – oder …

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… eine Übung für Nova Scotia, oder Vogelbeobachtungen

Diesen Beitrag schrieb ich bereits 2015, und jetzt wird er auf unseren neuen Blog übetragen.

Wieder mal war Sonnenschein zu erwarten – falls der Wetterbericht nicht lügt. So entschloss ich mich kurzerhand am Vorabend, meine Sachen zu packen, die für eine Bootsfahrt wichtig sind. Der Bahnstreik wurde gerade 21°°Uhr beendet, so dass nichts im Wege stand.

Zugfahrt – Foto: © Ullrich Wannhoff
Die Blaue Stunde: Zugfahrt – Foto: © Ullrich Wannhoff

Morgens kommt die Blaue Stunde, als ich sechs Uhr am Bahnsteig stehe und der rote Doppelstockzug von Magdeburg nach Eisenhüttenstadt einfährt. Die glühend rote Sonne leuchtet durch die Wirtschaftswälder (Kiefer), die auf märkischem Sand stehen.
Nach anderthalb Stunden Zugfahrt laufe ich vom Bahnhof Eisenhüttenstadt nach Fürstenberg.

Einstieg in Fürstenberg – Foto: © Ullrich Wannhoff
Einstieg in Fürstenberg – Foto: © Ullrich Wannhoff

Unten am steinigen, menschenleeren Ufer blase ich mein rotes Gefährt auf. Eine junge Frau mit zwei Hündchen begrüßt mich, während ich mit Unterhose da stehe und mich umziehe. Nach zwanzig Minuten bin ich schon auf dem hier stillen Wasser. Schließlich ist das ein Kanal und noch nicht die Oder, die dreihundert Meter weiter entfernt fließt. Durch die milchige Wolkendecke leuchtet weiches Licht auf das Städtchen.

Mein rotes Boot – Foto: © Ullrich Wannhoff
Mein rotes Boot – Foto: © Ullrich Wannhoff

Kaum aus dem Kanal gepaddelt, nimmt mich der Strom mit nach Norden. Ein dunkles Schwemmholz kommt mir entgegen. Schwemmholz? Es ist ein Biber. Leider ist mein Fotoapparat noch nicht startklar. Nur wenige Minuten später steht ein neugieriger Rehbock vor mir. Der denkt sich wohl: „Soll ich hier bleiben oder wegrennen?“. Er ist noch unschlüssig, während das Fließgewässer mich immer näher zu ihm bringt und ich aus nächster Nähe fotografiere. Jetzt erst trabt er langsam durchs Schilf und verschwindet mit seinem weißen Spiegel am Hintern.

Neugieriger Rehbock – Foto: © Ullrich Wannhoff
Neugieriger Rehbock – Foto: © Ullrich Wannhoff

Die Bäume und Sträucher blühen und das junge zarte grüne Laub entfaltet sich, reckt und streckt sich nach Wärme. Vögel zwitschern, einige davon sind Zugvögel, die schon zurück aus dem Süden sind. So beobachte ich Fischadler, Schwarzmilan, Zilpzap, Wacholderdrossel, Kuckuck, Rauchschwalben, Küstenseeschwalbe – und andere werden noch kommen …

Graureiher im Flug – Foto: © Ullrich Wannhoff
Graureiher im Flug – Foto: © Ullrich Wannhoff

Endlich zieht der weiße Schleier auf, und es wird richtig warm. Zwei Silberreiher fliegen über mir. Öfters fliegen Graugänse vom Ufer auf, ziehen ihre Kreise, um hinter mir wieder ihre Ruheplätze einzunehmen. Sie sind sehr scheu.

Graugänse ziehen vorüber – Foto: © Ullrich Wannhoff
Graugänse ziehen vorüber – Foto: © Ullrich Wannhoff

Während das westliche Ufer fast menschenleer bleibt, sehe ich im Osten mehrere polnische Angler: als hätte sie Gott aus Lehm geschaffen, heben sie sich kaum von der Erde ab.

Das polnische Ufer der Oder – Foto: © Ullrich Wannhoff
Das polnische Ufer der Oder – Foto: © Ullrich Wannhoff

Im weiten Blau da oben am hellen Himmelszelt segeln ein Seeadler und ein Fischadler. Ich beobachte noch Mäusebussarde und einen schnell dahinfliegenden Turmfalken. Ein Schwarzmilan sitzt ruhig auf einer der vielen abgestorbenen Weiden. Sobald ich ihm mit dem Fließgewässer näher komme, fliegt er auf.

Schwarzmilan – Foto: © Ullrich Wannhoff
Schwarzmilan – Foto: © Ullrich Wannhoff

Ebenso ängstlich sind die Schellenten, die bei hundert Meter Abstand das Weite suchen.

Auffliegende Schellente – Foto: © Ullrich Wannhoff
Auffliegende Schellente – Foto: © Ullrich Wannhoff

Die kleinen Graugänse fliehen ins hohe Gras, sobald mein rotes Boot gesichtet wird.

Flüchtende Graugänse – Foto: © Ullrich Wannhoff
Flüchtende Graugänse – Foto: © Ullrich Wannhof

So paddle ich den lieben langen Tag, und viel Gezwitscher unterbricht die Stille angenehm und begleitet mich. Am lautesten sind die Bruchwasserläufer mit ihren hohen Pfeiftönen. Auffallend der weiße Bürzel und die länger herausschauenden Beine. Die Flußuferläufer stehen am steinigen gepflasterten Uferstreifen und wippen mit ihrem Hintern. Sie sind nicht ganz so scheu wie die Bruchwasserläufer, aber auch schwierig zu fotografieren.

Wippender Flussuferläufer – Foto: © Ullrich Wannhoff
Wippender Flussuferläufer – Foto: © Ullrich Wannhoff

Die Gänsesäger treibe ich unbeabsichtigt mit meinem Boot nach Norden. Sicherlich werden alle Vögel durch mein Paddeln im Oderbruch ankommen. Dies ein Grund genug, dort nach der Wende ein Naturschutzgebiet einzurichten … 😉

Gänsesägerpaar – Foto: © Ullrich Wannhoff
Gänsesägerpaar – Foto: © Ullrich Wannhoff

31 vom Wasser aus beobachtete Vogelarten – das ist nicht allzu viel, aber schön.

Flußseeschwalben – Foto: © Ullrich Wannhoff

Meine Gedanken fließen noch zu Gottfried Benn, als ich Frankfurt/Oder erreiche und durch zwei moderne Brücken paddle. Hier ein Auszug aus dem Gedicht „Teils-teils“:

… graue Herzen, graue Haare
der Garten in polnischem Besitz
die Gräber teils-teils
aber alle slawisch,
Oder-Neiße-Linie
für Sarginhalte ohne Belang
die Kinder denken an sie
die Gatten auch noch eine Weile
teils-teils
bis sie weitermüssen
Sela, Psalmenende.


