About „IQ“ — and about lack of respect in Cambridge Bay

reblogged from October 10, 2012 – Deutsche Version hier

The topic here is not “intelligence quotient”, but Inuit Qaujimatuqaangit. This term is Inuktitut for „that which has long been known by Inuit“. It is also often translated as „Inuit traditional knowledge“, but „IQ“ is not only knowledge in the sense of a stock of information, it includes also principles and values, it works as a code of behaviour and can navigate the way forward in life.

Aaju Peter, story telling - Foto Wolfgang Opel
Aaju Peter, story telling

As I have learned from Aaju Peter the Inuit originally did not know the term of “ownership of the land” – the land was “owned” only in the way that everyone came from a place that was appreciated because it offered what was needed. The Inuit would not have survived in the inhospitable Arctic over thousands of years, if they had not respected the land, the sea, the animals, the plants, the rocks, the rivers, the mountains and even the icebergs as entities which have a “spirit”.

Flag of Cambridge Bay
Flag of Cambridge Bay

Such a perception of the environment and the corresponding behavior has enabled them to develop abilities and skills using what the land was offering and to develop a culture of perfect adaptation to the existing resources. They were able to do this in an extreme environment where, over the centuries, so many “white” explorers had miserably failed, and where even today the average people, used to “civilization”, could hardly survive on their own.
IQ stands for Inuit knowledge of the interrelations in nature, and is based on the principle that humans are permanently learning beings with an infinite potential for problem-solving within the dictates of nature and technology. IQ embraces the concepts of serving, consensus-decision making, collaborative relationship or working together for a common purpose as well as the concept of environmental stewardship.
Could our “Western” society learn something from that?

Kitikmeot Inuit Association, Cambridge Bay
Kitikmeot Inuit Association, Cambridge Bay

Recently, in Cambridge Bay there was a public meeting regarding the future Canadian High Arctic Research Station (CHARS), where engineers, scientists, architects and federal government bureaucrats met with local residents. The Inuit want to make sure that the research station should bridge Western science and Inuit knowledge, but not only in one direction, like in the past. CHARS should be a „two-way bridge“.
And one of the goverment agents actually assured that the research institute will be guided by the principles of Inuit Qaujimatuqaangit.

Infrastructure
Infrastructure

A few days ago, some „Western“ visitors of Cambridge Bay proved that they are equipped with a substantial „AQ*”. A luxury yacht from Australia, during traversing the famed Northwest Passage, moored in Cambridge Bay, and some young Inuit women, among them minors, were invited to a party with alcohol and fireworks, which both are illegal in that community. And that’s not all: the passengers from the Fortrus also appeared to have harassed muskoxen near Mt. Pelly, with the help of rented vehicles, for gaining some extra-ordinary photos and video shots. There are outstanding fines of $10.000 which are still not paid until today.

*AQ here means “Arrogance Quotient”

posted by Mechtild Opel on October 10, 2012

Update by Nov 23, 2012: As to be read in Nunatsiaq News online, the owner of the Fortus, Australian tycoon Paul McDonald, has paid his outstanding bill for Nunavut Liquor Act offenses – he has paid $10,000 on Oct. 29, as RCMP confirmed on Nov. 20.

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Cambridge Bay: über „IQ“ und Mangel an Respekt

reblogged vom 5. Oktober 2012 – English version here

Hier soll es nicht um den “Intelligenzquotienten” gehen, sondern um Inuit Qaujimatuqaangit. Dieser Begriff aus dem Inuktitut bedeutet im Deutschen etwa: „das, was die Inuit seit langer Zeit wissen“. Man spricht auch vom „traditionellen Wissen“ der Inuit, jedoch geht es bei IQ nicht nur um Wissen im Sinne eines Vorrates an Kenntnissen; es schließt auch Prinzipien und Werte ein und wirkt als Verhaltenscodex, als Navigationshilfe durch den Lauf des Lebens.

Aaju Peter und Lois Suluk-Locke - Foto: Wolfgang Opel
Aaju Peter und Lois Suluk-Locke – Foto: Wolfgang Opel

Von Aaju Peter erfuhr ich, dass den Inuit der Begriff des Eigentums an Land eigentlich fremd ist – das Land „gehörte“ ihnen stets nur insofern, dass sie jeweils von einem Ort kamen, den sie schätzen, der ihnen das bot, was sie brauchten. Sie hätten nicht über tausende Jahre in der unwirtlichen Arktis überleben können, wenn sie nicht das Land, das Meer, die Tiere, die Pflanzen, die Felsen die Flüsse, die Berge, ja selbst die Eisberge, als Wesen mit einem eigenen spirit respektiert hätten. Eine solche Wahrnehmung ihrer Umwelt und die entsprechenden Handlungsweisen haben ihnen ermöglicht, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln, die genau das nutzten, was das Land bot, also im Einklang mit den vorhandenen Ressourcen eine Lebenskultur der perfekten Anpassung zu entwickeln. Und das in einer Umgebung, in der viele „weiße“ Entdecker bis hinein ins 20. Jahrhundert kläglich scheiterten und wo auch heute noch kaum ein Mitteleuropäer auf sich selbst gestellt überleben könnte.

