„Der Stille Fluss Kamtschatka“ – Aus dem Buchregal

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reblogged vom April 2016

Ullrich Wannhoffs Buch über eine ungewöhnliche Flussfahrt

Sein Freund Viktor hatte ihn in Petropawlowsk 3-fach gewarnt: vor dem Hochwasser, das die Ufer unzugänglich macht, vor den Mücken, die ihn zur Umkehr zwingen würden, und vor den Braunbären, die für Alleinreisende gefährlicher sind als für Gruppen. Der Maler, Naturfreund und -forscher Ullrich Wannhoff trat dennoch seine 400 km lange Paddeltour an: auf dem Fluss Kamtschatka bis zum Stillen Ozean. Er war ja kein Neuling mehr und hatte die Halbinsel im Fernen Osten Russlands schon viele Male bereist. Allerdings noch nie mit einem Kajak auf dem Fluss! Diese Fahrt hat er nun in einem neuen Buch voller Reminiszenzen über Natur, Geschichte und seine Paddelei beschrieben.

“Rostiges Ufer“ – © Ullrich Wannhoff
“Rostiges Ufer“ – © Ullrich Wannhoff

Mit Zelt und Rucksack, einem aufblasbaren Kajak und – angesichts der Warnungen – bemerkenswert viel gutem Mut trat er seine einsame Reise an. Die Bären mussten ihn wohl ausreichend in Ruhe gelassen haben, denn er kam heil zurück, und wer unseren Blog verfolgt, hat vielleicht hier oder hier schon über einige seiner Erlebnisse und Impressionen auf dem Kamtschatka-Fluss gelesen.

Jede Menge Mücken, auch im Zelt – Foto: © Ullrich Wannhoff
Jede Menge Mücken, auch im Zelt – Foto: © Ullrich Wannhoff

Welche Probleme ihm die Mücken bereiteten, kann man vielleicht ahnen – oder man liest es besser nach: Kürzlich erschien Ullrich Wannhoffs Buch „Der stille Fluss Kamtschatka“. Hier geht es jedoch um wesentlich mehr als um Mücken …

Der stille Fluss Kamtschatka
Buch „Der stille Fluss Kamtschatka”

Ullrich Wannhoff nimmt uns mit auf einen breiten und ruhig dahinfliessenden Fluss. Seine Art des Reisens in der einzigartigen Flusslandschaft zwischen den Vulkangebirgen Kamtschatkas ermöglicht ihm reichlich Gelegenheit zur Naturbeobachtungen, und er hat Zeit zum Nachdenken und Verarbeiten.

Möwe – © Ullrich Wannhoff
Aus dem Skizzenbuch: Möwe – © Ullrich Wannhoff

Wir erfahren nicht nur, was Ullrich Wannhoff sieht und erlebt, sondern auch so einiges von dem, was ihm durch den Kopf geht. Der belesene, historisch und naturwissenschaftlich interessierte Künstler kennt auch die Berichte der Reisenden und Forscher, die bereits vor Jahrhunderten an diesen fernen Orten unterwegs waren. Historischer Hintergrund, Beobachtungen über die gegenwärtigen Verhältnisse im Kontrast zum Leben während der Sowjetzeit und im zaristischen Russland fließen in den Text ein, ebenso wie sein Dialog mit der Natur, Landschaftsimpressionen und Gedanken über Kunst.

Vulkangebirge zwischen Himmel und Fluss – © Ullrich Wannhoff
Pastellskizze: Vulkangebirge zwischen Himmel und Fluss – © Ullrich Wannhoff

Lassen wir Ullrich Wannhof selbst zu Wort kommen, wenn er sich über sein Buch äußert:
Georg Forster schreibt an seinen Verleger Spener: ‘dass der Mensch keine angeborne Ideen habe, sein Gedächtnis materiel sey, dass das ganze der Vernunft auf den erhaltenen sinnlichen Eindrücke beruhe…’. Dies entspricht ganz meiner Weise, meine Beobachtungen aus dem Materiellen in sinnliche Konstruktionen zu verwandeln, also in Malerei oder in Worte.

Aus dem Skizzenbuch – © Ullrich Wannhoff
Aus dem Skizzenbuch – © Ullrich Wannhoff

Ich bin sehr gerne allein und fröne meiner „Menschenallergie“, aber treffe ich auf Menschen, bleiben meine Beobachtungen nicht unberührt. Das Spagat zwischen Natur und Gesellschaft – wie weit kann und darf Natur (Evolution) in die Gesellschaft hineinfließen oder umgekehrt – bleibt immer wie eine Schere, die sich nicht schließt. Das reißt Gedanken auf, die wir von Georg Forster her gut kennen.

Vulkan – © Ullrich Wannhoff
“Blick in den weißen Krater“ – © Ullrich Wannhoff

Der Versuch, ein einheitliches „Gebäude“ zu formulieren, bleibt Fragment. Auch dieses Buch ist eine Collage von vielem, wo Naturwissenschaft und Kunst im Streit liegen – und wohl noch nie so weit auseinander lagen, wie in der heutigen, spezialisierten Zeit. Das Vorhaben, dies zu kitten, bleibt ein hilfloser, romantischer Versuch, mehr nicht…

Collage – © Ullrich Wannhoff
Collage mit Teebeutel „Kreis im Quadrat“ – © Ullrich Wannhoff

Es wird klar, dass Ullrich Wannhoffs Buch kein herkömmliches Abenteuerbuch ist – trotz der so abenteuerlich anmutenden Unternehmung – sondern ein Versuch, ganz Verschiedenartiges zusammenzubringen: das unmittelbare Erleben, die Kunst, Reflexionen über Naturwissenschaft und Geschichte: es ist zu großen Teilen ein Gedanken-Buch.

Trittsiegel von Bär und Mensch – Foto: © Ullrich Wannhoff
Trittsiegel von Bär und Mensch – Foto: © Ullrich Wannhoff

Doch auch der Alltag des Paddlers im fremden Land kommt nicht zu kurz, mit seinen schönen Seiten wie auch seinen Problemen. Wir können seine Freude miterleben, wenn er Vögel beobachtet; er lässt uns an seinen Begegnungen mit den Bewohnern Kamtschatkas teilnehmen; plastisch schildert er die vergebliche Suche nach einem Platz zum Kampieren am überfluteten Ufer oder seine mühseligen Bestrebungen, die Batterien für seine Kamera aufzuladen. Es ist höchst interessant, was er unternimmt, um von den Bären ungeschoren zu bleiben. Und was mit seinen beiden Kameras im Verlauf der Reise geschieht, das verraten wir hier nicht. Nachlesen!!!

P. S. Ullrich Wannhoff paddelte auch in Deutschland, z.B. auf Spree und Peene, nochmals auf der Spree und dem Dämeritzsee, sowie in Kanada – als Eremit auf dem Second Christopher Lake und in verschiedenen Meeresbuchten; und er hatte dort am Saisonende im Herbst einen ganzen Provinzpark für sich allein.

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Bären auf Kamtschatka Teil II – Jagd gestern und heute

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Reblogged vom November 2016

Schwarze Bären … hat man auf ganz Kamtschatka in unbeschreiblicher Menge, und sieht man solche Heerdenweise auf denen Feldern umher schweifen. Im Frühjahr kommen sie haufenweise von den Quellen der Flüsse aus denen Gebürgen, wohin sie sich in Herbste der Nahrung wegen begeben, um daselbst zu überwintern.“ Solche Sätze und mehr finden wir bei Georg Wilhelm Steller, der 1739-1746 auf Kamtschatka war.
Die Itelmenen – eines der indigenen Völker auf Kamtschatka – erlegten die Bären mit Speeren, nachdem sie Fallgruben ausgehoben und mit einer Grasdecke überzogen hatten. Im Winter suchten sie die Bären in ihren Höhlen auf, wohin diese sich zur Winterruhe zurückzogen (Bären senken ihren Blutkreislauf auf ein Minimum). Die Itelmenen stießen mit Speeren durch die Erdhöhle.

Aufgespannte Bärenfelle – Foto: © Ullrich Wannhoff
Aufgespannte Bärenfelle, mit Salz eingerieben – Foto: © Ullrich Wannhoff

Bären haben ausgetretene Pfade, die sie immer wieder benutzen, und dort werden Schlingen aufgestellt. Eine Fangmethode, die bis noch heute üblich ist. In einer Jagdhütte fand ich den Schädel eines so gefangenen Bären. Die Zähne waren stark abgenutzt, als der Bär sich von der Metallschlinge befreien wollte – ein hoffnungsloses Unterfangen.
Steller schreibt weiter: „Sie kommen an die Mündung derer Flüsse, stehen an den Ufern, fangen Fische und werfen sie nach dem Ufer und fressen sie zu der Zeit, wenn die Fische im Überflusse sind, nach Art der Hunde, nicht mehr von ihnen als den Kopf.“ Eine Beobachtung, die auch ich bei Raubtieren machte: oft bleibt das Fleisch liegen, und es fehlen die Köpfe.

Stellers Buch über Kamtschatka
Stellers Buch über Kamtschatka

Die nachfolgenden Expeditionen und Großwildjäger im 19. und Anfang des zwanzigsten Jahrhundert berichten von ähnlichen Erlebnissen, wie Steller sie beschrieb.
Der einzige Zar, der Kamtschatka aufsuchte, war Alexander III., der die Reformen seinen Vaters und die Einführung westeuropäische Rechtsstaatlichkeit wieder rückgängig machte. Er liebte die Jagd und den Fischfang. So hielt er sich 1882 zur Bärenjagd in Kamtschatka auf und veranlasste, in Süden der Halbinsel eine Schutzzone einzurichten, die bis heute erhalten blieb.