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Schuhmacher und Polarforscher

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Heute jährt sich J. A. Miertschings Todestag – 30.3.1875

“Dieser Tage können wir in ganz Deutschland viel Grün und farbige Blüten sehen – unzweifelhaft hat der Frühling bereits Einzug gehalten. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass heute vor 139 Jahren in der Oberlausitz das Thermometer unter -10°C anzeigte. Der Winter von 1874/75 suchte die Oberlausitz in ungewöhnlicher Strenge heim …” So begann einst nser Beitrag “Johann August Miertsching zum Gedenken“, der auch einen Kurzüberblick über sein Leben gibt und hier nachzulesen ist. Auch an seine Umrundung Amerikas erinnerten wir bereits, und auf unserem Blog finden sich noch viele weitere Beiträge über ihn.

Grab Miertschings
Miertschings letzte Ruhestätte auf dem Gottesacker in Kleinwelka

In den letzten Jahren sprachen wir oft über Johann August Miertsching, den Sorben und Herrnhuter, den Schuhmacher und Polarforscher, den Pflanzenkundigen und Jäger – und vor allem den Mitmenschen seiner Gefährten, ob bei den Inuit in der kanadischen Arktis oder bei den Seeleuten an Bord von HMS Investigator. Unsere Vorträge im Völkerkundemuseum Herrnhut – so 2018 über den “Sorben in der Arktis” oder erst kürzlich: “Vom Eismeer zum Kap der Guten Hoffnung – Auf den Spuren von Johann August Miertsching – unterwegs in Kapstadt, Elim und Genadendal” – stießen auf großes Interesse.

Missionssiedlung Genadendal,
Missionssiedlung Genadendal. Gemälde von George French Angas

Auch unsere Vorträge bei der Maćica Serbska im Wjelbik in Bautzen (2018) oder in den Schwesternhäusern in Kleinwelka (2017) fanden sehr aufmerksame Zuhörer. Bei unserem Vortrag „A New Take on Johann August Miertsching“, gehalten auf der Internationalen Polartagung in Rostock 2018, stellten wir fest, dass – wie bereits vermutet – Johann August Miertsching bei vielen der anwesenden Polarforscher nahezu unbekannt war. Im englischen Sprachraum ist Miertschings Reisetagebuch jedoch seit Jahrzehnten eine vielzitierte Quelle, besonders bei Polarhistorikern und Kulturanthropologen.

Dieses große Interesse an Miertsching lässt uns hoffen, dass er, wenn auch verspätet, endlich auch in heimischen Gefilden angemessen beachtet und gewürdigt wird!

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Preisverleihungen in Zeiten von Corona

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Die ITB Berlin wurde abgesagt, und damit fiel auch die für den 6. März angesetzte Verleihung des ITB BookAwards aus. Ohne Kommentar. Aber für immer? Oder verschoben? Es war nichts zu erfahren, und natürlich gibt es auch viel Wichtigeres.

Auch die Leipziger Buchmesse fiel der Pandemie zum Opfer. Was geschah mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2020? Natürlich fiel die Preisverleihung auch aus. Oder? Zufällig hörten wir im Radio, dass der Deutschlandfunk übernahm: es gab somit eine “öffentliche” Preisverleihung – im Öffentlichen Rundfunk, ansteckungsfrei für die Zuhörer. Leider erst im Nachherein erfolgte auf der Website der Buchmesse eine entsprechende Pressemeldung.

Dass die ITB-Preisverleihung irgendwie virtuell stattfand, ist natürlich ok, aber besser wäre es schon, man hätte das als Beteiligter (z.B. Preisträger) auch erfahren können. Erst heute entdeckte ich das zufällig – auf “Jetzt ein Buch“.

ITB BookAward Ehrengastland Kanada
Herzlichen Glückwunsch
Virtuelle Preisverleihung
Virtuelle Preisverleihung
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Gestrandet auf der Beringinsel: Die Yacht „Wild“

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Auf einem Segelschiff ohne Segel. Viele Wolken, Erinnerungen – und natürlich Kunst

reblogged vom Dezember 2017

Am 18. September 2013 trieb ein Zweimaster führerlos bei starken Sturm gegen die steinige Küste der Beringinsel und zerschellte direkt am Ufer der einzigen Ortschaft Nikolskoje, die 1826 gegründet wurde und rund 700 Einwohner hat.

Meer – Pastellskizze  © Ullrich Wannhoff
Meer – Pastellskizze © Ullrich Wannhoff

Mit Hilfe eines Kranes hievten Sergej und seine Freunde die Segelyacht an Land, ganz in der Nähe seines Ateliers. Die Backbordseite war aufgerissen und der Schiffskörper voller Wasser.

Die Yacht Wild, dahinter Sergejs Atelier – Foto: © Ullrich Wannhoff
Die Yacht Wild, dahinter Sergejs Atelier – Foto: © Ullrich Wannhoff
Fluss Gavanskaya bei Ebbe  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Fluss Gavanskaya bei Ebbe – Foto © Ullrich Wannhoff

Die Yacht ruht auf dem schönsten Uferplatz der Siedlung, direkt an der Flussmündung Gavanskaya Reka. Hier fliegen zwar nicht die gebratenen Tauben vom Himmel, aber die Lachse ziehen bei Flut vor der Haustür vorbei.

Beschädigte Backbordseite mit eingebauter Tür  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Beschädigte Backbordseite mit eingebauter Tür – Foto © Ullrich Wannhoff

Die etwa 15 Meter hohen Masten wurden abgetakelt und liegen nun bei Sergej im Schuppen. Auf der verletzten Backbordseite baute Sergej ein japanisches Bullauge ein, und auch eine Tür, die nun den Eingang in den Schiffskörper bietet.

Eingang zur Yacht  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Eingang zur Yacht – Foto © Ullrich Wannhoff
Garderobe  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Garderobe – Foto © Ullrich Wannhoff

Die Treppe zum Deck wurde entfernt, so dass die Kajüte groß und geräumig wurde. Statt des Mastes schaut jetzt ein langes Ofenrohr heraus. Die Kajüte wurde mit historischen Fotos aus Alaska ausgeschmückt.

Inneneinrichtung mit Bild und Uhr  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Inneneinrichtung mit Bild und Uhr – Foto © Ullrich Wannhoff
Ölgemälde Moby Dick  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Ölgemälde Moby Dick – Foto © Ullrich Wannhoff

Ein selbstgemaltes Bild zu Melvilles „Moby Dick“, Bücher und viele interessante Utensilien bereichern den Raum und machen ihn urgemütlich.

Arbeitsplatz vor dem japanischen Bullauge  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Arbeitsplatz vor dem japanischen Bullauge – Foto © Ullrich Wannhoff

Die ursprüngliche Inneneinrichtung ist zu 70% erhalten. Eine polnische Werft stellte Segelschiffe für die Sowjetunion her. Wir nehmen an, das die Yacht auf der Danziger Werft hergestellt wurde, so wie auch Sergejs kleines Segelschiff „Alexandra“, die neben sein Bootshaus aufgebockt steht und mit Google Earth unter „Beringinsel, Nikolskoje“ betrachtet werden kann. Mit der „Alexandra“ segelten wir 1998 an der Küste Alaska entlang, auf den historischen Spuren von Vitus Bering und der Zweiten Kamtschatka-Expedition.