High School in Cambridge Bay - Foto: Mechtild Opel
High School in Cambridge Bay – Foto: Mechtild Opel

IQ steht für die den Inuit eigenen Einsichten in die Zusammenhänge der Natur, die darauf beruhen, das Menschen ständig lernende Wesen sind, die über ein reiches Potential zur Problemlösung innerhalb der Gesetze der Natur und Technik verfügen; zu IQ gehören auch Prinzipien wie Beitragen zur Gemeinschaft, Konsens bei Entscheidungsfindungen, gegenseitiger Respekt und Zusammenarbeit, Verantwortung und Fürsorge für die Umwelt. Sollte unsere „westliche“ Gesellschaft nicht etwas davon lernen?

Poster an einer Tür in Cambridge Bay - Foto: Wolfgang Opel
Poster an einer Tür in Cambridge Bay – Foto: Wolfgang Opel

Für Cambridge Bay ist eine neue kanadische Forschungseinrichtung in Planung. In einer Planungssitzung vor Ort mit Wissenschaftlern, Architekten und Regierungsbeamten, die Ende September stattfand, forderten Einwohner des Ortes, dass die 2017 zu eröffnende Canadian High Arctic Research Station (CHARS) westliche Wissenschaft und Inuit-Wissen zusammenbringt. Dieser Austausch soll nicht mehr, wie bisher üblich, nur in einer Richtung stattfinden: CHARS soll eine Brücke sein, die auch eine Gegenspur hat.
Und ein verantwortlicher Regierungsvertreter beeilte sich tatsächlich, zu versichern, dass das Institut nach den Prinzipien von Inuit Qaujimatuqaangit geleitet werden wird.

Arctic College in Cambridge Bay - Foto: Wolfgang Opel
Arctic College in Cambridge Bay – Foto: Wolfgang Opel

Kürzlich bewiesen „westliche“ Besucher von Cambridge Bay, dass sie über einen gehörigen AQ* verfügen. Als die australische Luxus-Segeljacht “Fortrus” beim Durchqueren der Nordwestpassage in Cambridge Bay anlegte – eine Gemeinde, die aufgrund eines Mehrheitsentscheids über keinen Alkoholverkauf – bzw. Ausschank verfügt – lud die Mannschaft junge Frauen, darunter Minderjährige, zur Party mit Alkohol und ebenfalls verbotenem Feuerwerk an Bord. Zuvor hatte man mit Hilfe von geliehenen 4-Wheelern eine Treibjagd auf Moschusochsen zum Zwecke eines Foto-Shooting veranstaltet. Und die dafür fälligen Strafgebühren wurden auch noch mit ungedeckten Schecks bezahlt…

*AQ steht hier für “Arroganz-Quotient”

posted by Mechtild Opel am 5. Oktober 2012

Update vom 23. Nov. 2012: Wie man zwischenzeitlich in Nunatsiaq News online lesen konnte, ist der Eigentümer der Yacht Fortus, der Australier Paul McDonald, seiner offenen Forderung wegen Verletzung des Nunavut Liquor Act nachgekommen – wie die RCMP am 20. November bestätigte, hat er am 29. Oktober $10,000 Strafe gezahlt.

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Belzebub II passierte Mercy Bay

reblogged vom 30.September 2012

Am 2.9.2012 berichtete die Crew der Yacht Belzebub II von der erfolgreichen Befahrung der McClure Strait – unter Ausnutzung eines 36stündigen Zeitfensters, in dem eine schmale Wasserstrasse auch das Passieren der Mercy Bay ermöglichte, bevor sich das Packeis wieder schloss.
Den Namen des Schiffes „Belzebub“ kann man durchaus als Herausforderung an das “Schicksal” auffassen; denn in einer ähnlichen Situation, allerdings schon 131 Jahre zuvor, hatte sich die HMS Investigator nämlich gerade noch in diese „Bucht der Gnade“, vom Kapitän McClure damals „Bay of God’s Mercy“ genannt, retten können, um nicht vom Eisdruck zerstört zu werden. Johann August Miertsching schrieb darüber in seinem Tagebuch:
„Sobald es aber völlig Tag wurde und bei dem scharfen Westwind aller Nebel verschwandt, sah er (McClure) die Unmöglichkeit auch nur eine Mile weit durch das gegen uns kommende Eis zu kommen. Bei dem hellen Wetter jetzt sahen wir erst, das wir uns in einer Bucht befinden, nahe dem westlichen Ende von Banks Land…“

HMS Investigator im Eis vor Banks Island - Zeichnung von S.G. Cresswell
HMS Investigator im Eis vor Banks Island – Zeichnung von S.G. Cresswell

Man mag sich ein ähnliches Schicksal für die Belzebub II nicht ausmalen, denn die Besatzung der Investigator musste hier zwei Winter im Eis der Arktis verbringen, ehe das Schiff am 7. April 1853 durch Leutnant Pim von HMS Resolute, dessen Todestag sich übrigens heute zum 126. Mal jährt, aufgefunden und die Besatzung dadurch gerettet werden konnte.