Braunbaer-Mama mit Nachwuchs
In den Naturparks von Kamtschatka, wie hier am Kurilensee, sind die Bären geschützt – Foto: © Ullrich Wannhoff

Viele wissenschaftliche Expeditionen erlegten Braunbären für europäische Museen. Unter anderem Sten Bergman, der Kamtschatka 1922 während der Interventionskriege aufsuchte.
Der schwedischen Zoologe schreibt: „Der alte Jäger [ein fünfzigjähriger Kamtschadal-Russe] hatte innerhalb einiger Augenblicke sechs Bären zur Strecke gebracht … Er aber zog ruhig sein Wetzstein hervor und begann sein Messer zu schärfen, während wir übrigen uns versammelten, um das Schlachtfeld zu besehen, über das der Nebel vom Meer hereinzuziehen begann.“

Aus meinem Skizzenblock 2016  –  © Ullrich Wannhoff
Aus meinem Skizzenblock 2016 – © Ullrich Wannhoff

Das reichhaltige Nahrungsangebot der großen Bären machte sie früher wie heute zu einem der beliebtesten Jagdobjekte für Trophäenjäger. Ihre geringe Distanz zum Menschen und ihr friedliches Leben trug dazu bei. Zuerst wurden die stärksten Bären zu Opfern. Die scheueren und kleineren Bären überlebten. Über die Zeit werden die Gene der großen Bären verschwinden, und zurück bleibt eine Art Bär in mittlerer Größe. Ähnlich ist es bei unserem Rotwild, bei dem die stärksten und größten Tiere vor dreihundert Jahren von Adligen und Fürsten abgeschossen wurden. Übrig blieb heute eine kleinere, sehr scheue Rothirschart.

Aus Niediecks Buch „Kreuzfahrten im Beringmeer“
Aus Niediecks Buch „Kreuzfahrten im Beringmeer“

Der Großwildjäger Paul Niedieck schreibt über „Mein stärkster Bär“ „ … so dass ich mich plötzlich nur noch wenige Schritte von dem schlafenden Bär befand, der grunzende Töne von sich stieß, die der Ausdruck des Behagens oder auch Schnarchern gewesen sein mögen. Ich ging nun etwas zur Seite, an eine Stelle, von der aus ich besser schießen konnte, und ließ meine Kugel fahren.“ Das war im Juni 1906 nördlich von Petropavlovsk, wo er mit Helfern und einem Boot mehrere Buchten abfuhren. Im Sommer war das Land in Kamtschatka schwer begehbar.

Paul Niedieck: "Unsere Strecke an Bären und Schafen“
Paul Niedieck: “Unsere Strecke an Bären und Schafen“

Einen Bären in Kamtschatka zu erschießen ist in etwa, als würde ich bei uns eine weidende, friedliche Kuh erschießen. Mit Jagen hat das sehr wenig zu tun!!!
Niedieck brachte aus Kamtschatka und Alaska eine sehr beachtliche Sammlung für das Berliner Naturkundemuseum mit.

Paul Niedieck mit erlegtem Bären

Nach der Wende wurde der Bär stark bejagt – wegen der Galle, die illegal nach China ausgeführt wird. Für etwa 300 Bären pro Jahr werden Jagd-Lizensen ausgegeben, laut mündlicher Aussage. Wie weit illegal gejagt wird – keine Ahnung. Einige Jäger, wie Sergey Gorshkov, wurden zu Fotojägern, die sich heute für den Schutz und Erhalt der Tiere einsetzen.

Zum Thema “Bären auf Kamtschatka” kann man auch meinen Beitrag “Bären in Kamtschatka – Menschen hinterm Weidezaun” lesen.

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Bären in Kamtschatka – Teil I: Menschen hinterm Weidezaun

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Bärenbeobachtung – Am Kurilensee in Kamtschatka

Reblogged vom Oktober 2016

Ein bewaffneter Parkranger holt uns an der Hängebrücke am Fluss Osernaya ab. Unser Gepäck mit gesamter Küche liegt im Aluboot und die Fahrt geht zum Kurilensee. Wir laufen einen 12 Kilometer langen Weg durch ein Flusstal.

Fels aus hellem Tuff – Foto: © Ullrich Wannhoff
Fels aus hellem Tuff steht im Grünen – Foto: © Ullrich Wannhoff

Majestätisch erheben sich links von uns weiße Felswände aus hellen Tuffgestein, eingebettet in Grün. Nach einem reichlich drei Stunden langen Marsch entlang des Flusses Osernaja kommen wir am sonnigen Nachmittag ans Ziel.

Fluss Osernaja mit dem Vulkan Illjynski – Foto: © Ullrich Wannhoff
Fluss Osernaja mit dem Vulkan Illjynski – Foto: © Ullrich Wannhoff

Der Blick, der sich auf den See öffnet, bietet ein fast langweiliges „Postkarten“-Wetter mit blauem Himmel; die brennende Sonne wirft violette Schatten. Am gegenüberliegenden Seeufer begrüßt uns ein alter, roter (weil Eisenoxid enthaltender) Vulkankegel, der Illjynski mit einer Höhe von 1577 m. Das Panorama wird durch einen Elektrozaun zerschnitten. Es ist ein Kuhweidezaun, wie wir ihn bei uns zu Hause kennen. Nur dass wir die Kühe sind – und die Bären frei herumlaufen.

Unsere verschiedenen Unterkünfte – Foto: © Ullrich Wannhoff
Unsere verschiedenen Unterkünfte – Foto: © Ullrich Wannhoff

In dem eingezäunten Grundstück sieht es aus wie bei uns: Wasserklosett, fabelhaft eingerichtete Küchen und Aufenthaltsräume für die ankommenden Gruppen. Unterkünfte in großen Zelten oder in modernen Holzhäusern.

Verbots- und Gebotsschilder – Foto © Ullrich Wannhoff
Verbots- und Gebotsschilder – Foto: © Ullrich Wannhoff

Am Elektrozaun beginnt die Inszenierung. sie erinnert mich an Theaterstücke von Goldoni, wo die Szenerie wie eine Guckkastenbühne aufgebaut ist. Der offene und einsehbare Uferstreifen – zweihundert Meter davon sind frisch gemäht. Dahinter beginnen die Weidenwälder, gemischt mit Steinbirken und Hochstauden, die die hohen Berghänge bedecken.

Bärenmutter mit vier Jungen – Foto: © Ullrich Wannhoff
Bärenmutter mit vier Jungen – Foto: © Ullrich Wannhoff

Eine Bärin mit vier Jungen kommt aus dem Weidengebüsch am Ufer und läuft von links nach rechts. Die Jungen sind in diesem Jahr geboren. Wieder von links nach rechts kommt noch eine Bärin mit zwei großen Jungen, die eventuell noch in diesem Jahr von der Mutter verlassen werden. Dann kommt ein Junggeselle auf die Bühne – schon von der Mutter entwöhnt. Er läuft von rechts nach links und ist ängstlicher als die anderen Bären.

Landebrücke – Foto: © Ullrich Wannhoff
Landebrücke – Foto: © Ullrich Wannhoff

Am offenen Uferstreifen befindet sich die Anlegestelle für die Boote, die uns zu den Flussmündungen am See fahren, wo die Bären fischen. Aber vorher werden die beiden Elektrodrähte entkoppelt und dann wieder eingehängt und angeschlossen.

Bärenmutter mit Jungem im Gehen – Foto: © Ullrich Wannhoff
Bärenmutter mit Jungem im Gehen – Foto: © Ullrich Wannhoff

Mit dem Boot fahren wir recht dicht an den fischenden Bären vorbei, die uns keines Blickes würdigen, weil die Lachse viel wichtiger sind. Wie war das bei Brecht? „Zuerst das Fressen und dann die Moral“. Die Braunbären haben sich über die Jahrzehnte an uns Menschen gewöhnt.

Hütte der Ranger – Foto: © Ullrich Wannhoff
Hütte der Ranger – Foto: © Ullrich Wannhoff

Am Ufer werden wir vom Bootsführer mit dem Ranger entlassen und stehen nun am Waldesrand und beobachten die Bären auf den Sandbänken mit den vom Fluss vorgeschobenen weichen Sedimenten. Hier sind die Laichplätze der Lachse (Nerka = Blaurückenlachs). Ein großer alter kampferprobter Bär ist „Platzhirsch“.

Baer kuehlt sich ab - Foto: © Ullrich Wannhoff
“Platzhirsch” Bär kühlt sich im Wasser des Kurilensees – Foto: © Ullrich Wannhoff

Läuft er über die Sandbänke, verschwinden alle Bären im Gebüsch. Verlässt er diesen Platz, kommen die jüngeren Bären zögerlich aus den Hochstauden.

Blickt zu seinen Artgenossen – Foto: © Ullrich Wannhoff
Blickt zu seinen Artgenossen – Foto: © Ullrich Wannhoff

Dabei gibt es unter den kleineren Bären wieder eine Rangordnung. Ein recht junger Bär fischt erfolgreich einen Lachs und muss auf der Hut sein, schnell zu fressen, bevor Neider kommen. Den letzten Rest des Lachses verzehrt er im Wegrennen.

Junger Bär holt sich ein Lachs – Foto: © Ullrich Wannhoff
Junger Bär holt sich ein Lachs – Foto: © Ullrich Wannhoff

Unser großer Bär läuft in fast fünfzehn Meter Abstand an uns vorbei. Der Ranger hat schon den Schraubverschluss der Leuchtpatrone an der Hand. Das Gewehr ist noch über der Schulter. Wir halten den Atem an. Angst habe ich keine, aber mächtigen Respekt!

Keine zwei Meter von uns „grast“ der Bär – Foto: © Ullrich Wannhoff
Keine zwei Meter von uns „grast“ der Bär – Foto: © Ullrich Wannhoff

Auf den Uferstreifen, der auf einer Länge etwa dreihundert Meter auf jeder Seite einsehbar ist, zähle ich etwa zwanzig Braunbären. Nach zwei Stunden werden wir mit dem Boot wieder abgeholt zur „Kuhweide“.

Dreijähriger Bär auf der Sandbank – Foto: © Ullrich Wannhoff
Dreijähriger Bär auf der Sandbank – Foto: © Ullrich Wannhoff

Auch wenn das alles ein wenig an „Zoofotografie“ erinnert, bleibt es doch ein schönes Erlebnis. Die Bärenmutter mit den vier Jungen hat sich so an unsere kleine Siedlung gewöhnt, dass sie ihre Jungen dicht am Elektrozaun säugt. Unter den Menschen ist sie sicherer, als in der freien Wildnis, wo ihr männliche Bären nachstellen.