Sergej begutachtet, ob das Deck dicht ist  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Sergej begutachtet, ob das Deck dicht ist – Foto © Ullrich Wannhoff

Die Yacht mit den Namen „WILD“ kann bis 14 Personen aufnehmen. Auf Grund von Breite und Schnitt des Bootskörpers ist sie nicht die schnellste, und jetzt dient sie als feststehendes Quartier, ist mein Rückzugsgebiet vom Dorf.

Mein Arbeitsplatz  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Mein Arbeitsplatz – Foto © Ullrich Wannhoff

Nur das Rauschen des Meeres und die Schreie der Beringmöwen erreichen die Yacht, sobald ich die Türe am Morgen öffne und vergeblich den Sonnenaufgang suche.

Normales Wetter, Blick auf die Piers  –  Foto © Ullrich Wannhof
Normales Wetter, Blick auf die Piers – Foto © Ullrich Wannhof

Regen, Nebelwolken und starke Winde wechseln sich ab. Kein Fotografie-Wetter, aber für mich als Maler ist der Wolkenhimmel beeindruckend.

Abendlicht  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Abendlicht – Foto © Ullrich Wannhoff

Der Dresdner Maler und Arzt Carus schreibt: „Wie ziehende Wolken im steten Wandel begriffen, so die inneren Zustände des Menschen. Alles, was in seiner Brust widerklingt, ein Erhellen und Verfinstern, ein Entwickeln und Auflösen, ein Bilden und Zerstören, alles schwebt in den Gebilden der Wolkenregionen von unseren Sinnen.“

Insel Toporok mit untergehender Sonne  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Insel Toporok mit untergehender Sonne – Foto © Ullrich Wannhoff

So gehe ich jeden Tag ans Riff, wo der Wind die dunklen Wolken über mich her treibt. Die weiß schäumenden Wellen brechen an der erkalteten, schwarzen Lava, und ich warte auf helles Licht.

Brechende Wellen am Kliff  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Brechende Wellen am Kliff – Foto © Ullrich Wannhoff

Oft quält sich das Sonnenlicht nur spärlich durch die Wolkenbänke, und ein weißer Strich bleibt am dunklen Meereshorizont kleben. Kierkegaard schreibt: „Wolken sind Hirngespinste und Gedanken, was sind sie anderes? Sieh darum wird man alles anderen müde, doch der Wolken nicht.“

Meer und Wolken  –  Pastellskizze © Ullrich Wannhoff
Meer und Wolken – Pastellskizze © Ullrich Wannhoff
Sergejs Zeichnung von der Yacht "Wild" auf einer Tasse  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Sergejs Zeichnung von der Yacht “Wild” auf einer Tasse –
Foto © Ullrich Wannhoff

Fast jeden Abend sitzen Sergej rauchend und ich Tee trinkend am heißen knisternden Kanonenofen und erzählen uns alte Geschichten von Freunden und Bekannten, die wir über die Jahrzehnte zwischen Alaska und Russland gemeinsam kennen lernten. Balzac schrieb, das man zweimal lebt: „Das erste Mal im wirklichen Leben, das zweite Mal in der Erinnerung“. So schwelgen wir in die Nacht, bevor die Müdigkeit uns übermannt.

Blick durch das Bullauge, mit Engelfigur  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Blick durch das Bullauge, mit Engelfigur – Foto © Ullrich Wannhoff
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Wo die Atemluft zu Nebel wird: “Three Thousand” von Asinnajaq

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Dieser Beitrag, der erstmals zur Berlinale 2018 erschien, wird hier reblogged, da der Film “Three Thousand” im Februar und März dieses Jahres – (im Programm Kurzfilme Home and Native Land im Rahmen der Canada Now – The MapleMovies Festival Tour 2019/20) – nochmals in verschiedenen Kinos in Deutschland gezeigt wird.

Es sind nur 12 Minuten Film, doch welche Fülle und Intensität! Zarte farbige, abstrakte Gebilde bewegen sich, fließen und setzen sich neu zusammen, während die ersten Sätze erklingen wie Musik, gesprochen in Inuktitut und gleich darauf in englischer Übersetzung, in denen Asinnajaq eigentlich Unfassbares umreißt: “…jetzt lebe ich, aber ich werde sterben, und es wird eine Welt geben, in der ich nicht existiere“. Wie Poesie klingen auch die nächsten Worte, doch sie sind auch konkret, einfache Realität: “Mein Vater wurde im Frühlings-Iglu geboren – halb aus Schnee, halb aus Tierhäuten. Ich wurde im Krankenhaus geboren, mit Gelbsucht und zwei Zähnen“. Zwei Sätze, die das Tempo der Zeit erfassen, einen Generationswechsel – einen kulturellen Umbruch.

Pitsik, luftgetrockneter Arctic Char
Alltäglicher Anblick in Inuit-Gemeinden: Pitsik, luftgetrockneter Arctic Char

Beim Klang von Inuit-Kehlgesang zerfließen die farbigen Gebilde, geben den Blick frei auf eine eisbedeckte Meeresbucht vor hohen Bergen, auf Pitsik, rohe rote Fische, die zum Trocknen aufgehängt sind, auf eine schneebedeckte Tundralandschaft, über die der Wind fegt. Ein Hundeschlittengespann, Iglus, Frauen bei der Arbeit, neugierige Kinder … – Szenen aus alten Dokumentarfilmen in Schwarzweiß: Impressionen aus dem Alltagsleben der Inuit vor Jahrzehnten.

Kapitän Bernier mit CGS Arctic in Killinek
Kapitän Bernier segelte mit CGS Arctic in Siedlungen der Inuit; hier: Killinek

Szenenwechsel: Das Schiff „Arctic“ kämpft sich durch raue See, Inuit bereiten den Landungssteg vor, Kapitän Bernier, ein bekannter Polarfahrer, defiliert in Uniform vor den am Rand versammelten Inuit, an die Süßigkeiten ausgeteilt werden: Bilder einer Zeit, in der koloniale Attitüden gegenüber indigenen Völkern offensichtlich waren – und in der einschneidende Umwälzungen eingeleitet wurden, wie in der Folge erkennbar wird.

Asinnajaq – Foto: Alex Tran
Die Filmemacherin Asinnajaq – Foto: Alex Tran

Die junge Inuit-Filmemacherin Asinnajaq ist Absolventin des NSCAD in Halifax. Obgleich in Montreal geboren und aufgewachsen, ist sie der Welt ihrer Vorfahren fest verbunden. Sie verwendet Filmmaterial aus den Archiven des NFB (das National Film Board of Canada, das den Film auch produziert hat), darunter Dokumentationen, Propaganda- und Bildungsfilme wie auch Spielfilme von Inuit-Filmschaffenden; kombiniert mit Animationen schafft sie daraus eine faszinierende Collage.
Farbige Naturaufnahmen zeigen arktische Tiere, wie Karibus, die erstaunlicherweise in der schneebedeckten Tundra existieren können – genau wie die Inuit; trotz aller Unwirtlichkeit, der unerbittlichen Kraft der Natur in diesen hohen Breitengraden. Wir, weiter südlich lebend, gewöhnt an milderes Klima, könnten dort kaum überleben; die Inuit tun es seit Jahrtausenden, es ist ihre Heimat – die sich aber gerade radikal verändert.