Lieutenant Bedford Pim
Lieutenant Bedford Pim – Foto: Lock & Whitfield

Die Eisbedingungen im Bereich von Banks Island unterschieden sich 2012 wohl nur geringfügig von den Bedingungen im Jahr 1851. Ganz anders dagegen in den östlichen Teilen der kanadischen Arktis: hier war die Nordwestpassage bereits fast vollständig eisfrei; nur wenige gelegentlich vorbeidriftende Eisberge erinnerten noch an die Probleme, die vor 165 Jahren zum Verschwinden der Expedition von Sir John Franklin geführt hatten.

Kein Eis im September 2012, Cape Riley/Lancaster Sound - Foto: Wolfgang Opel
Kein Eis im September 2012, Cape Riley/Lancaster Sound – Foto: Wolfgang Opel

Am 16.9.2012 wurde die geringste Eisbedeckung der arktischen Gewässer seit Beginn ihrer messtechnischen Erfassung berichtet.

Rückgang des arktischen Eises  - Grafik: Neven (Arctic Sea Ice Blog)
Rückgang des arktischen Eises – Grafik: Neven (Arctic Sea Ice Blog)

Das Abschmelzen des arktischen Eises geht also mit mindestens unverminderter Stärke weiter. Die Auswirkungen, zum Beispiel immer heißer werdende Sommer in großen Teilen Nordamerikas, können noch nicht vollständig prognostiziert werden. Die Aussagen der Wissenschaftler im Video klingen jedenfalls nicht sehr optimistisch:

posted by Wolfgang Opel am 30. September 2012

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Copper Inuit

reblogged vom 24. September 2012

Wo der Coppermine River nach vielen Windungen durch das Relief des kanadischen Schildes in die Beaufort Sea mündet, an der Nordküste des kanadischen Festlandes, liegt der „Ort des strömenden Wassers“, in der Sprache der Inuit Kugluktuk, auf älteren Landkarten noch als Coppermine bezeichnet.

Blick auf Kugluktuk mit dem Coppermine River - Foto: Wolfgang Opel
Blick auf Kugluktuk mit dem Coppermine River – Foto: Wolfgang Opel

Gut 500 km weiter in Richtung Nordost durch den Coronation Gulf und die Dease Strait liegt an der Südostküste von Victoria Island Cambridge Bay oder Iqaluktuuttiaq – das bedeutet: „ein guter Ort zum Fischen“ – direkt an der Küste. Hinter einem flachen, sandigen Strand reihen sich Häuser und unbefestigte Straßen auf kiesigen, mit Schotter durchsetzten Untergrund. Das harsche Klima mit Dauerfrostboden ermöglicht nur eine spärliche Vegetation von dicht am Boden wachsenden Pflanzen.

Cambridge Bay - Foto: Wolfgang Opel
Cambridge Bay – Foto: Wolfgang Opel

Einst existierte hier nichts als ein Handelsposten der Hudson’s Bay Company, der 1921 eröffnet und dann von einem Dutzend Inuit-Familien regelmäßig besucht wurde; einige davon blieben dauerhaft. Seit den 1960er Jahren wurden dann Fertighäuser in größerer Anzahl errichtet, und inzwischen haben Cambridge Bay wie auch Kugluktuk jeweils etwa 1500 Einwohner. Hier leben die sogenannten Copper Inuit.
Was es mit diesem Namen auf sich hat, beschreibt Johann August Miertsching in seinem „Reisetagebuch“, als er am 2. Juni 1851 über eine Begegnung mit „Eskimos“ auf Victoria Island berichtet: „Ihre Harpunen, Messer, Beile, Pfeilspitzen, Nähnadeln u.s.w. sind alle von Kupfer verfertigt…“.

Copper Inuit (Diorama) - Foto: Wolfgang Opel
Copper Inuit (Diorama) – Foto: Wolfgang Opel

Im Sommer lebten die Copper Inuit in Zelten und durchstreiften in kleinen Gruppen das Inland, um zu fischen und Karibus zu jagen. Im Winter hingegen wohnten sie in Iglus direkt am Meer oder sogar auf dem Eis und lebten vor allem von der Robbenjagd. Sie nutzten natürliche Vorkommen an gediegenem Kupfer aus der Region zur Herstellung ihrer Werkzeuge und boten solche auch benachbarten Stämmen zum Tauschhandel an.
Im Zusammenhang mit der Suche nach der Nordwestpassage gab es im 19. Jahrhundert einige wenige Kontakte mit europäischen Entdeckungsreisenden, wie beispielsweise der, über den Miertsching in seinem Tagebuch über die Reise mit der HMS Investigator berichtete. Dieser hatte noch ein wichtiges Nachspiel, denn das 1853 aufgegebene Schiff und das von der Mannschaft auf Banks Island angelegte Versorgungsdepot bot den Copper-Inuit Gelegenheit, eine Menge für sie sehr seltener Werkstoffe – vor allem Holz und Eisen – zu bergen und sich nutzbar zu machen.