Friedlich und ohne Hast läuft die Bärenmutter an uns vorbei – Foto: © Ullrich Wannhoff
Friedlich und ohne Hast läuft die Bärenmutter an uns vorbei – Foto: © Ullrich Wannhoff

An einem Tag zähle ich fünf ankommende Hubschrauber, aus denen „Busladungen“ von Menschen aussteigen.

Hubschrauber fliegen fast täglich ein und aus, je nach Wetter – Foto: © Ullrich Wannhoff
Hubschrauber fliegen fast täglich ein und aus, je nach Wetter – Foto: © Ullrich Wannhoff

Jedem sei es vergönnt, seinen Bären zu fotografieren – so wie ich es mit großer Freude tat.

Ein kalter Nebel über den Kurilensee löst sich langsam auf – Foto: © Ullrich Wannhoff
Ein kalter Nebel über den Kurilensee löst sich langsam auf – Foto: © Ullrich Wannhoff

Fortsetzung dieses Beitrages: “Bären auf Kamtschatka Teil II – Jagd gestern und heute

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Seume kam nicht nach Karelien

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1000 Seen, Nordenskiöld und die Leningrad Cowboys

Reblogged vom Mai 2017

Vor einiger Zeit erhielt ich die Nachricht oder in neu-deutsch einen Newsletter über die geplante Eröffnung des neuen Hossa Nationalparks, der ungefähr in der Mitte Finnlands – rund 200 Kilometer von Oulu entfernt – an der Grenze zu Russland liegt.

Hossa Nationalpark – Foto: © Visit Finland
Kristallklares Wasser im Hossa Nationalpark – Foto: © Visit Finland

Mit Oulu ist meine erste Wahrnehmung von Finnland verbunden, lange bevor ich von dem Wunderläufer Paavo Nurmi, von Jean Sibelius oder von der finnischen Sauna gehört hatte.

Eila Hiltunens Skulptur von Jean Sibelius
Eila Hiltunens Skulptur von Jean Sibelius, dem Schöpfer der „Finlandia“

Von einer Schiffsreise nach Oulu hatte mir meine Mutter ein Puukko als Andenken mitgebracht, einen traditionellen „Finnendolch“, der noch heute, Jahrzehnte später, im Bücherregal neben Büchern der finnischen Autoren Juhani Aho und Martti Larni liegt. Ahos Roman „Schweres Blut“, übrigens von Aki Kaurismäki – dem Regisseur der Filme über die schräge finnische Rockband „Leningrad Cowboys“ – als Stummfilm meisterhaft verfilmt, spielt in Karelien, genau der Landschaft, in der sich auch der Hossa Nationalpark befindet.

Puukko
Mein Puukko, ein Geschenk meiner Mutter

Einer der ersten deutschen Autoren, der Finnland und seine wechselvollen Landschaften bereist hat, war Johann Gottfried Seume, der in seinem „Mein Sommer 1805“ berichtet: „Von da [Borgo, heute Porvoo] bis Helsingfors [Helsinki] ward es mir unerträglich heiß; weit heißer, als es mir um den Aetna und in der Lombardey geworden ist.“

Rathaus in Porvoo  – Foto: kallerna
Das Rathaus in Porvoo stand schon zu Seumes Zeiten – Foto: kallerna

Das war im Hochsommer, wenn selbst im Süden Finnlands die Sonne kaum untergeht. An anderer Stelle schreibt er „Finnland ist eine ungeheure Granitschicht, zwischen welcher sich hier und da schöne fruchtbare bebaute Niederungen hinziehen.“ Die sprichwörtlichen tausend Seen erwähnt er nicht; denn er hatte wohl zu wenig vom Land gesehen.

Dom in Helsinki
Entstand erst nach Seumes Besuch: Dom in Helsinki

Von Helsinki war ihm nur erwähnenswert, dass der Postmeister deutsch sprach und „ein sehr gutes Haus hält”. Die heutige Hauptstadt war damals allerdings nur ein kleines Nest, das kurz danach im Russisch-Schwedischen Krieg von 1808 fast vollständig zerstört wurde.

Uspenski-Kathdrale in Helsinki
Die Uspenski-Kathdrale in Helsinki entstand in der Zeit der russischen Herrschaft

Was uns heute am Stadtbild von Helsinki gefällt, entstand entweder unter russischer Herrschaft oder erst nach der Unabhängigkeit Finnlands im Jahr 1917. Nach der schwedischen bzw. russischen Vorherrschaft endete das jahrhundertelange Gezerre um Finnland endgültig erst nach dem zweiten Weltkrieg.

Das maritime Helsinki
Das maritime Helsinki

Der Südhafen von Helsinki liegt direkt im Zentrum und bietet freien Blick auf eine weite Bucht und Werftanlagen, wo mächtige Eisbrecher liegen, die daran erinnern, dass Finnland – obwohl es keinen direkten Zugang zum Polarmeer hat – an der Ostsee fast bis an den Polarkreis reicht.

Adolf Erik Nordenskiöld
Adolf Erik Nordenskiöld, aus einem Gemälde von Georg von Rosen, 1886

Es ist also nicht verwunderlich, dass sich auch Finnen an der Entdeckung und Erschließung der Arktis beteiligt haben. Der in Helsinki geborene finnisch-schwedische Polarforscher Adolf Erik Nordenskiöld ist der bekannteste von ihnen. Unter seiner Führung gelang es dem schwedischen Expeditionsschiff Vega, 1878/79 erstmalig die Nordost-Passage von Europa entlang der Nordküste Sibiriens bis nach Asien zu befahren. Im Anschluss umrundete er noch ganz Asien, durchfuhr den Suez-Kanal und kehrte nach Stockholm zurück. Seinen Ruhm teilen sich nun Finnland und Schweden brüderlich.

Finnische Briefmarke
In Finnland wie in Schweden wird Nordenskiöld geehrt
Schwedische Briefmarke

Etwas bescheidenere Entdeckungstouren bieten heute viele finnische Wandergebiete und Nationalparks an, wie neuerdings der von Hossa.

Kajaktouren im Hossa Nationalpark – Foto: © Visit Finland
Spektakuläre Kajaktour durch den Hossa Nationalpark – Foto: © Visit Finland

Wer sich dort mit Kanu oder Kajak auf den Weg macht, wird zwar nicht wie seinerzeit Nordenskiöld auf Eisbären stoßen, sondern „bestenfalls“ auf den fast genauso großen Braunbären, der als Finnlands mythisches Nationaltier gilt. Vorsicht und Umsicht sind also auch in der finnischen Wildnis geboten.

Hossa Nationalpark  – Foto: © Visit Finland
Naturparadies mit freiem Eintritt – der Hossa Nationalpark – Foto: © Visit Finland

Herzlichen Dank an Visit Finland für die Anregung zu diesem Blog!

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Unterwegs am Rand der Welt: Haida Gwaii

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Geneviève Susemihls Buch „Bären, Lachse, Totempfähle“

Reblogged vom Januar 2017

Wir hatten Haida Gwaii (bis 2010 bekannt unter dem kolonialen Namen Queen Charlotte Islands) vor einigen Jahren selbst besucht – darum waren wir auf dieses Buch besonders gespannt. Nicht nur ihre einmalige Natur – Stichwort: nördlichster Regenwald der Erde mit den größten Schwarzbären weltweit – sondern auch die faszinierende Kultur der Haida – Stichwort: Totempfähle und Potlatch – macht diese seit über 12.000 Jahren bewohnten Inseln so interessant.

Bären, Lachse, Totempfähle – das Buch von  Geneviève Susemihl
Bären, Lachse, Totempfähle – das Buch von Geneviève Susemihl

Die Autorin versteht es, ihre unmittelbaren Reiseeindrücke und -erlebnisse mit profunder Sachkenntnis zu verbinden. Mit ihrer lebendigen Erzählweise nimmt sie den Leser mit auf ihren Weg – vom Abschied von ihrer Familie in Mecklenburg, auf ihren Flug und zunächst zur Zwischenstation in Vancouver. Hier lernt man nicht nur ihre Freunde vor Ort kennen, sondern besucht mit ihr auch Bibliothek und Museen und betrachtet zeitgenössische Skulpturen. Dabei erfährt man schon eine Menge über die traditionelle Gesellschaft der Haida, mit den beiden Abstammungslinien „Eagle“ und Raven“ und den höchst komplexen Gesellschaftsstrukturen mit Clans, Chiefs und matrilinearer Erbfolge – und auch, was die berühmten totem poles zu erzählen haben.

Skulptur Frog Constellation von James Hart – Foto: © Geneviève Susemihl
Frog Constellation (James Hart) – Foto: © Geneviève Susemihl

Dass nicht immer alle Pläne aufgehen, weiß jeder, der sich auf Fernreisen abseits der ausgetretenen Pfade begibt. Das Wetter, die Jahreszeit und andere Gegebenheiten vor Ort machen auch der Autorin zu schaffen, als sie Haida Gwaii erreicht. Man kann förmlich mit ihr mitfiebern, ob sie ihre Ziele, wie etwa den Gwaii Hanaas Nationalpark, erreichen wird – und man kann sich mit ihr über ganz außergewöhnliche Begegnungen freuen.

Im aufgegebenen Dorf Skedans - Baum umarmt umgestürzten Totempfahl – Foto: © Geneviève Susemihl
Im aufgegebenen Dorf Skedans – Baum umarmt umgestürzten Totempfahl –
Foto: © Geneviève Susemihl

Geneviève Susemihl nimmt uns mit auf ihre Spurensuche auf den weitläufigen Inseln, auch an Orte, zu denen keine Straßen führen. Dieses Buch wird den Naturliebhaber erfreuen, denn er findet darin, was üblicherweise bei Reiseberichten viel zu kurz kommt – fast alles über Tier- und Pflanzenwelt der Insel und des umgebenden Meeres, und selbst die geographischen und geologischen Eigenheiten des abgelegensten Archipels Nordamerikas am Rand der Kontinentalplatte werden vorgestellt. Wer beispielsweise schon immer wissen wollte, wie wichtig die Kelpwälder im Ozean sind, bekommt diese Information hier so ganz nebenbei, wenn während einer spannenden Bootsfahrt über die putzigen Seeotter berichtet wird, die einst wegen ihrer Pelze schonungslos gejagt und dabei fast ausgerottet wurden.