Fourwheeler
Ein “Fourwheeler” (ATV), gängiges Transportmittel in heutigen Inuit-Gemeinden

Die „Videoschnipsel“ aus dem NFB-Archiv zeigen, wie die Inuit in erstaunlicher Weise, unter Nutzung der lokalen Ressourcen und mit einfachsten Mitteln ihr Leben meisterten und meistern. Viele der gezeigten Handlungen erscheinen uns nahezu archaisch. Das Abhäuten von Tieren, das Trocknen und Reinigen von Pelzen, das Schneiden von Lederriemen aber gehört noch immer zum Alltagsleben (wie auch der auf der Berlinale 2017 vorgestellte Film Angry Inuk zeigte) – dies auch in der großen arktischen Siedlung mit Supermarkt, Strom- und Wasserversorgung, farbenfrohen Häusern und modernen Küchen. Neugierige Kinder im Klassenzimmer, ein großes Fabrikgebäude in arktischer Landschaft und Inuit in der Essenspause in der Werkkantine stehen für den radikalen Umbruch. Der Fourwheeler hat das Hundeschlittengespann abgelöst, doch es ist noch immer Arktis; wo im Winter die Atemluft gefriert; wo auch die Kleinkinder wissen, dass ein totes Tier neben ihnen bedeutet, dass es etwas zu Essen gibt.

Asinnajaq- Animation mit Patrick Doan
Zeichnung von Asinnajaq, im Film animiert in Zusammenarbeit mit Patrick Doan

Packend die Intensität der Szenen, die in schneller Folge wechseln – und doch immer wieder Ruhepole zeigen: eine behaarte Raupe im Tundragras; die Großmutter, die ein kunstvolles Behältnis aus trockenem Gras flicht. Das alles eingebettet in Schichten von traumartigen Animationen, die sich in Landschaftsbildern auflösen; Musik, anfangs weich und sanft, sphärische Klänge, konturiert durch den rauen, hektischen Kehlgesang (hier wirkt auch Tanya Tagaq mit) – bereichert durch Naturgeräusche. Es ist Poesie, und es ist Alltag. Und es wird zur Vision, wenn Asinnajaqs digitale Animationen in die Zukunft führen, in das Jahr Dreitausend: unter den Nordlichtern im Dunkel der Polarnacht – oder des Universums? – glüht eine futuristische Inuit-Siedlung auf; ein Elternpaar in traditioneller Kleidung, das Baby im Amauti, schaut von einem Berg auf die strahlende Lichtkuppel im Zentrum der Siedlung: Kontinuität und Hoffnung.

Three Thousand, Filmposter, Ausschnitt
Three Thousand, Filmposter, Ausschnitt

Three Thousand, eine Produktion des National Film Board of Canada, war im Februar 2019 auf der Berlinale zu sehen, aus diesem Anlass entstand dieser Beitrag. Hier nun noch ein paar visuelle Impressionen von der damaligen Vorstellung im Zoopalast, wo “Three Thousand” gemeinsam mit “Fata Morgana”, einem Film über Tschuktschen, ihre Kolonialisierung und die heutigen Überlebenskämpfe, gezeigt wurde:
(Copyright für alle Fotos: Wolfgang Opel)

Vor dem Kinosaal im Zoopalast
Vor dem Kinosaal im Zoopalast
Nach dem Film: Fragen und Antworten
Nach dem Film: Fragen und Antworten
Asinnajaq, aka Isabella-Rose Weetaluktuk – Foto © Wolfgang Opel
Asinnajaq, aka Isabella-Rose Weetaluktuk – Foto © Wolfgang Opel

Asinnajaq über ihren Film: “The purpose for me in work is not so much to shame anyone. It’s more to show how strong we can be as people ….. it’s about me and where I’m from and all of us and how strong we are. And that’s why it’s going into the future and saying that we can have a world that we wanna have…”

Anastasia Lapsui und Markku Lehmuskallio schufen den Film "Fata Morgana"
Anastasia Lapsui und Markku Lehmuskallio schufen den Film “Fata Morgana”, der bei der gleichen Vorstellung gezeigt wurde.
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Das Grab von Tom Thomson – oder?

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reblogged vom September 2018

Kanada liegt nicht nur an drei Meeren, sondern hat noch eine riesige vierte Küstenlinie im Inneren – auch wenn Lake Ontario, Lake Erie, Lake Huron und Lake Superior trotz ihrer gigantischen Größe keine Meere, sondern „nur“ Seen sind.

The West Wind – Gemälde von Tom Thomson
The West Wind – Gemälde von Tom Thomson

An der Georgian Bay, einer Ausbuchtung des Lake Huron, liegt der kleine Ort Leith, in dem der wohl bedeutendste Maler Kanadas, Tom Thomson, aufgewachsen ist und nach seinem tragischen Tod – nach Angaben der Familie – auch bestattet wurde.

Porträt Tom Thomson, unbekannter Fotograf
Porträt Tom Thomson, unbekannter Fotograf

Als wir im August 2018 die Grabstätte aufsuchten, fanden wir sie mit vielen „Devotionalien“ geschmückt: Portraits von Tom Thomson, Pinsel, Farben, einer Flasche Rotwein, kleinen Steinen und auch einem Wanderstock. Wir legten eine Euro-Münze als Gruß aus dem fernen Europa dazu.

Grabstein für Tom Thomson in Leith
Grabstein für Tom Thomson in Leith

Wasser spielte für Tom Thomson eine besondere Rolle, denn er war nicht nur ein genialer Maler, sondern auch ein begeisterter Angler und Paddler, der sich oft wochenlang allein in der Wildnis aufhielt, wo er natürlich auch malte. Besonders viel Zeit verbrachte er am Canoe Lake im Alonquin Park.

 Canoe Lake – Foto von Ryan Hodnet
Canoe Lake – Foto von Ryan Hodnet
Hütte/Studio von Tom Thomson - Replik in Kleinburg, Ontario
Hütte/Studio von Tom Thomson – Replik in Kleinburg, Ontario

Viele der Ölskizzen, die Tom Thomson später im Atelier als Grundlage für seine Gemälde nutzte, entstanden auf seinen Paddeltouren über abgelegene Seen in Ontario.

Artist's Camp, Canoe Lake, Algonquin Park – Ölskizze von Tom Thomson
Artist’s Camp, Canoe Lake, Algonquin Park – Ölskizze von Tom Thomso

Es sind mit kräftigem Strich und leuchtenden Farben gemalte Landschaften mit Flüssen, Seen, die umgebenden Ufer, Berge und Wälder und einem oft dramatischen Himmel.

 Bateux – Ölskizze von Tom Thomson
Bateux – Ölskizze von Tom Thomson
Fall Foliage – Ölskizze von Tom Thomson
Fall Foliage – Ölskizze von Tom Thomson

Die Arbeiten von Tom Thomsons und die seiner Malerfreunde aus der späteren „Group of Seven“ begründeten die eigenständige kanadische Landschaftsmalerei.