Metall vom Depot auf Banks Island - Foto: Parks Canada
Metall vom Depot auf Banks Island – Foto: Parks Canada

Mit der Seßhaftigkeit seit etwa 60 Jahren erlebten die Copper-Inuit einen kulturellen Umbruch, der ihnen eine gewaltige Anpassungsleistung abverlangte. Über Jahrtausende hatte das nomadisierende Jägervolk ganz selbstverständlich unter extremsten klimatischen Bedingungen gelebt. Die Inuit waren sehr geschickt darin, sich nur von dem, was Land und Meer der Arktis boten, zu ernähren, zu kleiden und sich Steine, Tierhäute, Knochen und Schnee als Baumaterial für ihre Wohnungen zunutze zu machen,
Seit den 1960er Jahren war ihnen dann eine fremde und fremdsprachige Kultur massiv übergestülpt worden, bereits zuvor eingeleitet durch die Tätigkeit christlicher Missionare und dann forciert durch einen Schulunterricht ausschließlich in englischer Sprache. Heute sind die Copper Inuit von Cambridge Bay an die Nutzung von Schneemobilen, Satellitenschüsseln, Telefon und Internet gewöhnt, die Jugendlichen sprechen Englisch und verbringen die Freizeit mit Videospielen. Im Ort findet man natürlich Post und Bank, Polizei und Krankenhaus, Kindergarten und Schule, Department Store und Co-op, und sogar Pizza Hut und KFC, die internationalen Fastfoodketten, sind vertreten. Und natürlich auch mindestens drei Kirchen.

Ruine der alten Steinkirche, Cambridge Bay - Foto: Wolfgang Opel
Ruine der alten Steinkirche, Cambridge Bay – Foto: Wolfgang Opel

Die gewaltigen sozialen Veränderungen im Leben der Copper-Inuit sind – wie auch anderswo im hohen Norden Kanadas – mit nicht wenigen Problemen verbunden. Sie führten zu vielen Brüchen, die sich unter anderen in Alkohol- und Drogenmissbrauch, Gewaltkriminalität und einer hohen Suizidrate zeigen. Eine über Jahrzehnte verfehlte Bildungspolitik hatte zur Folge, dass die Sprache, Inuinnaqtun, heute nur noch von der ältesten Generation fließend gesprochen wird. Enkelkinder und Großeltern können sich oft gar nicht mehr miteinander unterhalten; und erst die jüngste Generation bekommt nun wieder Gelegenheit, die eigene Sprache in der Schule zu lernen.
Die Gefährdung der Sprache steht für die Gefährdung der traditionellen Kultur, zu der nicht nur Pelzkleidung, Trommeltanz und Kehlkopfgesang (Throat-singing) gehören, sondern die gesamte Lebensweise, einschließlich der Ernährung, sowie ein bewährtes traditionelles System der Werte, das Ehrlichkeit, gegenseitigen Respekt, Verantwortung für die Gemeinschaft und Fürsorge für die Umwelt einschließt.
Engagierte Elders setzen sich heute für eine Wiederbelebung dieser kulturellen Werte ein, und man spürt bei der Rückbesinnung auf die Tradition ein wachsendes Selbstbewusstsein. Heute erlernen viele junge Inuit-Mädchen und -Frauen mit Begeisterung den Kehlkopfgesang, der vor 20 Jahren schon fast vergessen war.

Tanya Tagaq - Foto: Michael Höfner
Tanya Tagaq – Foto: Michael Höfner

Als vor ein paar Jahren die Künstlerin Tanya Tagaq aus Cambridge Bay die traditionellen Formen des Throat-singings versuchsweise mit anderen sprachlichen und musikalischen Ausdrucksformen kombinierte, wurde das zufällig von Zuhörern aus Island aufgezeichnet. Kurze Zeit darauf bekam sie eine Einladung von Björk und war an deren CD-Produktion Medúlla beteiligt!

Inzwischen hat Tanya Tagaq ihren Platz in der Avantgarde der Weltmusik gefunden. Der Gründer des Kronos-Quartets, David Harrington, bezeichnete sie gar als „Jimi Hendrix des Inuit Throat-singings“.

posted by Mechtild Opel am 24. September 2012

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Chocolate in the Arctic

reblogged from August 22, 2016 – Deutsche Version hier

Can you starve while you still have chocolate left???

The finds at “Boat’s Place” at Erebus Bay on King William Island and their various interpretations belong to the many unsolved mysteries of the lost Franklin expedition. During McClintock’s search for traces of Franklin’s men, on May 24th 1859 a land expedition under Lieutenant Hobson discovered a boat. Buried beneath the snow, it rested on a sledge. Hobson freed the boat from the snow load. He found two human skeletons and wrote a detailed account of the items that were in the boat.