Im nördlichen Regenwald: mächtige Zeder – Foto: © Geneviève Susemihl
Im nördlichen Regenwald: mächtige Zeder – Foto: © Geneviève Susemihl

Auf ihren Spaziergängen beobachtet die Autorin Raven, den Trickster; auf einer abenteuerlichen Wanderung ganz allein in der Wildnis wird uns Taan, den Herr des Waldes, vorgestellt – Gelegenheiten, uns die Mythologie der Haida wie auch aktuelle Konflikte nahezubringen. Hierzu gehören die umstrittene Trophäenjagd wie auch die skrupellose Abholzung des Regenwaldes mit ihren Folgen für Waldgesundheit und Lachsflüsse, sowie der Kampf der Haida um Schutzgebiete, um nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen des Landes und um ihre Teilhabe und Selbstbestimmung.

Zweisprachiges Strassenschild im Haida-Dorf Skidegate – Foto: © Geneviève Susemihl
Zweisprachiges Strassenschild im Haida-Dorf Skidegate –
Foto: © Geneviève Susemihl

In einer gelungenen Kombination von Geschichtswissen und eigener Anschauung macht das Buch deutlich, wie die Kultur der Haida der Kolonisierung getrotzt, in vielen Teilen überlebt hat und eine Erneuerung erfährt.
Viele Farbfotos, eine Übersichtskarte, praktische Reisehinweise sowie eine Liste mit weiterführender Literatur ergänzen das handliche, 284 Seiten starke Buch. Eine absolute Empfehlung für alle, die sich für die landschaftlich und kulturell so reizvolle Region an der Pazifikküste Kanadas und für die First Nations damals wie heute interessieren.

Kunstgalerie und Totempfahl im Haida-Dorf Old Massett – Foto: © Geneviève Susemihl
Kunstgalerie und Totempfahl im Haida-Dorf Old Massett –
Foto: © Geneviève Susemihl

Das Buch “Bären, Lachse, Totempfähle” von Geneviève Susemihl ist 2016 erschienen bei: traveldiary Verlag / 360° medien mettmann.

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Von Mecklenburg nach Patagonien und Feuerland

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Gunther Plüschow und Ernst Dreblow – fast am Ende der Welt

reblogged vom April 2016

Das „Ende der Welt“ ist eine Ortsbezeichnung, aber auch eine Zeitangabe. Üblicherweise denkt man an weit entfernte und schwer erreichbare Sehnsuchtsorte wie Tasmanien, Feuerland, Kamtschatka oder den Nordpol – obwohl gerade der letztere kein Ort, sondern nur eine Fiktion ist. Und Pessimisten und Verschwörungstheoretiker spekulieren über ein anderes „Ende der Welt“ – ihren nicht allzu fernen Untergang.

Grandiose Bergwelt – Cuernos del Paine
Grandiose Bergwelt – Cuernos del Paine

Für zwei deutsche Flugpioniere aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts waren diese beiden „Enden der Welt“ auf tragische Weise miteinander verbunden: den in München geborenen Mecklenburger Gunther Plüschow und den Rand-Berliner Ernst Dreblow. Plüschow, ein Flugpionier im 1. Weltkrieg, war besonders durch die Flucht mit seiner Taube aus der umzingelten deutschen Kolonie Tsingtau in China bekannt geworden.

Gunther Plüschow
Gunther Plüschow
Gunther Plüschow  und Ernst Dreblow
Gunther Plüschow und Ernst Dreblow

Dreblow arbeitete nach dem Krieg in den Berliner Askania-Werken, einem der seinerzeit führenden Unternehmen der Mess-, Navigations- und Kameratechnik. Die Kombination beider Talente und Erfahrungen machte aus ihnen ein erfolgreiches Team in der Geschichte des frühen kommerziellen Flugwesens. Von Plüschow stammte die Idee, sich als Flieger am weitgehend unerschlossenen „Ende der Welt“ Südamerikas – in Patagonien und Feuerland – zu versuchen. Dreblow, ein exzellenter Techniker, war für ihn der ideale Partner.

Wolkiger Tag in der Magellanstraße
Wolkiger Tag in der Magellanstraße

Ende November 1927 brach Plüschow mit dem speziell für ihn gefertigten Kutter Feuerland nach Südamerika auf. Gleichzeitig begleitete Dreblow den Transport eines zerlegten Flugzeuges der Warnemünder Heinkel-Werke auf einem Dampfer nach dem chilenischen Punta Arenas an der Magellanstraße.

Der Kutter Feuerland
Der Kutter Feuerland

Hier bauten sie den Doppeldecker Tsingtau zusammen. Es begann eine schwierige und auch gefährliche Erforschung der Eis- und Bergwelten Patagoniens und Feuerlands und der Kanäle, Seen und Wasserwege an diesem bis dahin nur wenig bekannten „Ende der welt”.

Das Flugzeug Tsingtau, eine Heinkel HD 24
Das Flugzeug Tsingtau, eine Heinkel HD 24

Antoine de Saint-Exupéry, weltberühmter Autor von „Der kleine Prinz“, war übrigens eine Art Pendant zu Plüschow: ein wagemutiger Pilot, erfolgreicher Schriftsteller selbst bis in den Tod.

Blick auf den schneebedeckten Monte Sarmiento
Blick auf den schneebedeckten Monte Sarmiento

Von den Ureinwohnern, die diese Insel- und Bergwelten seit Jahrhunderten bewohnt hatten, waren allerdings „dank“ der weißen Kolonisatoren damals leider nur noch wenige am Leben.

Die Ureinwohner vom Selknam-Volk – Foto: Alberto M. de Agostini
Die Ureinwohner vom Selknam-Volk – Foto: Alberto M. de Agostini

Die gewaltigen Gebirge, die zahlreichen Wasserstraßen, die schwer zugänglichen und weithin menschenleeren Gebiete mit ihren Naturschönheiten aus der Luft zu erkunden, war eine faszinierende Aufgabe für Plüschow und Dreblow. Ähnlich wie ein paar Jahre zuvor ihr Kollege Arthur Neumann, der mit dem Ziel “Nordpol” über Spitzbergen flog, überquerten sie auch ausgedehnte Schneefelder und Gletscher.

Leuchttum Les Éclaireurs im Beagle-Kanal
Leuchttum Les Éclaireurs im Beagle-Kanal

Nach einem Zwischenaufenthalt in Deutschland, wo Plüschow sein Buch Silberkondor über Feuerland und einen mit Dreblow gedrehten Dokumentarfilm vorgestellt hatte, kehrte Plüschow im Dezember 1930 nach Patagonien zurück, um seine Erkundungsflüge fortzusetzen.

Die berühmten Torres del Paine
Die berühmten Torres del Paine

Nur wenige Wochen später stürzte ihr Flugzeug infolge eines Maschinenschadens über dem Lago Argentino ab. Plüschow und Dreblow konnten nur noch tot geborgen werden.

Gedenkstein für Plüschow und Dreblow
Gedenkstein für Plüschow und Dreblow

Heute erinnern Denkmale in der Nähe der Absturzstelle und nahe ihres Basislagers an die beiden enthusiastischen Flieger.

Pinguine im Beagle-Kanal
Pinguine im Beagle-Kanal

Noch immer aber sind Patagonien und Feuerland für Reisende eines der schönsten „Enden der Welt“ – mit grandiosen Landschaften, unberührter Natur und einer einmaligen Tierwelt.

Abenteuerliche Fahrt über eine schmale Brücke
Abenteuerliche Fahrt über eine schmale Brücke

An die ursprünglichen Bewohner von Feuerland erinnern heute aber nur noch eine Reihe von Bücher und Fotografien aus vergangener Zeit, einige wenige Filmaufnahmen – sowie eine Handvoll Denkmale oder Bildkunstwerke.

Kataix, gehörnter Wald-Geist der Selknam
Kataix, gehörnter Wald-Geist der Selknam
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Friedhof – ein russisch geflickter Mantel

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Impressionen von der Bering-Insel

reblogged vom November 2017

Millionen Jahre brausen die Wellen gegen die Basaltriffe. Im Inneren der Insel liegen die Knochen der Seeleute, nicht länger als 276 Jahre. Die Knochen der anderen Lebewesen liegen tiefer vergraben, oder das Meer hat die Leichen und Kadaver am Ufer abgeräumt.
Unter dem maroden alten Schulgebäude liegt das Gräberfeld des 19. Jahrhunderts. In den Gehirnen der Funktionäre war kein Platz für Geschichte, obwohl es anderswo auf der Insel tausendmal Platz für die Schule gegeben hätte.

Unter dem Sowjetstern (das Vergangene) –  Foto © Ullrich Wannhoff
Unter dem Sowjetstern (das Vergangene) – Foto © Ullrich Wannhoff

An dem grünen Holzgebäude nagen Wind, Schnee, Frost und der häufige Regen. Die Indigenen sind an Zahl viel zu gering, sich dagegen aufzubäumen. Das Blut ist über die Generationen vermischt. Wer sagt: „Ich gehöre dazu“, der lügt. Nur ein empirisches Kleid schaut aus dem russischen Mantel heraus. Zu wenig für eine Identität. Die Sowjetzeit löschte die russischen Orthodoxen Kreuze aus. Der Sowjetstern sticht gegen den grauen Himmel empor. „Der erlöscht nie“, dachten die Führer der bolschewistischen Partei und betäubten das Volk mit wirtschaftlichen Großtaten, die heute in absurden Landschaften brach liegen.