Summer Shore – Gemälde von Tom Thomson
Summer Shore – Gemälde von Tom Thomson

Die zeitgenössische Fotografie kanadischer Landschaften, wie wir sie aus Bildbänden, von Kalendern oder aus dem Internet kennen, folgt oft – bewusst oder unbewusst – den Motiven und Impressionen der kanadischen Maler des frühen 20. Jahrhunderts wie Tom Thomson, den Mitgliedern der Group of Seven oder auch Emily Carr.

Jack Pine – Gemälde von Tom Thomson
Jack Pine – Gemälde von Tom Thomson
Nach Sonnenuntergang – à la Tom Thomson?
Nach Sonnenuntergang – à la Tom Thomson?

Glücklicherweise sind viele der Arbeiten dieser Maler in öffentlichen Museen zu sehen, wie in Toronto, Ottawa, Kleinburg, Vancouver.

Bilder in der McMichael Canadian Art Collection – Kleinburg, Ontario
Bilder in der McMichael Canadian Art Collection – Kleinburg, Ontario

In der Stadt Owen Sound – in der Nähe des kleinen Ortes Leith – besuchten wir die Tom Thomson Art Gallery, die sich hauptsächlich dem Leben und Werk des Künstlers widmet.

Tom Thomson Art Gallery in Owen Sound
Tom Thomson Art Gallery in Owen Sound

Tom Thomson wurde leider nur 39 Jahre alt, da er vor 101 Jahren beim Paddeln über den Canoe Lake im Algonquin Park ums Leben kam.

Tom Thomson im Kanu, unbekannter Fotograf
Tom Thomson im Kanu, unbekannter Fotograf
Tom Thomson – Büste von Brend Wainman Goulet
Tom Thomson – Büste von Brend Wainman Goulet

Thomsons Tod hat seither zahlreiche Wissenschaftler, Journalisten und Amateurdetektive beschäftigt. Manche Autoren vermuten, dass er ermordet wurde. Das konnte bisher aus vielerlei Gründen nicht aufgeklärt werden. Sowohl Nachfahren aus Thomsons Familie als auch die Behörden Ontarios weigern sich, DNA-Tests an einem Leichnam machen zu lassen. Dieser wurde vor 60 Jahren neben einem Friedhof am Canoe Lake gefunden, und es gibt schlüssige Indizien, dass dies Tom Thomsons Überreste sind.

Gedenktafel für Tom Thomson in Leith
Gedenktafel für Tom Thomson in Leith

Ein kürzlich publiziertes Buch von John Little über den Tod von Tom Thomson liefert neue Gründe, die zumindest zweifelhafte offizielle Todesursache des bedeutendsten Malers Kanadas neu zu untersuchen.

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ITB Berlin Buch Award 2020

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Völlig verblüfft waren wir vorgestern, als wir ganz unerwartet die Nachricht erhielten, dass wir “Gewinner” bzw. “Preisträger” sind!

Aus Anlass der ITB Berlin, der weltgrößten Touristik-Messe, werden jährlich Buchpreise vergeben. In der Rubrik ” Frankfurter Buchmesse Ehrengast 2020 – Kanada” sind nun unsere Bücher gleich zweimal vertreten!

Wir freuen uns sehr, dass unsere jahrelange gründliche Beschäftigung mit Kanada, unsere Recherchen und Reisen auf diese Weise ihre Anerkennung finden !!! Wir fühlen, dass mit dem Preis für das “Kanada-Länderporträt” auch unser Anliegen honoriert wurde, hier nicht nur ein tolles Reiseland mit großartiger Natur vorzustellen, sondern auch die Geschichte des Landes und seiner ersten Bewohner, die Folgen von Kolonialpolitik, die gelebte Multikulturalität und einige aktuelle Entwicklungen und Probleme zwischen notwendiger Dekolonisierung und heutiger Umweltkrise.

Nachtrag am 28.1.2020: Die Frankfurter Rundschau schreibt, der Direktor der Frankfurter Buchmesse Juergen Boos sei erfreut, dass sich mit Kanada ein Gastland in Deutschland präsentiere, das für die Akzeptanz des Diversen und der Multikulturalität stehe. Das ist ganz im unserem Sinne und es widerspiegelt sich auch in unserem Länderporträt über Kanada, das den ITB BuchAward bekommt!

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„Nachts flogen die Gomuli“

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Rezension zu einem ungewöhnlichen Gedichtband

Der Arzt und Naturforscher Georg Wilhelm Steller nahm von 1737 bis 1743 an der Zweiten Russischen Kamtschatka-Expedition unter Kapitän Vitus Jonassen Bering teil.

Vitus-Bering-Medaille
Medaille zum Gedenken an Vitus Bering, abgebildet im Buch auf S. 114

Steller schreibt: „Die Berg-Götter nennen sie [damit sind die Itelmenen, die Ureinwohner von Kamtschatka gemeint, die bereits vor weit über 20.000 Jahren, lange bevor die Russen und Europäer kamen, auf der Halbinsel lebten] Kãmŭlĭ [Gomuli] Diese wohnen auf den hohen und besonders brennenden und rauchenden Gebürgen… Sie ernähren sich von Wallfischfang, gehen des Nachts durch die Luft in die See…“

In dieser Anthologie sind Gedichte über Steller, über Tiere, die nach ihm benannt wurden, über Vitus Bering und über Kamtschatka zusammengetragen.

Für die Itelmenen waren die aktiven Vulkane heilige Orte. Daraus ergab sich der poetische Titel des Buches. Dem Herausgeber Joachim Ruf haben wir zu verdanken, dass 46 Autoren zusammengetragen wurden, die ein facettenreiches Bild in gedichteter Form über den Forschungsreisenden Georg Wilhelm Steller, über den dänischen Kapitän in russischen Diensten Vitus Bering, über die Halbinsel Kamtschatka und über das Stranden der Großen Nordischen Expedition auf der Beringinsel schildern. Dieses kleine Taschenbuch ist nicht nur ein Kleinod für alle, die Abenteuer lieben und sich für den fernen Osten in Sibirien interessieren, sondern es bietet auch auch Anregungen für Zukünftiges, darüber, wie wir mit der Natur und mit uns selbst umgehen.

Nachts flogen die Gomuli: Gedichte in deutscher, russischer und englischer Sprache, herausgegeben von Dr. Joachim Ruf. 3. Auflage; 8,99 €, Ebook 4,49 €.
ISBN: 373573717X, EAN: 9783735737175. BoD, bestellbar beim Buchhändler Ihres Vertrauens. Erhältlich auch bei Thalia, Hugendubel und im einschlägigen online-Buchhandel.

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Alles Gute zum Neuen Jahr! – Happy New Year!