Finding the boot – from „Die Gartenlaube“, 1860
Finding the boot – from „Die Gartenlaube“, 1860

Six days later, Captain McClintock reached the same place. Prior to that, he had worked a lot on the optimization of sled transportation on Arctic tours. In his report, he refers to the – in his opinion – “dead weight” of the strange sled charge. There was no food left except for a small residual of tea and about 40 pounds of chocolate.

Memorial for McClintock provided by family members, near Bellot Strait
Memorial for McClintock provided by family members, near Bellot Strait

This raises the question: Is it possible to starve to death if you have 40 pounds of chocolate available? Apparently yes.
This was not the softly melting, creamy milk chocolate we know nowadays, but a product then called „Cocoa“ or „ship’s chocolate“. Roasted cocoa beans were crushed, with some cocoa butter being released in the process. The result was no dry powder, but a paste, which was cooled into a “cake”. In 1828, Dutch chemist Coenraad Johannes van Houten invented a process that could separate most of the cocoa butter from the chocolate; then some of it was added again (possibly with some sago starch added) for pressing compact cake pieces that could be grated into cocoa powder.

Cocoa beans – Photo: Frank Wouters, Wikipedia
Cocoa beans – Photo: Frank Wouters, Wikipedia

Such hard chocolate “cake” was part of the usual rations for Arctic expeditions because it could be used to prepare an invigorating hot drink – at that time, coffee was not yet a standard drink for expedition members! Cocoa also helped to make the unpleasant tasting water from the ship’s tanks drinkable – which helped to save rum as well. It was probably as early as 1780 that the British government had regularly commissioned solidified cocoa from the firm of J.S. Fry & Sons as a standard ration of chocolate for seamen in the Royal Navy.

Advertisement for Fry's Pure Concentrated Cocoa – credit: Wellcome Images
Advertisement for Fry’s Pure Concentrated Cocoa – credit: Wellcome Images

Johann August Miertsching, who took part in an expedition in search for Franklin from 1850 to 1854, regularly drank “Cocoa” aboard HMS Investigator, which was served at breakfast. In the evening, however, tea was prepared. Coffee was served only at the very beginning of the expedition and on special occasions.

Johann August Miertsching
Johann August Miertsching

Miertsching, together with his comrades, had to leave the ice-trapped HMS Investigator in 1853 and, like Franklin’s men, they had to walk with sledges over ice and land. He describes the meager daily ration for the likewise starving men:
“1 pound biscuit, 3/4 pound meat and 1 oz. cacao plus 1/2 oz. sugar, and ½ gill rum for grog. The meat will be consumed cold and naturally hard-frozen. The grated cacao and sugar will be put in a kettle, together with ice or snow, and then cooked on a spirit stove. ” (April 15th, 1853).

Grounded cocoa – Photo credit: Blair, Wikipedia
Grounded cocoa – Photo credit: Blair, Wikipedia

So cocoa, grated and prepared as a hot drink by adding sugar and water, was likely to warm up, and due to the cocoa butter and the added sugar it even delivered some energy. But the quite bittery, hard-frozen compact mass which was found at Boat’s Place was in no way good enough to save the famished men of Franklin’s expedition from starvation. In addition to that, when taking in larger amounts of cocoa in the solid state, surely the men would have suffered from constipation.

Edit: there is a new and interesting approach to that chocolate issue, you can read it here.

The world of Ice
The world of Ice

In Miertsching’s Arctic diary you also can read about the usual charge of a party consisting of nine men on a sledge expedition on land or ice. Much of the objects found by Hobson on “Boat Place” are also contained in Miertschings listing: „…brush for removing snow from the tent and clothes, boot soles, wax, bristles, waxed floss, cobbler’s wire, nails, awl, … along with soap, towels, combs etc. … pepper, salt, lighter, cotton and flannell bandage, … eyewash, pills etc., lancet, opium tincture, scissors, needles and twine; … The whole weight of such a sled charge for 42 days is more than 1,000 pounds.” (April 17, 1851).

Relics of the Franklin expedition – from „Illustrated London News“
Relics of the Franklin expedition – from „Illustrated London News“

There has been much speculation about whether the men of the Franklin expedition were doing the right thing when they gave up the ice-trapped ships and moved to the south, thus hoping to survive and to find possible rescue. Special doubts about whether their actions made sense are arising from the many seemingly “useless” things which the famished and exhausted men towed over land on the overloaded sled with the heavy boat. From the items mentioned in Hobsons report, in particular silverware, a signet ring and sealing wax, a golden cord, books, golden watches, soap, combs, brushes and needles are emphasized. Were these men so foolish – or even mentally confused?