Orthodoxe Kirche und Wohnhaus  –  Foto © Ullrich Wannhoff
Orthodoxe Kirche und Wohnhaus – Foto © Ullrich Wannhoff

Der heutige Friedhof liegt an einer Bergschräge, unauffällig hinter dem Dorf, vor den aufgegebenen Kartoffelfeldern. Weit dahinter beginnt die Tundra mit einer breiten Feuchtwiese, die von Bächen zerfurcht wird. Lachse laichen. Das kalte Schmelzwasser fließt durch den See, und am Ende des Dorfufers erreichen die jungen Lachse das ersehnte Meer.

Gräberfeld der Orthodoxen Kirche –  Foto © Ullrich Wannhoff
Gräberfeld der Orthodoxen Kirche – Foto © Ullrich Wannhoff

Orthodoxe Kreuze schmücken das überwachsene Gräberfeld. Das sowjetische Imperium hat sich verabschiedet. Die Sehnsucht nach dem alten russischen Mantel wird geflickt. Gogol erscheint als Gespenst des 19. Jahrhunderts. Wer kennt Gogol auf der Insel? – die düsteren Straßen von Petersburg, die windigen Ecken, wo das Elend der niederen Gesellschaft lebte? Der Geruch der Kanäle, der Dreck der Hinterhöfe, wo der Mensch die Ratten mitbrachte, während die Kuppeln und Dächer in Gold erglänzen?

Die neuen Grabsteine –  Foto © Ullrich Wannhoff
Die neuen Grabsteine – Foto © Ullrich Wannhoff

Verschämt werden rote Sowjetsterne ausgetauscht gegen orthodoxen Kreuze. „In unserer Verwandtschaft gab es keine Kommunisten“, so oder ähnlich kann man es interpretieren. Die Kirche ist ihnen fremd.

Ein neues Grab vom August 2017: Wladimir Fomin, Fischinspektor, der 
die Natur und die Insel liebte –  Foto © Ullrich Wannhoff
Ein neues Grab vom August 2017: Wladimir Fomin, Fischinspektor, der
die Natur und die Insel liebte – Foto © Ullrich Wannhoff

Der Ikonostas glitzert reich und neu. Wie ein unbekanntes Märchen einer fremden Welt steht das Bilderprogramm vor den Einwohnern. Wer schaut schon ins Wikipedia, um die Geschichte der russischen Orthodoxie zu verstehen? Nur das Gefühl sagt, ich gehöre dazu. Der Präsident weiß das zu nutzen.

Ausschnitt vom Ikonostas –  Foto © Ullrich Wannhoff
Ausschnitt vom Ikonostas – Foto © Ullrich Wannhoff
Lachspakete werden verfrachtet –  Foto © Ullrich Wannhoff
Lachspakete werden verfrachtet – Foto © Ullrich Wannhoff

Der Pfarrer steht mit seinem leeren Kinderwagen allein an der Pier und schaut melancholisch in die Weite. Zuvor transportierte er eine Kiste, die im Dampfer verstaut wurde. Dreißig Tonnen Lachse werden von den Fischern verfrachtet. Keiner kümmert sich um ihn. Der Dialog mit Gott findet in seinem schwarzen Mantel statt, und keiner sieht es.

Gott im Gespräch mit dem Kinderwagen –  Foto © Ullrich Wannhoff
Gott im Gespräch mit dem Kinderwagen – Foto © Ullrich Wannhoff
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Reste der Berliner Mauer II – “Lichtgrenze” 2014

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Mit dem Rückblick auf die „Lichtgrenze“ am 9.November 2014 in Berlin

Die Mauer 1989 in der Nähe des Reichstags

Von der Berliner Mauer ist heute fast nichts mehr übrig. Außer der Gedenkstätte und den touristischen Orten sind nur noch wenige Mauerreste oder Wachtürme zu sehen.

Überrest der Mauer mit Wachturm in Berlin
Überrest der Mauer mit Wachturm in Berlin
Mauerkunst in Berlin
Mauerkunst in Berlin
Street Art in Berlin
Street Art in Berlin

Am 9.11.2014 wurde mit der Aktion “Lichtgrenze” an den Fall der Mauer vor 25 Jahren erinnert. Ungefähr eine Million Touristen und Bürger Berlins hatten dieses Ereignis und besonders den symbolischen Aufstieg der erleuchteten Ballons gefeiert.

Die "Lichtgrenze", Berlin am 9. November 2014
Die “Lichtgrenze”, Berlin am 9. November 2014
"Lichtgrenze" in der Alten Jakobstraße: 
Die ersten Ballons steigen nach oben - die Grenze löst sich auf
“Lichtgrenze” in der Alten Jakobstraße:
Die ersten Ballons steigen nach oben – die Grenze löst sich auf
"Lichtgrenze" in der Alten Jakobstraße:  Ballons steigen nach oben - die Grenze löst sich auf

Zum Teil I dieses Beitrages geht es hier.

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Reste der Berliner Mauer – in Berlin, Kanada und Südkorea

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Infolge der Ereignis am 9.11.1989 hat sich die ganze Welt und das Leben von Millionen Menschen verändert. In einer etwas verwirrenden Pressekonferenz in Ost-Berlin wurde damals mit sofortiger Wirkung die Änderung der Reisemöglichkeiten für DDR-Bürger verkündet. Niemand kann bis heute mit Sicherheit sagen, ob der Verkünder nur verwirrt war, oder ob sich dahinter der kalkulierte Versuch verbarg, die Machtverhältnisse in der DDR in eine bestimmte Richtung zu verschieben.
Erst viel später wurde bekannt, dass bereits Tage zuvor zwischen beiden Berliner Bürgermeistern die Möglichkeiten der Öffnung der Berliner Grenze diskutiert worden war.

Berlin, Potsdamer Platz, Dezember  1989
Berlin, Potsdamer Platz, Dezember 1989

Nach über 28 Jahren verschwand die Mauer genauso überraschend wie sie 1961 entstanden war. Der Grenzverlauf zwischen den Besatzungszonen war noch während des zweiten Weltkriegs am 15.1.1944 durch die Europäische Beratende Kommission (EAC) für den Fall des Sieges über Nazi-Deutschland festgelegt worden.

Der Verlauf der Mauer, heute symbolisiert durch Pflastersteine im Boden
Der Verlauf der Mauer, heute symbolisiert durch Pflastersteine im Boden

Heute erinnert in Berlin nur noch wenig an die langezeit geteilte Stadt. Eingeweihte erkennen die Doppelreihe von Pflastersteinen im Boden, die in Teilen Berlins den Verlauf der ehemaligen Grenze kennzeichnet.

Mauer-Gedenkstätte Berlin - Bernauer Strasse
Mauer-Gedenkstätte Berlin – Bernauer Strasse

Einen ungefähren Eindruck davon, wie die nahezu unüberwindbaren Grenzanlagen tatsächlich ausgesehen haben, kann man an der Gedenkstätte in der Bernauer Straße gewinnen.

Friedhof der Französischen Gemeinde Liesenstrasse
Friedhof der Französischen Gemeinde Liesenstrasse

Nur sehr selten stößt man auf Reste der Grenzanlagen, wie auf dem Friedhof in der Liesenstraße im Wedding, die nicht zu Gedenkzwecken verändert oder versetzt wurden.

Mauersegment in Lunenburg, Nova Scotia, Kanada
Mauersegment in Lunenburg, Nova Scotia, Kanada

Überraschenderweise befinden sich eine ganze Reihe von Mauersegmenten und -resten in Kanada.

Mauerstück im World Peace Pavillon Dartmouth, Nova Scotia, Kanada
Mauerstück im World Peace Pavillon Dartmouth, Nova Scotia, Kanada

Für Museen, wie in Ottawa und Montreal, bzw. für Orte mit historischem Bezug zu Deutschland, wie Lunenburg, Nova Scotia und Steinbach, Manitoba, ist das noch einigermaßen verständlich, hingegen verblüffen die Elemente in Truro, Nova Scotia den zufälligen Besucher.

Sechs Mauersegmente in Truro, Nova Scotia, Kanada
Sechs Mauersegmente in Truro, Nova Scotia, Kanada
Mauersegment in Montreal, World Trade Centre – Foto: Wikipedia
Mauersegment in Montreal, World Trade Centre – Foto: Wikipedia
Mauersegment im Museum of War, Ottawa, Kanada
Mauersegment im Museum of War, Ottawa, Kanada
Mauersegment in Steinbach, Manitoba, Kanada – Foto: John Paul Kleiner
Mauersegment in Steinbach, Manitoba, Kanada – Foto: John Paul Kleiner

Auch in Südkorea, auf dem Berliner Platz in Seoul, weisen drei Mauerteile auf den Abriss der Mauer vor 25 Jahren hin. Man kann nur hoffen, dass eine koreanische Wiedervereinigung genauso friedlich wie die der Deutschen in Ost und West ablaufen wird.

Mauersegmente in Seoul, South Korea
Mauersegmente in Seoul, South Korea

Wenn uns in Europa auch die Welt seit 1989 friedlicher vorkommen mag, sollte man doch nicht außer Acht lassen, dass auch immer wieder neue Mauern entstanden sind, wie zwischen Mexiko und den USA, zwischen Marokko und Westsahara oder im Westjordanland!

Den Teil II dieses Beitrages findet man hier.

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Nacht vom 9. auf den 10. November 1938

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NIE VERGESSEN: Reichspogromnacht, oder zynisch (Reichs-)Kristallnacht. Gedenken wir der Menschen, die vor 81 Jahren in der Pogromnacht beraubt, gequält und erniedrigt wurden.

Die Nacht des “Mauerfalls” ist ein anderes Thema, dazu kommen wir später.


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The Heydays And Decline Of Arctic Exploration

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Evidence from two Polar Bear Painting 

Guest contribution – by Michael Engelhard. Gastbeitrag, reblogged aus Anlass der Polar Bear Week

Analyzing the heroic quest narrative, the American mythologist Joseph Campbell pointed out that it is crucial for the protagonist to face unknown dangers and to gain some spiritually or physically valuable thing. As a placeholder for Arctic adversity, the polar bear perfectly embodied such a thing. Captured alive, pictured, described for science, or slain for its meat or skin, it signified the hero’s trophy, his travails and rewards.