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Zum Neujahr grüßen wir mit einem Schatz der Filmgeschichte: „Conquest of the Pole“ ist ein 30-minütiger Science-Fantasy-Film von Georges Méliès nach einem Buch von Jules Verne. Die Parodie über den Wettlauf rivalisierender Parteien zum Nordpol hat interessante cineastische Features, insbesondere wenn man die Ikonographie von vor über 100 Jahren und die einfachen technischen Mittel der Zeit bedenkt! Köstlich ist, wie zu dieser Zeit die arktische Landschaft und der Nordpol gesehen werden: hier gibt es Eisspitzen, Monolithen mit Kristall-Struktur und sogar einen Schneeriesen … – Genießt es! (below you find the text in English)

WFrohes Neues Jahr 2010 – We wish you a Happy New Year 2020!

As a New Year’s greeting we herewith point to a 30 minute video which shows a treasure of film history: „Conquest of the Pole“ is a science fantasy film by Georges Méliès based on a book of Jules Verne. It is a parody dealing with a race to the north pole by rival parties. Some charming cinematographic highlights, given the iconography and simple technical features – note this is 100 years old! Delicious how the landscape and the North Pole is seen at this time, with ice spires, crystalline monoliths, a Snow Giant – just enjoy.

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Deutsche Weihnachtslieder unter dem Polarlicht

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reblogged vom Dezember 2013

Kuvianak inovia – so heißt der Gruß „Frohe Weihnachten“ bei den Inuit in Nunatsiavut (Labrador) an Kanadas Nordostküste. In diesen Tagen sind die Kirchen und auch die Wohnungen in Makkovik, Hopedale und Nain mit Adventskränzen und Herrnhuter Sternen geschmückt, und manche Inuit singen deutsche Weihnachtslieder wie „Napâttuasuk” (O Tannenbaum) und „Unnuak Upinnak“ (Stille Nacht) – in ihrer Sprache Inuktitut, wie es schon seit über 200 Jahren Brauch ist.

Herrnhuter Stern
Herrnhuter Stern

Schon seit Jahrhunderten gab es in der Zeit, in der wir Weihnachten feiern, auch bei den Inuit in Labrador ein Fest des Wiedersehens, wenn man nach langer Trennung wieder mit Freunden und Verwandten zusammentraf. Die Jägernomaden waren im Frühjahr aufgebrochen, um zu jagen und zu fischen. Robben, Karibus, Füchse, Forellen, Lachse, Kabeljau und Seesaibling wurden für Essen, Kleidung und für Jagd- und Fischfanggerät benötigt – später auch für den Handel, z.B. gegen Mehl, Zucker, Tee und Stoffe. Erst wenn überall Schnee lag, die Gewässer gefroren waren und dickes Eis vor der Küste lag, wurde eine Pause eingelegt, und die Familien trafen im Dezember wieder an den Winter-Siedlungsplätzen zusammen.

Kirche von Makkovik - um 1900
Kirche von Makkovik – um 1900

1771 hatten Missionare der Brüdergemeine aus Herrnhut (Oberlausitz, jetzt Sachsen) in Nain die erste Missionsstation an Labradors Küste errichtet. Noch heute heißt die Schule dort Jens Haven Memorial School, nach dem Begründer. Es folgten Missionsstationen in Okak (1776) und Hopedale (1782), 1830 wurde Hebron gebaut, 1865 Zoar, 1871 Ramah, und 1896 gründete der Missionar Hermann Theodor Jannasch die Mission Makkovik.
Im 19. Jahrhundert waren sehr viele Labrador-Inuit bereits getauft und nahmen an den christlichen Weihnachtsfeiern teil. Nach Möglichkeit gab es in jeder Hütte einen geschmückten Weihnachtsbaum. Selbst in den Gemeinden nördlich der Baumgrenze wurden Touren mit dem Hundeschlitten nach Süden unternommen, um aus dem Wald nicht nur Brennholz, sondern auch Tannenbäume für das Fest herbei zu schaffen.

Weihnachten in Labrador - in alten Zeiten
Weihnachten in Labrador – in alten Zeiten

Am 24. Dezember begab man sich nachmittags um 4 Uhr in Festkleidung zur Christnachtsfeier in den nur schwach beleuchteten Kirchensaal. Hier wurde die Weihnachtsgeschichte verlesen, und anschließend sangen die Schulkinder ein Lied, während für jeden ein Stück Gebäck ausgeteilt wurde. Nun folgte der Gesang aller Erwachsener: „Sillaksub pingortitinga, Mariable Sardliapa“ – „Das ewig’ Licht geht da hinein, gibt der Welt ein’n neuen Schein“ – als die Türe aufsprang und Kirchendiener mit Tabletts voller brennender Kerzen in die dunkle Kirche einzogen.

Christingle - Design by Tabea Murphy, Nain
Christingle – Weihnachtskarte, Design by Tabea Murphy, Nain

Jedes Kind bekam eine Kerze in einer ausgehöhlten Wasserrübe, die als Kerzenständer diente. Bevor ausreichend Wachskerzen aus Europa eingeführt wurden, waren diese Kerzen aus dem Talg der Karibus gezogen worden – was bedeutete, dass die Kinder sie hinterher essen konnten; zusammen mit der Wasserrübe und dem Gebäckstück bildeten die Kerzenstümpfchen eine recht ausgefallene Festtagsmahlzeit.

Adventskranz in der Kirche in Makkovik
Adventskranz in der Kirche in Makkovik

Unter dem Gesang von “Unnuak Upinnak“ (Stille Nacht, heilige Nacht), begleitet vom Posaunenchor, verließen die Gemeindemitglieder nun die Kirche. Am 1. Feiertag gab es dann eine Festpredigt mit Chorgesang und Geigen. Die Weihnachtszeit klang nach dem Herrnhuter Brauch mit dem Erscheinungsfest am 6. Januar aus, auch „Heidenfest“, hier „Nalajuk Night“ genannt.

Die Kirche von Nain - 2009
Die Kirche von Nain – 2009

Heute gibt es die Siedlungen in Ramah, Okak, Zoar und Hebron nicht mehr; aber in Nain, Hopedale und Makkovik sind wie damals die Kirchen mit Adventskränzen und Herrnhuter Sternen geschmückt. Nach altem Brauch geht man um 16:00 in die Kirche und singt gemeinsam die traditionellen Lieder beim „Candlelight Service“, die Kinder erhalten Kekse, und die Kerze gibt es nun in einem ausgehöhlten Apfel, das nennt man “Christingle”. Und auch am 6. Januar, „Old Christmas“, ziehen noch drei als „Nalajuk“ (Weise Männer), verkleidete Personen durch das Dorf.

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“In dieser eisigen Wüste” – Weihnachtsfest auf andere Art

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reblogged vom 22.12.2014

Damals fielen wir vor Schreck fast aus dem Bett, als es um Mitternacht plötzlich laut donnerte und krachte. Es war der 24. Dezember. Zur Feier des Tages hatten wir in einem kleinen Restaurant im abgelegenen argentinischen Städtchen El Calafate – nahe der patagonischen Anden am Lago Argentino – zu Abend gegessen und, anstatt zu campen, uns ein Hotelzimmer gegönnt, und dazu eine Schachtel handgemachter Pralinen aus der örtlichen Chocolaterie und ein Fläschchen Likör aus Calafate-Beeren geleert. Das war unsere bescheidene „Bescherung“ – denn das eigentliche Weihnachtsgeschenk für unsere vierköpfige Familie war die Patagonienreise selbst gewesen.