More relics of the Franklin expedition – from „Illustrated London News“
More relics of the Franklin expedition – from „Illustrated London News“

Apart from the fact that those were actually not golden, but only silver cased watches: When viewed from today’s perspective, it turns out that there were quite a lot of useful and practical things in the sledge load of Franklin’s men – compass, knife, lighters, awl, waxed floss, various tools, gloves, snow goggles, powder flasks (probably with drugs), scarves, rifle and ammunition, fishing line, sewing kit, scissors, packets of needles. The things which were actually not necessary for the men themselves on their march to the south could have been possibly quite well be used in exchange to get food, in case they would have met Inuit.

McClintock Cairn, Fort Ross
McClintock Cairn, Fort Ross

Among the finds there were also some books. One can argue about how vital books are for people plagued by cold and hunger. Who can judge what value a book would have for the desperate – maybe to get some consolation, or not to lose all courage? How important can it be for people in desperate need, to create some team spirit by reading aloud from a book, or by singing a hymn together? Even about these things, you can learn in the Arctic diary from Miertsching – who, by the way, was born exactly 199 years ago.

posted by Mechtild Opel on August 22, 2016

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Schokolade in der Arktis

reblogged vom 21. August 2016 – There is an English version here.

Kann man verhungern, wenn noch Schokolade da ist?

Die Funde am „Boat’s Place“ an der Erebus Bay auf King William Island und ihre Interpretationen bilden eines der vielen ungelösten Rätsel der verschollenen Franklin-Expedition. Während McClintocks Suche nach Spuren von Franklins Männern wurde bei einer Landexpedition unter Leutnant Hobson am 24. Mai 1859 ein unter der Schneedecke begrabenes Boot entdeckt, das auf einem Transportschlitten ruhte. Hobson legte das Boot frei. Er fand zwei menschliche Skelette und erstellte einen genauen Bericht über die Gegenstände, die sich im Boot befanden.

Auffindung des Bootes – Abbildung aus der „Gartenlaube“, 1860
Auffindung des Bootes – Abbildung aus der „Gartenlaube“, 186

Sechs Tage später erreichte Kapitän McClintock den gleichen Ort. In seinem Bericht weist er, der sich viel mit der Optimierung von Lastschlitten auf Arktistouren beschäftigt hatte, auf das seiner Meinung nach „tote Gewicht“ der seltsamen Schlittenladung hin. An Lebensmitteln fanden sich noch ein Rest Tee – und etwa 40 Pfund Schokolade.

Gedenkstein für McClintock an der Bellot Strait, gestiftet von seiner Familie – © Wolfgang Opel
Gedenkstein für McClintock an der Bellot Strait, gestiftet von seiner Familie

Es stellt sich die Frage: Kann man Hungers sterben, wenn man 40 Pfund Schokolade zur Verfügung hat? Offenbar ja.
Es handelte sich hierbei nicht etwa um zartschmelzend-cremige Milchschokolade, sondern um ein damals „Cocoa“ oder „ship’s chocolate“ genanntes Produkt. Geröstete Kakaobohnen wurden zerkleinert; dabei wurde Kakaobutter freigesetzt, so dass kein trockenes Pulver entstand, sondern ein Paste, die durch Abkühlung zu einem “Kuchen” wurde. Nachdem Johannes van Houten 1828 ein Verfahren entwickelt hatte, der gemahlenen Masse Kakaobutter zu entziehen und anschließend wieder zuzusetzen, konnte die Masse – möglicherweise unter Zusatz von etwas Stärke aus Sago – zu kompakten Stücken gepresst werden.

Kakaobohnen – Foto: Frank_Wouters, Wikipedia
Kakaobohnen – Foto: Frank_Wouters, Wikipedia

Solche harten „Kuchen“ gehörte zu den übliche Rationen für Arktisexpeditionen, denn daraus ließ sich ein stärkendes Heißgetränk herstellen – in einer Zeit, da Kaffee für die Expeditionsteilnehmer noch kein Standardgetränk war! Damit konnte übrigens auch unangenehm schmeckendes Wasser aus den Schiffstanks trinkbarer gemacht – und dadurch Rum gespart werden. Wohl schon ab 1780 hatte die Britische Regierung regelmäßig festen „Cocoa“ von der Firma J.S. Fry & Sons als Standard-Schokoladenration für Seeleute geordert.

Werbung für Fry's Pure Concentrated Cocoa – Abbildung: Wellcome Images
Werbung für Fry’s Pure Concentrated Cocoa – Abbildung: Wellcome Images

Johann August Miertsching, der von 1850 bis 1854 an einer Expedition zur Suche nach Franklin teilnahm, hat an Bord der HMS Investigator ebenfalls regelmäßig „Cocoa“ getrunken, den es morgens zum Frühstück gab – abends hingegen wurde Tee bereitet. Kaffee gab es nur ganz zu Anfang der Expedition zu besonderen Anlässen.