Fight with polar bears, by François-Auguste Biard, 1840
Fight with polar bears, by François-Auguste Biard, 1840

Two English nineteenth-century paintings that fall well within the Heroic Age epitomize the polar bear’s role in visual mythmaking: Richard Westall’s apotheosis Nelson and the Bear (1806) and Edwin Henry Landseer’s memento mori Man Proposes, God Disposes (1864).

Landseer’s monumental canvas alludes to the fate of Sir John Franklin (Nelson’s subaltern at the battle of Trafalgar), “the man who ate his boots,” who with his sailors disappeared sometime after 1845, while seeking to conquer that other chimera, the Northwest Passage. Using dark tones throughout this painting, Landseer, who’d studied live polar bears at the menagerie at the Exeter Exchange in London’s Strand, cast long shadows upon “an English optimism and triumphalism, which was particularly apparent at mid-century.”

Franklin’s had been the largest and best-equipped Arctic expedition to embark until then. His wife, Lady Jane Franklin, who never stopped hoping for his return, attended a soiree at the Royal Academy at which the “offensive” painting was shown. Her indignation was caused by the inclusion of two polar bears that, in Landseer’s imagining of the aftermath, gnawed on a human ribcage and shredded a red British ensign, symbol of national pride. Lady Franklin’s shock at the sight of the disgraced flag could have been exacerbated by the fact that she had sewn it (or one very much like it) for her knight-errant before he embarked on his last journey. Allegedly, at home, she had thrown that silken flag over Franklin, who was stretched out on a divan, and he had startled, reminding her that the Navy covered corpses with the Union Jack before burial at sea. Superstition also surrounds the painting itself. Man Proposes, God Disposes now hangs in the study hall of the Royal Holloway (a college of the University of London) where administrators long felt it necessary to cover the work with a large Union Jack during exams. Rumor had it that a student who had looked directly at it went mad and committed suicide and that those who sat next to it would fail their exams or die.

Man Proposes, God Disposes - painting by Edwin Henry Landseer, 1864
Man Proposes, God Disposes – painting by Edwin Henry Landseer, 1864

Every animal painting is also always a self-portrait, a story we tell about Nature and thereby reflective of our own nature. The red ensign in Man Proposes, which draws the viewer’s gaze, recalls Tennyson’s “Nature, red in tooth and claw”—but to pious Victorians, the horror of men having become bear prey was nothing compared to the evil whose name few dared to speak.
In 1854, word had reached London that Dr. John Rae of the Hudson’s Bay Company had met some Inuit who had learned from others that about forty white men had been seen in 1850, dragging a boat south, and that later, the bodies of those men had been found. They most likely had died from cold and starvation, but John Rae’s report included a disturbing detail mentioned by his informants. “From the mutilated state of many of the bodies, and the contents of the kettles,” he wrote, “it is evident that our wretched countrymen had been driven to the last dread alternative as a means for sustaining life.”
That the men who had been commanded by the man who once ate his boots had allegedly resorted to this outraged the civilized British. To be known as men who were savaged by polar bears was tragic, if rather interesting—“to be known as men who ate each other, unthinkable.” In light of Dr. Rae’s news, the ravenous bears in Landseer’s work became interchangeable with men, identical to them—too close for emotional comfort, which Darwin’s ideas had already disturbed.
Landseer’s monumentalized animal stands firmly in the tradition of seventeenth-century vanitas still-life paintings. In this art form, bodily remains and sundry objects symbolize vanity and the fleetingness of wealth, power, and fame—indeed, of all human endeavors—in the face of death. It is unlikely that Landseer suggested that bears had killed any of Franklin’s men; rather, he portrayed them in the scavenger mode that explorers often observed. To one reviewer, the painting’s characters looked like “monster ferrets,” which must have pained Landseer, who had gone so far as to borrow a polar bear skull from a Scottish museum in order to get the animal’s face and dimensions right.

Nelson and the Bear - painting by Richard Westall, 1806
Nelson and the Bear – painting by Richard Westall, 1806

Westall’s Nelson and the Bear reflects a younger, more confident empire. It poises the plucky, fifteen-year-old midshipman and future hero of Trafalgar at the edge of the pack ice, in a frockcoat, with buckled shoes and a bonnet resembling a chef’s hat—not really dressed for such an outing. Nelson wields his musket like a club against an opponent that has flattened its ears against its head and looks more like a scared sheepdog than a polar bear.
In 1773, young Horatio’s ship, HMS Carcass, like many before it on the search for the Northeast Passage, ground to a halt in the ice near Spitsbergen. Carcass and a second ship, Racehorse, were sailing under the command of Commodore Constantine Phipps, who on that same voyage named the polar bear Ursus maritimus.
Together with a shipmate, Nelson went after the bear, whose skin he wished to give to his father. That, at least, is the story the ship’s captain, Commander Skeffington Lutwidge, started telling decades later. He added the companion and the loyal filial element only in 1809, four years after Nelson had bled to death on the deck of HMS Victory. In Lutwidge’s story, Nelson’s rusty, borrowed musket misfired and he was saved only because a rift in the ice had appeared, separating him from the bear. Westall’s painting, however, shows only Nelson, a single, steadfast Briton facing the epitome of the hazardous North. Obviously, a companion on the ice would have diminished Nelson’s glory. Westall also included, in the background, Carcass helping to scare of the bear by firing a cannon. Besides adding to the hagiography of a national hero, the work celebrated Britannia and its mariners, tougher than walrus hide.
Westall had conceived the painting as one of a series of episodes illustrating Robert Southey’s Life of Nelson, begun in 1809 and published in 1813. Southey gave his hero a line ripe with braggadocio. “Do but let me get a blow at this devil with the butt-end of my musket, and we shall have him,” Nelson supposedly shouted to his comrade after his shot had missed the bear. It gets stranger yet: Westall’s painting was copied as an engraving for the Life of Nelson by John Landseer, the father of Edwin Henry Landseer.

Another version of the Westall painting, in Federick Whymper, The Sea, 1877-1880,  (National Library of New Zealand)
Another version of the Westall painting, in Federick Whymper, The Sea, 1877-1880, (National Library of New Zealand)

Nelson and the Bear and to a degree even Man Proposes follow conventions of the exploration narrative, a genre seeking to terrify and to titillate. Such dramatizations of the quest—hand-to-paw combat, hull-crushing bergs, scurvy, and starvation—hallowed soldiers and explorers, especially in premature death. By the time Landseer finished Man Proposes, more ships and men had been lost in search of Franklin. The futility of Arctic exploration was starting to register, but British hubris and vainglory persisted until 1912, when another hero—Robert Falcon Scott—perished at a pole, and an iceberg ruined both an “unsinkable” ship and the confidence of a nation.

Arctic exploration in a contemporary cartoon
Arctic exploration in a contemporary cartoon

Michael Engelhard is the author of Ice Bear: The Cultural History of an Arctic Icon and of American Wild: Explorations from the Grand Canyon to the Arctic Ocean. Trained as an anthropologist, he lives in Fairbanks, Alaska and now works as a wilderness guide in the Arctic.

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Sherlock Holmes – und Eisbären?

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Polar Bear Week – und Arthur Conan Doyle

Hatte Sherlock Holmes jemals etwas mit Eisbären zu schaffen? – Ich kenne das Werk des berühmten Arthur Conan Doyle leider nicht genau genug, um zu wissen, ob jemals in irgendeiner seiner Detektiv-Geschichten ein Eisbär eine Rolle spielt. Kann jemand helfen?

Im Arbeitszimmer von Arthur Conan Doyle, Foto in „The Idler“,  1894
Eisbärschädel im Arbeitszimmer von Arthur Conan Doyle, Foto in „The Idler“, 1894

Sicher ist eins: der Schädel eines dieser großartigen Arktisbewohner schmückte das Arbeitszimmer Arthur Conan Doyles. Der Autor der berühmten Kriminalgeschichten um Sherlock Holmes und Dr. Watson konnte nämlich als junger Mann sehr, sehr gründlich Arktis-Luft schnuppern: Dem damaligen Medizinstudenten war eine Position für sechs Monate als Schiffsarzt auf dem Walfänger Hope angeboten worden.

Walfangschiff Hope, Foto: Project Gutenberg of Australia
Walfangschiff Hope, Foto: Project Gutenberg of Australia

Das Schiff mit dem jungen Doyle an Bord läuft Ende Februar 1880 in Richtung Grönland aus. Der damals Zwanzigjährige erhält von seinen Kameraden bald den Spitznamen „großer Eistaucher“. Denn bei der einträglichen, aber lebensgefährlichen Jagd auf Robben, die er als „blutiges Handwerk“ bezeichnet, fällt er wiederholt ins Eismeer! Glücklicherweise kann der kräftige junge Mann sich stets retten – oder gerettet werden – und anschließend wohlbehalten in trockene Kleidung schlüpfen.

Auf dem Quarterdeck der Hope, Foto: Project Gutenberg of Australia
Auf dem Quarterdeck der Hope, Dritter von links: Arthur Conan Doyle, Foto: Project Gutenberg of Australia

Der junge Medizinstudent ist anfangs noch total unerfahren und muss in kurzer Zeit sehr viel dazulernen, nicht nur aus Büchern, sondern vor allem von seinen Schiffskameraden. Natürlich übernimmt er damit unbewusst zunächst auch deren teilweise überheblichen Meinungen und Haltungen gegenüber der arktischen Tierwelt – auch gegenüber Eisbären. So schreibt er am 26. März: … Eclipse [ein anderes Walfänger-Schiff] erwischte heute einen Bären, und wir sahen die Spuren eines anderen im Schnee neben dem Schiff. Sie sind feige Geschöpfe, wenn sie nicht gerade in die Ecke gedrängt werden.

Eisbären auf einer Eisscholle
Eisbären auf einer Eisscholle

Normalerweise sind im Frühjahr, wenn die Robben Nachwuchs bekommen, viele Eisbären auf dem Eis unterwegs. Die Hauptnahrungsquelle der Eisbären sind Robben – mehr dazu auf S. 185 in unserem Buch; und auch die Kadaver toter Wale sind ein ergiebiges Nahrungsreservoir – vgl. S. 191 hier. Somit stehen die Eisbären in direkter Konkurrenz zu den Männern an Bord der Hope.