Weihnachten auf der Südhalbkugel: hier ist Sommer!
Weihnachten auf der Südhalbkugel: hier ist Sommer!

Schon um 11 lagen wir im Bett und schliefen.
Allerdings nicht lange. Auf Böller in der „heiligen“ Nacht vom 24. zum 25. waren wir – in Unkenntnis der hiesigen Bräuche – nicht gefasst, und erst recht nicht auf das dann noch fast zwei Stunden andauernden Gehupe, denn ein Autokorso lärmte unentwegt durch die Stadt.
Andere Länder, andere Sitten. Weihnachten schien für unsereins ohnehin nicht ganz zum Sommer der Südhalbkugel zu passen, auch wenn sich große Gletscher in der Nähe von Calafate befanden.
Dann schon eher zum Hohen Norden, zur Arktis?

Der Gletscher Perito Moreno am Lago Argentino
Der Gletscher Perito Moreno am Lago Argentino

Als der Oberlausitzer Johann August Miertsching, der eine britische Suchexpedition zur Auffindung der verschollenen Franklin-Expedition als „Eskimo“-Dolmetscher begleitet, im Jahr 1850 sein erstes Weihnachtsfest in der Polarnacht an Bord der im Eis eingefrorenen „HMS Investigator“ erlebt, fällt auch er fast aus allen Wolken. Er ist so befremdet, dass er im Tagebuch sein Missfallen nur knapp ausdrückt:
… aber leider ertönt in dieser eisigen Wüste kein Hosianna. Wie und auf welche Weise dieser Tag, u. überhaupt das Weihnachtsfest hier gefeiert wurde, halte ich nicht für werth in mein Tagebuch einzutragen, wird mir aber mein Leben lang im Andenken bleiben. … konnte aber die ganze Nacht wenig schlafen, wegen dem Lärm u. Specktackel, was von einigen, die zuviel und starck getruncken, die ganze Nacht hindurch verursacht wurde.

Seemänner beim Feiern - Zeichnung von Georg Cruikshank
Seemänner beim Feiern – Zeichnung von Georg Cruikshank

Auch ein Jahr später hat das arktische Eis die „Investigator“ noch im Griff. Seit September 1851 ist das Schiff in der Mercy Bay, im Norden von Banks Island, eingefroren. Miertsching ist inzwischen arg vom Heimweh geplagt und hängt Erinnerungen an die Feiern in der Brüdergemeine der Herrnhuter nach, und so ist das Fest an Bord wiederum eine Enttäuschung für ihn:
… Wir haben wieder ein fröhliches Weihnachtsfest gefeiert; aber welche Fröhlichkeit herrschte hier? Keine solche, wo sich ein wahrer Christ mitfreuen könnte; wenn das in England überall so gefeiert wird wie hier und auf andern Schiffen von Engländern, so sollte man doch dieses ein Freß- u. Sauffest nennen.“

Illustration in "Aboard Ship" von Charles Dickens
Hier wird der Grog im Eimer angerichtet –
zeitgenössische Illustration in “Aboard Ship” von Charles Dickens

Die Hoffnung, die „Investigator“ im Sommer 1852 frei zu bekommen und zurück nach Europa zu segeln, sollte sich nicht erfüllen. Ein dritter Winter in der Arktis steht bevor, und diesmal ist nicht nur die Kälte, sonder auch der Hunger ein Feind. Die missliche Lage der im arktischen Eis gefangenen Männer hat sich durch den Mangel an Lebensmitteln, Heizmaterial und Kerzen deutlich verschärft. Kann das Weihnachtsfest etwas Licht in die Dunkelheit der Polarnacht bringen und den Hoffnungslosen wieder ein wenig Freude bereiten?
Miertsching, obwohl ihm die Sitten und Bräuche der englischen Matrosen noch immer nicht zusagen, springt nahezu über seinem Schatten; er schildert das Fest, das zu Weihnachten 1852 an Bord des Schiffes veranstaltet wird, diesmal fast ohne kritische Worte – und sogar mit etwas Anerkennung für die Bemühungen der Crew:

Plum Pudding, der traditionelle britische Weihnachtskuchen
Plum Pudding, der traditionelle britische Weihnachtskuchen

Heute ist das fröhliche Weihnachtsfest; – ist es auch für mich fröhlich? – ach es liegt nur an mir selbst daß es nicht so ist wie es sein sollte u. könnte. … Das Unterdeck, die Wohnung der Matrosen, war auf’s geschmackvollste ausgeziert mit Flaggen u. Bildern, – von den Matrosen selbst gemalte u. gezeichnete Scenen unsrer verschiedenen Positionen auf der Reise u. im Eis; u. Fahnen sowie geschriebene Dencksprüche in Reim zierten die Wände; – auf jedem der Tische stand ein großer plum pudding, einen Berg vorstellend, auf welchen die kleinen seidenen von den Matrosen selbst verfertigten engl. Flaggen und Kriegswimpel wehten. Der Proviantmeister hatte gewußt ein viertel Moschusochsen aufzubewahren, dasselbe wurde nun als echt englisches roast Beaf produciert, welches eine unverhoffte Freude und vielen Spaß verursachte. … Es war ein angenehmer vergnügter Tag für jeden auf dem Schiff.“

Schlitten verlassen die Investigator - Zeichnung von S.G. Cresswell
Schlitten verlassen die Investigator – Zeichnung von S.G. Cresswell

Und noch ein weiteres Weihnachtsfest müssen Miertsching und seine Gefährten in der Arktis verbringen. Die im Eis gefangene „Investigator“ hatten sie im Frühjahr 1853 aufgeben müssen, aber vor dem fast schon sicheren Tod auf einem Hungermarsch durch arktische Weiten wurden sie bewahrt: Eine andere britische Schiffsexpedition, die sich auf der Suche nach Franklin befand, konnte die Mannschaft retten und aufnehmen.

Wrack von HMS Investigator - Foto: Parks Canada
Das Wrack von HMS Investigator (1853 im Eis der Arktis verlassen und später gesunken) wurde 2010 wieder gefunden — Foto: Parks Canada

Doch auch die rettenden Schiffe, HMS Resolute und HMS Intrepid, werden vom Wintereis umklammert gehalten. Miertsching ist wie seine Kameraden froh, überlebt zu haben; er hat sich inzwischen an die fremden Weihnachtsbräuche gewöhnt und findet nun sogar durchweg freundliche, wenn auch knappe Worte:

Weihnachtsfeier auf britischem Kriegsschiff
Weihnachtsfeier auf britischem Kriegsschiff, Ende des 19. Jh.