Johann August Miertsching
Johann August Miertsching

Miertsching, der mit seinen Kameraden 1853 die ebenfalls im Eis eingeschlosssene HMS Investigator verlassen und zu Fuß über Eis und Land wandern musste, beschreibt die schmale Tagesration für die ebenfalls bereits hungernden Männer: “1 Pfd. Schiffszwieback, 3/4 Pfund Fleisch u. 2 Loth Cacao nebst 1 Loth Zucker, und ½ gill Rum zum Grog. – Das Fleisch wird kalt u. natürlich hart gefroren verzehrt. Der geriebene Cacao u. Zucker wird mit Eis oder Schnee in einen Kessel gethan, u. über einer Spiritus-Lampe gekocht. ” (15. April 1853).

Pulverisierter Kakao – Foto: Blair, Wikipedia
Pulverisierter Kakao – Foto: Blair, Wikipedia

Cocoa, gerieben und mit Zucker und Wasser zu einem Heißgetränk bereitet, war also etwas zum Aufwärmen und lieferte durch Kakaobutter und zugesetzten Zucker auch ein wenig Energie. Die hart gefrorene, recht bittere kompakte Masse, die am boat place gefunden wurde, taugte jedoch keineswegs dazu, die ausgehungerten Männer der Franklin-Expedition vor dem Hungertod zu bewahren. Dazu kommt: Bei der Einnahme größerer Mengen des Lebensmittels im festen Zustand hätten die Männer ganz sicher unter Verstopfung zu leiden gehabt.

Im Eis der Arktis
Im Eis der Arktis

In Miertschings Reisetagebuch kann man auch lesen, was zur üblichen Ladung einer „Schlittengesellschaft“ von 9 Personen auf einer Expedition über Land oder Eis gehört. Ein Großteil der von Hobson am „Boat Place“ vorgefundenen Gegenstände findet sich denn auch in Miertschings Auflistung: „…Bürste zum Beseitigen des Schnees von Zelt und Kleidern, Stiefelsohlen, Wachs, Borsten, Schuhmacherdraht, Nägel, Ahle, … nebst Seife, Handtüchern, Kämmen u.s.w. … Pfeffer, Saltz, Feuerzeug, Cotton u. Flanellbinden, Pflaster, … Augenwasser, Pillen u.s.w., Lancete, Opium Tincktur, Scheere, Nadeln u. Zwirn; … Das ganze Gewicht so einer Schlittenladung auf 42 Tage beträgt über 1000 Pfund.” (17. April 1851).

Relikte der Franklin-Expedition – Illustrated London News
Relikte der Franklin-Expedition – Illustrated London News

Es wurde viel darüber spekuliert, ob die Männer der Franklin-Expedition das Richtige taten, als sie die im Eis eingeschlossenen Schiffe aufgaben und in Richtung Süden zogen, um dadurch vielleicht zu überleben und mögliche Rettung zu finden. Besondere Zweifel daran, ob ihr Tun sinnvoll sei, ergaben sich aus den vielen scheinbar „unnützen“ Dingen, die die Ausgehungerten und Entkräfteten auf dem überladenen Schlitten mit dem schweren Boot über Land zogen. Aus den in Hobsons Bericht erwähnten Dingen hob man insbesondere Silberbesteck, Siegelring und Siegellack, eine goldene Kordel, Bücher, goldene Uhren, Seife, Kämme, Bürsten und Nadeln hervor. Waren diese Männer so töricht – oder gar geistig verwirrt?

Relikte der Franklin-Expedition – Illustrated London News
Relikte der Franklin-Expedition – Illustrated London News

Abgesehen davon, dass diese Uhren in Wirklichkeit nicht golden, sondern lediglich in Silber eingefasst waren, stellt sich bei der Betrachtung aus heutiger Sicht heraus, dass sich in der Schlittenlast von Franklins Männern durchaus sehr viele nützliche und praktische Dinge befanden – Kompass, Messer, Streichhölzer, Schusterahle, gewachstes Garn, diverses Werkzeug, Handschuhe, Schneebrillen, Puverfläschchen (vermutlich mit Medikamenten), Halstücher, Gewehr und Munition, Angelschnur, Nähzeug, Scheren, dazu Nähnadel-Sets. Was man davon für die Wanderung nach Süden nicht selbst benötigte, hätte sich möglicherweise auch ganz gut als Tauschartikel einsetzen lassen, um dafür Lebensmittel erhalten, falls man auf Inuit traf.