Sattelrobbe auf einer gestrandeten Eisscholle
Sattelrobbe auf einer gestrandeten Eisscholle

Das weiß auch Arthur Conan Doyle, und daher verwundert er sich am 23. April zu Recht: Es ist außergewöhnlich, dass wir bislang keinem Bären begegnet sind. Erstmals erblickt er am 26. Mai einen Eisbären ganz in der Nähe des Schiffes. Dieser konnte den Jagdversuchen der Männer jedoch entkommen. Erst im Juni tauchen Eisbären auf der Liste der Jagdbeute der Hope auf: 12. Juni … 1 Bär; … 18. Juni: 1 Bär & 2 Junge; … Insgesamt werden 1880 von der Besatzung der Hope fünf Eisbären erlegt. Arthur Conan Doyle erwähnt im Tagebucheintrag vom 1. Juli, dass er nun einen Eisbärenschädel besitze.

Trauriger Anblick: Jagdbeute an Bord der Hope – Foto: Project Gutenberg of Australia
Trauriger Anblick: Jagdbeute an Bord der Hope – Foto: Project Gutenberg of Australia

Arthur Conan Doyles Meinung über Eisbären hat sich im Laufe der Zeit etwas konkretisiert.
So schreibt er etwa 1897 in einem Magazin-Artikel über seine Reise auf dem Walfang-Schiff: … überall gibt es Bären. Die Eisschollen in der Umgebung des Robbenjagdgebiets sind überzogen von ihren Spuren – arme harmlose Geschöpfe mit dem schlurfenden und schaukelnden Gang eines Hochseematrosen… Das klingt nicht besonders respektvoll; offenbar hatten die mit Gewehren bewaffneten Männer der Hope 1880 keine Situation erlebt, in der ein Eisbär ihnen gefährlich wurde. Eisbär-Mütter mit Jungen verhalten sich in der Regel defensiv und vermeiden Situationen, die ihre Jungen in Gefahr bringt – siehe S. 212 hier. Und auch erfahrene männliche Eisbären verhalten sich überwiegend vernünftig und gehen Konfrontationen aus dem Wege; es sind hauptsächlich die jungen, unerfahrenen und zumeist hungrigen Eisbären, die Menschen angreifen – mehr S. 220 hier.

Selbstbewusster Eisbär
Selbstbewusster Eisbär

Conan Doyle muss aber auch Eisbären bei der Robbenjagd beobachtet haben, und hier kann er ihnen seinen Respekt nicht versagen:
… sie haben eine sehr gewitzte Methode, sie zu fangen, denn sie suchen sich stets ein großes Eisfeld mit nur einem Blasloch für Robben in der Mitte. Dorthin hockt sich der Bär und krümmt seine mächtigen Vordertatzen um die Öffnung. Dann, wenn die Robbe ihren Kopf aus dem Wasser streckt, schnappen große Tatzen zu, und Meister Petz bekommt sein Mittagessen.

Das Buch aus dem mareverlag
Das Buch aus dem mareverlag

Über Arthur Conan Doyles Erlebnisse auf der Hope konnte man im Januar 1897 in The Strand Magazine den Artikel „Life on a Greenland Whaler“ lesen. Der mareverlag hat 2015 das Tagebuch seiner arktischen Reise in deutscher Sprache herausgegeben: „Heute dreimal ins Polarmeer gefallen“ in der Übersetzung von Alexander Pechmann, in einer sehr schönen illustrierten Ausgabe, mit Faksimiles der Handschrift einschließlich bezaubernder Zeichnungen.

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Unsere ersten Erlebnisse mit Eisbären

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Der vierte Beitrag zur Polar Bear Week – ein Auszug aus unserem Buch Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis

Hebron Bay, Labrador (Nunatsiavut), Kanada

… Ein schöner, abwechslungsreich geformter Eisberg taucht auf, begleitet von vereinzelten Eisschollen. Im Laufe der nächsten Stunden kommt noch mehr Eis dazu, zumeist flache Schollen, die sich zum Horizont hin verdichteten. Plötzlich ein lauter Ruf, und alle Passagiere drängen sich nach Backbord an die Reling, schauen fasziniert zu einer Eisscholle in über 100 Meter Entfernung, auf der sich etwas bewegt: „Polar Bear!“ Es ist der erste, den wir auf unserer Reise zu sehen bekommen, und alle an Bord sind aufgeregt und begeistert. Das Schiff hat den Kurs nicht geändert, es fährt weiter parallel zur Küste, kommt dabei aber allmählich näher an die Eisscholle heran.

“Look at this!“ –  „Polar Bear!!!“
“Look at this!“ – „Polar Bear!!!“

Wir versuchen, auszumachen, was da links vor dem Eisbären liegt. Ein schmales Bündel, auf der hellen Scholle wirkt es in dem vom Eis reflektierten, grellen Sonnenlicht zunächst blassgrau – kann das vielleicht seine Beute sein, eine tote Robbe? Zunächst ist selbst mit dem Fernglas noch nichts Genaues zu erkennen. Der Bär läuft ein paar Schritte zur Seite, dann kommt er zurück und stupst mit der Schnauze gegen das Bündel. Wieder geht er ein ganzes Stück weg, vielleicht 20 Meter, läuft dann immer wieder hin und her; er wirkt unruhig und etwas nervös.

Eisbär auf Scholle
Und was liegt da links auf der Eisscholle?

Und dann plötzlich bewegt sich das Bündel. „Look at this“, ruft die Frau neben mir aufgeregt, und alle Kameras klicken, denn das Bündel erhebt sich nun, da steht etwas auf seinen vier Beinen – eine Bärenjunges! Die Bärenmutter läuft zurück zu dem Kleinen, entfernt sich aber umgehend wieder. Das Kleine steht still, wirkt erst unentschlossen, dann läuft es schließlich langsam auf die Mutter zu.
Die berührt es nur kurz, dreht sich weg, steigt in Wasser, schwimmt, und nach kurzem Zögern tut das Kleine es ihr nach. Hatten sie das Schiff bemerkt, flüchten sie? Oder wollten sie nur zufällig gerade woanders hin? Wir werden es nicht erfahren. Sie entfernen sich schnell, zwei kleine Punkte im Wasser. Mit bloßem Auge wären sie nun kaum noch zu erkennen, wüsste man nicht genau, was da schwimmt, und bald sind sie verschwunden. …

Eisbärmama mit Eisbärbaby auf der Scholle
Eisbärmama mit Eisbärbaby auf der Scholle

Am Nachvak Fjord, Torngat Mountains National Park

… Es war uns schon etwas mulmig zumute, als wir uns jetzt, das erste Mal ohne einem schützenden Zaun wie im Zoo, Eisbären näherten. Diese Tiere sind schließlich sehr schnell und auch gute Schwimmer. Würde unser Zodiac rasch genug wenden können, falls der Bär denn auf die Idee käme, uns näher in Augenschein zu nehmen? Wie dick ist eigentlich so eine Gummiwulst? …

Eisbär, stehend
In sicherer Entfernung – der Eisbär lässt sich nicht erschüttern

Glücklicherweise war der Abstand zu dem ersten Bären recht groß, so 30-40 m. Wie relativ sind doch Entfernungen! Der andere Eisbär war nicht zu sehen, er war noch hinter dem Hügel – besser so. Langsam entspannten wir uns. … Der Eisbär stand auf der Hügelkuppe und beobachtete uns. Ob er schon mal Menschen gesehen hatte? Angst zeigte er jedenfalls nicht, denn er legte sich gemütlich nieder. …

Eisbär, liegend
Der Eisbär hat sich niedergelegt

Lower Savage Islands, Hudson Strait, Nunavut

… Als wir wieder in die Bucht einbiegen, wo wir den ruhenden Bär gesehen hatten, steht dieser jetzt auf der gegenüberliegenden Klippe und beobachtet die Zodiacs. Wir sind nur etwa 15 m von ihm entfernt. Er wendet immer wieder seinen Kopf zwischen unseren Booten und einer Stelle hinter einigen Felsen. Langsam läuft er an der Felswand hin und her, lässt uns nicht aus dem Blick. Der Benzingeruch scheint ihm nicht zu behagen. Er wirkt unschlüssig, als ob er überlegt, ob ihn unsere Anwesenheit beunruhigen sollte oder nicht. Es ist ein schönes großes männliches Tier, nicht sehr fett, aber auch nicht mager. Wir sind ziemlich nah an ihm dran. Man kann sogar die Insekten sehen, die um seinen Kopf kreisen. …

Der Eisbär lässt uns nicht aus den Augen
Der Eisbär lässt uns nicht aus den Augen

… Der Bär steigt etwas höher, wohl um bessere Übersicht zu haben. Dann taucht er hinter einem Felsen ab. Als er wieder hervorkommt, hat er etwas schwarzes im Maul. Nur mit dem Fernglas erkennen wir die Flosse einer Robbe. Aha, daher also der blutige Fleck in seinem Fell!

Eisbär mit Robbenhaut
Im Maul hat der Eisbär ein Stück Robbenhaut

Während er sich immer wieder nach uns umsieht, steigt er gemächlich höher, bis er – nach einem abschließenden Rundblick – endgültig hinter dem Felsgrat verschwindet. …
(Texte aus unserem Buch „Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis“)

polar bear going away
Der Eisbär trollt sich

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Jagd auf Eisbären?

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Noch ein Beitrag zur Polar Bear Week

Wieder einmal ist Polar Bear Week, und viele Menschen machen sich Gedanken um die Zukunft der Eisbären. Auch wir in unserem Buch Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis. 97% der in der Klimaforschung tätigen Wissenschaftler sind sich einig, dass die gerade stattfindende Erwärmung der Arktis besonders in den letzten Jahrzehnten durch uns Menschen erheblich verstärkt wird. Immer wieder aber versuchen sogenannte Klimawandel-Skeptiker, diesen Zusammenhang zu negieren. Zu ihnen gehören auch die Verteidiger der weltweiten Trophäenjagd, unter anderem auch auf Eisbären.