Heute wurde das Heil. Christfest nach englischer Schiffsmanier mit Essen, Trincken u. Fröhligsein verbracht. Roast beef und plum pudding darf an diesen Tage nicht fehlen. Die Matrosen-Wohnungen in beiden Schiffen, waren sehr geschmackvoll mit Flaggen, Bildern und verschiedenen schön geschriebenen Motto’s ausgeziert.
Erst 1854 kann Miertsching das Weihnachtsfest endlich wieder in vertrauten Kreisen in seiner Familie und der Herrnhuter Brüdergemeine verbringen, nachdem er im Oktober 1854 zunächst nach England und von dort Ende November in die Oberlausitz zurückgekehrt war.

Herrnhuter Adventsstern
Herrnhuter Adventsstern
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What we found in The Pas …

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… or Paskoyak, Basquiaw, The Paw, Opaskwayak

Reblogged from August 2018

Deutsche Version hier.

We had a tight schedule, a long way to go and not much time left, therefore we did not plan to visit the Sam Waller Museum in The Pas. But then, when we could not find Christ Church, which is an important historic building of the town, we still went into the museum to ask. Which meant that we stayed another 2 hours in that small town in Western Manitoba – and learned a lot more.

Christ Church on a rainy day
Christ Church in The Pas on a rainy day

For centuries, members of the Cree First Nation lived here, mainly hunting and fishing. What is known in Europe about this place began with the then 19 year-old Henry Kelsey, probably the first non-indigenous who travelled the area when scouting the country for fur trading opportunities with indigenous people for his employer, the Hudson’s Bay Company (HBC). He wintered here in 1690. Kelsey, who worked many years for the HBC, had learned several indigenous languages. The long time lost journal of his expedition was discovered in Ireland in 1926.

Memento for Henry Kelsey in The Pas
Memento for Henry Kelsey in The Pas

Half a century later, Montreal explorer Pierre Gaultier de La Verendrye and his sons explored much of the area which is now Manitoba. Here at the Saskatchewan River, they built the trading post Fort Paskoyak in 1743, but it operated only until the mid-1750s.

Detail of a map by Samuel Hearne
Detail of a map by Samuel Hearne

In 1774, the Hudson’s Bay Company sent Samuel Hearne, to establish their first inland trading post „at a site known as Basquia“ on the banks of the Saskatchewan River. Since Hearne found little suitable timber here, and because the local Cree people convinced him that there would be a more favourable place upstream, he finally built the post Cumberland House on Cumberland Lake. It lies – as the crow flies – only 60 km away from The Pas. On the Saskatchewan River, it might have meant about 100 km of rowing upriver. Today, although Cumberland House has road access now, from The Pas this is a 320 km drive one-way, mostly on a very rough gravel road. For us, this would have meant at least about 10 additional hours round trip by car … but, hopefully, we can visit this historically significant place next time?”

Sir John Richardson, painting by Stephen Pearce – © National Portrait Gallery, London
Sir John Richardson, painting by Stephen Pearce –
© National Portrait Gallery, London

Cumberland House was an important station for the Rae Richardson Expedition on their long way to learn about the fate of the lost Franklin Expedition – travelling overland to the Great Slave Lake, then on the Mackenzie River, finally tracing the coast between the Mackenzie and Coppermine rivers, as well as the shores of Victoria Island and the Wollaston Peninsula. To make sure that sufficient equipment and provisions were available for this long journey, an advance expedition, consisting of 20 skilled men and four big boats with additional supplies, left England already in 1847. Via Hudson Strait und Hudson Bay, these men reached Hudson’s Bay station Cumberland House, where they spent the winter.

John Rae, painting by Stephen Pearce – © National Portrait Gallery, London
John Rae, painting by Stephen Pearce –
© National Portrait Gallery, London

During that winter, when mainly fishing and cutting firewood, these men were probably not fully stretched – and here Sa-ka-cha-wes’cam („Going Up the Hill“) comes into the game, a young Cree, baptized and christened Henry Budd. He started as a farmer, but soon dedicated his life to the temporal and spiritual development of the indigenous community; he was ordained as the first indigenous priest of the Anglican Church in North America.

Budd-Memorial in the Church
Memorial for Sakachewescam aka Henry Budd in the Church

In 1840, Henry Budd, with his family, moved to Paskoyac, because he was sent to establish a mission station with the Cree people there. Soon numerous Cree children attended his school lessons. He also started a garden to improve food supplies for the community. In 1844, he was joined by the white Reverend James Hunter, who, however, received twice as much salary as Budd.

The Pas in a contemporary drawing
The Pas in a contemporary drawing

For the interior of the mission’s church, there was active help by the relief expedition of Rae and Richardson from the “neighboring” Cumberland House. These skilled craftsmen, among them Robert McKie and James McLaren, built pews, railing, pulpit, baptismal font, prayer desk and tablets.

Interior of the Christ Church
Interior of the Christ Church

When we finally found the Christ Church in The Pas we were surprised to learn that this artful furniture from 1847 still adorns the church today, although now restored and in a renovated building. Here, for the first time we could see the 10 commandments printed in the syllabics of the Cree, in the translation of Sakachewescam alias Henry Budd. He has also translated hymns and parts of the Bible into Cree.

The 10 Commandments in Cree Syllabics
The 10 Commandments in Cree Syllabics

We were even more surprised when we learned that Rae and Richardson had been here themselves. Launched in March 1848 in Liverpool, they reached New York in April and shortly thereafter Montreal. A crew of Iroquois and Chippewa eventually brought them to Cumberland House. In the diary of the famous Canadian painter Paul Kane under the date June 12, 1848, the entry reads: “We arrived at the Paw (sic!) where my old friend, Mr. Hunter, … gave me a most hearty welcome … We met here Sir John Richardson and Dr. Rae, en route to Mackenzie River with two canoes in search of Sir John Franklin.“ No doubt, this must have been an interesting encounter!

"Brigade of Boats", Paul Kane - Courtesy of the Royal Ontario Museum, © ROM
“Brigade of Boats”, oil on canvas, 1849-1856; by Paul Kane (1810 Mallow, Ireland–1871 Toronto, Canada) – Courtesy of the Royal Ontario Museum, © ROM

It gets even better: Sir John Franklin himself, too, had a personal relationship with today’s The Pas. On the overland Expedition of 1819, he traveled on the Saskatchewan River and wintered in Cumberland House.

Map of Franklin's journey to Cumberland House
Map of Franklin’s journey to Cumberland House

He also came here on the way there and back on the expedition 1825-1827. He had seen the Cree settlement Opaskwayak already in 1819, and later he recommended to the Church Missionary Society (CMS) to establish a mission here – which ultimately led to the establishment of the “Devon Mission” by Sakachewescam alias Henry Budd.

Sundial, sent by Lady Franklin – © Sam Waller Museum
Sundial, sent by Lady Franklin – © Sam Waller Museum

Franklin was impressed by this small “island of civilization” in the wilderness, and his wife, Lady Jane Franklin, later sent a valuable gift to the Devon Mission (today’s Christ Church): a brass sundial. This sundial had its place in the small Devon Park in front of the church for a long time. But vandalism made it necessary to move it into the Museum — where it is now, safe and on permanent exhibit.

Commemorative plaque in the church
Commemorative plaque in the church
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