Jagd auf Eisbaeren - Sammelbild
Jagd auf Eisbaeren – Sammelbild

Die Jagd auf Eisbären ist eigentlich nur noch Vertretern indigener Völker gestattet, und zwar streng reguliert zur sogenannten Subsistenzjagd, was den Bestand der Tiere nicht bedrohen soll. Doch ist es für die Inuit in Kanada auch möglich, ihre Jagdlizenzen auf andere Jäger – sprich: Jagdtouristen, zumeist aus anderen Ländern – zu übertragen, und einige tun das auch, denn es generiert für die betreffenden Gemeinden ein (mangels anderer Möglichkeiten) bitter benötigtes fianzielles Einkommen. Sehr zur Freude von finanziell potenten Trophäensammlern, die diese Möglichkeiten allzugern nutzen.

Subsistenzjagd: ein erfolgreicher junger Inuit-Jäger – Foto: © Levi Noah Nochasak
Subsistenzjagd: ein erfolgreicher junger Inuit-Jäger – Foto: © Levi Noah Nochasak

Während die Jagd durch die Inuit selbst, auch infolge der vollständigen Verwertung der geschossenen Eisbären, als nachhaltig zu bewerten ist, interessiert die Großwildjäger nur eine besonders imposante Trophäe. Den Rest überlassen sie großzügig ihren indigenen Jagdhelfern. Die USA hat den Import von Eisbärentrophäen und -produkten inzwischen verboten, doch ist der Import in die EU, China, die arabischen und andere Ländern weiterhin gestattet. Unglücklicherweise stellt diese Trophäenjagd auf Eisbären – mangels anderer ausreichend gut bezahlter Jobs – für die Inuit eine wichtige, unverzichtbare Einkommensquelle dar.

Eisbärenfelle beim Trocknen – Foto: Wikipedia, Hannes Grohe
Eisbärenfelle beim Trocknen – Foto: Wikipedia, Hannes Grohe

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte die schonungslose Jagd auf Eisbären weltweit zu einem erheblichen Bestandsrückgang geführt. So erlegte der bekannte norwegische Jäger Henry Rudi von 1908-1948 713 Eisbären – davon 252 in den Wintern 1946/47 und 1947/48. Er setzte dabei Selbstschussfallen und Giftköder ein.

Rudolf Kmunke: Eisbärenjagd
Rudolf Kmunke: Eisbärenjagd

Rudi allein tötete damit ungefähr so viele Eisbären wie heutzutage in einer Jagdsaison in ganz Kanada zum Abschuss freigegeben werden. Als sogenannter Eisbärkönig hatte er sich damit einen aus heutiger Sicht sehr zweifelhaften Ruhm erarbeitet. Wurden Eisbär-Mütter erschossen, versuchte man, die Jungtiere einzufangen, um sie daheim an einen Zoo oder Zirkus zu verkaufen. Seit 1973 ist die Jagd auf Eisbären in Norwegen verboten und in den anderen Arktisstaaten streng reguliert, so dass sich inzwischen die Bestände wieder erholen konnten.

Eisbärfang, Svalbard (Spitzbergen)
Eisbärfang, Svalbard (Spitzbergen)

Auch wenn sich Inuit und Wissenschaftler in Kanada einig sind, dass der derzeitige Bestand an Eisbären nicht durch die Jagd gefährdet ist, sondern durch die Veränderung der Umweltbedingungen und die Erwärmung der Arktis, kann niemand prognostizieren, ob das angesichts der Folgen der fortwährenden Erwärmung so bleibt. Die Trophäenjagd auf Eisbären ist schon lange nicht mehr zeitgemäß. Auch wenn die Reiseanbieter, die entprechende Jagdtouren anbieten, von einer angeblich notwendigen Hege schwafeln, geht es letztendlich doch nur um attraktive Trophäen für die Sammlung, nach dem zweifelhaftem Motto “Wer hat den größten …?”

Eisbärfell als Dekoration – Robert Sedlacek: "Brumme nicht"
Eisbärfell als Dekoration – Robert Sedlacek: “Brumme nicht”

Fotos in den Katalogen von Jagdanbietern zeigen, wie sich die „erfolgreichen” Schützen manipulativ hinter den durch extreme Weitwinkelobjektive vergrößerte Eisbären präsentieren. Tierschützer und Wissenschaftler vermuten sicher zurecht, dass gerade solche Darstellungen wiederum Begehrlichkeiten wecken und damit indirekt Wilderei befördern, die wahrscheinlich besonders in der russischen Arktis stattfindet.

Eisbärtrophäe in einer historischen Postkarte
Eisbärtrophäe in einer historischen Postkarte

Die kanadische Regierung sollte endlich zur Beendigung dieses fragwürdigen Jagdtourismus den Inuitgemeinden einen finanziellen Ausgleich leisten sowie vor allem für andere Erwerbsmöglichkeiten sorgen – zum Beispiel im Umweltschutz, bei der Eisbärenforschung oder bei “nicht-invasiven” Eisbärbeobachtungen für Touristen. Das wäre doch ein gelungener Beitrag zur “Polar Bear Week”!

Eisbären-Tourismus – Foto: © Annette ConradEisbären-Tourismus – Foto: © Annette Conrad
Eisbären-Tourismus bei Churchill – Foto: © Annette Conrad

Mehr dazu in unserem Buch “Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis“. Hier geht es zu weiteren Betrachtungen aus Anlass der “Polar Bear Week”: Teil 1 und Teil 2.

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Eisbären auf dünnem Eis

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Noch ein Beitrag aus Anlass der “Polar Bear Week”

Die “Polar Bear Week” soll unter anderem auf die Bedrohung der Eisbären durch die Erwärmung der Arktis aufmerksam machen. Eisbären stehen dabei als Symbol für die arktische Artenvielfalt. Dabei wird zu oft vergessen, dass es bei den schwerwiegenden Folgen der Erwärmung der Arktis nicht nur um die Tierwelt geht. Denn: erstens leben in der Arktis auch Menschen! Und zweitens: Wass jetzt in der Arktis passiert, bleibt nicht in der Arktis; früher als erwartet wird es auch das Leben, unser Leben, in den südlicheren Gebieten betreffen …

Ein kräftiger, satter Eisbär
Ein kräftiger, satter Eisbär

Die Menschen in der Arktis, die Inuit, haben ein viel engeres Verhältnis zu den Eisbären, mit denen sie ja seit über 4000 Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft leben, als wir im Süden; das schließt spirituelle wie sachliche Aspekte ein. Sie sehen die Eisbären als Verwandte an – was aber die Jagd auf sie durchaus nicht ausschließt.

Eisbärfell, Upernavik
Grönländische Jäger haben ein Eisbärenfell zum Trocknen aufgespannt
Kinderbuchillustration 1924
Inuit-Kinder treffen auf einen Eisbären – Illustration von 1924

In Europa sind die Eisbären seit ungefähr 1000 Jahren bekannt. Ihre Felle waren von jeher begehrtes Handelsgut, und lebendige Tiere wurden zunächst in den Menagerien der Herrschenden ausgestellt oder sogar – zum Amüsement der Zuschauer – in “Hetzgärten” auf andere Tiere losgelassen.

Eisbären im Zoo haben eine hohe Lebenserwartung
Eisbären im Zoo haben kein beneidenswertes Leben, aber im Vergleich zur Wildnis eine hohe Lebenserwartung
Doris Arndt-Schaaff mit ihrer Eisbärgruppe – © Archiv Schaaff
Doris Arndt-Schaaff mit ihrer Eisbärgruppe – © Archiv Schaaff

Unsere Vorfahren lernten die Eisbären im Zoo und im Zirkus kennen, denn außer für Walfänger und Forscher war das arktische Lebensumfeld der weißen Bären für den Normalbürger nicht erreichbar. Allerdings gibt es schon seit dem 17. Jahrhundert bildliche Darstellungen dieser Tiere auf Gemälden und in Büchern.

Eisbär-Darstellung von John Webber, 1784
Eisbär-Darstellung von John Webber, 1784
François-Auguste Biards Gemälde "Kampf mit Eisbären", 1842
François-Auguste Biards Gemälde “Kampf mit Eisbären”, 1842
Eisbär-Trophäe auf einer Postkarte
Eisbär-Trophäe auf einer Postkarte

Infolge der gedankenlosen und profitorientierten Jagd waren die Eisbären bis zur Mitte des 20. Jahrhundert erheblich dezimiert und beinahe ausgerottet worden. Erst 1973 wurden international koordinierte Maßnahmen zur Erforschung der Lebensbedingungen und zum Schutz der Eisbären beschlossen.

Schwimmender Eisbär, Hudson Strait
Schwimmender Eisbär, Hudson Strait

Die Erwärmung der Arktis besonders im letzten Jahrzehnt und ihre Folgen haben Tierschützer und Umweltaktivisten mobilisiert, den Schutz der Eisbären zu intensivieren.

Verendeter Eisbär, Devon Island
Reste eines verendeten Eisbären, Devon Island

Gelegentlich wird dabei leider der Erfahrungsschatz und das Wissen der Inuit außer Acht gelassen, obwohl es gerade auch im Interesse der Eisbären läge, wenn die Anstrengungen von Inuit, von Wissenschaftlern und von Umweltschützern gebündelt würden, um die arktische Natur vor den Folgen menschlicher Gedankenlosigkeit und vor unüberlegter rein profitorientierter Ausbeutung von Rohstoffen zu schützen.

Eisbär in der kanadischen Arktis
Eisbär in der kanadischen Arktis

Das hier Gesagte ist nur eine Andeutung der Betrachtungen, die viel ausführlicher (auf 352 Seiten) und reich illustriert (ca. 300 Abbildungen!) in unserem Buch “Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis” zu finden sind, ergänzt durch eine Vielzahl von Sachinformationen über die Könige und Königinnen der Arktis.

Eisbären - Wanderer auf dünnem Eis. Von Mechtild und Wolfgang Opel. MANA-Verlag

Den ersten Beitrag aus Anlass der Polar Bear Week kann man hier lesen.

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