McClintock Cairn, Fort Ross
McClintock Cairn, Fort Ross

Unter den Fundstücken befanden sich auch einige Bücher. Man kann darüber streiten, wie lebensnotwendig Bücher für von Kälte und Hunger geplagte Menschen sind. Wer kann schon beurteilen, welchen Wert ein Buch für Verzweifelte haben kann, um daraus Trost zu schöpfen, oder den Mut, noch nicht aufzugeben? Wie wichtig kann es für den Zusammenhalt von Menschen in äußerster Not sein, wenn jemand den anderen etwas aus einem Buch vorliest, oder wenn sie gemeinsam singen? Auch darüber lässt sich im Reisetagebuch Miertschings, der übrigens genau heute vor 199 Jahren geboren wurde, etwas erfahren.

posted by Mechtild Opel am 21. August 2016

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Ein kleiner Schritt vorwärts, ein großer zurück

reblogged vom 30. August 2012

Gestern wurde bekannt, dass ein Segelboot auf dem Weg durch die Nordwestpassage die McClure Strait zwischen Banks und Melville Island durchfahren hat. Das ist eine viel weiter nördlich gelegene Route als die herkömmliche. Die Belzebub II ist damit die erste Yacht, der gelungen ist, was bisher nur Eisbrecher oder von ihnen unterstützte Schiffe geschafft hatten. Dieser viele Experten überraschende Coup hat eine wesentliche Voraussetzung – den dramatischen Rückgang der Eisbedeckung in der Arktis. Schon jetzt ist absehbar, dass 2012 ein neuer “Tiefpunkt” der durch den Menschen verstärkten Klimaänderung erreicht wird, obwohl es noch immer viele Politiker, ihnen im Wunschdenken verfallene Bürger und auch noch einige wenige Wissenschaftler gibt, die genau das abstreiten.

McClure in Winterbekleidung (Illustrated London News)
Kapitän McClure in Winterbekleidung – Illustrated London News

Die McClure Strait wurde nach Kapitän Sir Robert McClure benannt, der mit dem Schiff HMS Investigator 1850 bzw. 1851 zwei mögliche Varianten der Nordwestpassage entdeckte.

McClure Strait mit Melville Island – nach einer Zeichnung von S. G. Cresswell
McClure Strait mit Melville Island – nach einer Zeichnung von S. G. Cresswell

Das Bild von der eisbedeckten McClure Strait mit Melville Island im Hintergrund stammt vom Ersten Offizier der Investigator, Samuel Gurney Cresswell, und gehört heute zu einem sehr gesuchten grafischen Zyklus über die Entdeckung der Nordwestpassage.

McClure als gefeierter Entdecker – Illustrated London News
McClure als gefeierter Entdecker – Illustrated London News

Die HMS Investigator blieb allerdings im Eis der Mercy Bay, Banks Island, stecken und kam nicht mehr frei, und die Mannschaft musste sich 1853 zu Fuß auf den Marsch über das Eis der heutige McClure Strait begeben, um die rettenden Schiffe einer anderen Expedition zu erreichen. Unter den ersten, die auf Melville Island ankamen, befand sich Johann August Miertsching aus Gröditz bei Bautzen, der als Übersetzer für Inuktitut angeheuert war. Er schrieb am 23. April 1853 in sein Tagebuch:
„Hier stand ich nun auf Mellvile Insel, u. konnte mich bei allen Elend u. Noth des schmeichelnden Gedanckens nicht enthalten, dass ich hier in diesen Polar-Regionen der einzige Wende aus Deutschland bin, u. an der seit mehr als 300 Jahren gesuchten nun von uns entdeckten Nordwestlichen Durchfahrt theil habe.“
Miertsching sollte noch einen einen weiteren, den vierten, Winter in der Arktis verbringen, bevor er seine Heimat wiedersehen konnte.

posted by Wolfgang Opel am 30. August 2012

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A Sorb in the Arctic

reblogged from August 22, 2012. [- German version – deutsche Version hier.]

Johann August Miertsching was born on August 21, 1817 in Groeditz, then called Hrodzischczo (later Hrodźišćo), just 195 years ago today.

Old house in Groeditz - Photo: Wolfgang Opel
Old house in Groeditz – © Wolfgang Opel

The people of the small manorial village in Upper Lusatia, Germany, then containing of around 50 houses, were mostly rooted to the soil. They were mainly gardeners and farmers, and some worked as craftsmen. At least there was a school in the village. But, at that time, no one could know that the little Sorbian boy, who lost his father at the early age of two, would later become well-known after his journey into the High Arctic, in which he took part as an Inuktitut translator on behalf of the British Admiralty.

Church of Groeditz - Photo: – © Wolfgang Opel
Church of Groeditz – © Wolfgang Opel

33 years later, on August 21, 1850, Miertsching was beyond the Arctic circle and wrote in his diary: “Strong north wind, we sailed quickly… passed Flaxmans Island, saw people and tents there, came close to Pelly Island which is located near the mouth of the Mackenzie River at the evening; anchored at an ice floe… I was able to celebrate my birthday today very quietly. In the evening, two very pleasant hours in my cabin with Mr. Piers and Farquarson.”

Mackenzie Delta – © Wolfgang Opel
Mackenzie Delta – © Wolfgang Opel

In search for Franklin’s lost expedition and the Northwest passage, HMS investigator had sailed from the West into the polar seas and had reached the Mackenzie Delta. However, Miertsching did not suspect at this time that he would have to spend four more birthdays in the Arctic …

More about Miertsching’s life and his Arctic trip will follow in course of time on this blog.

posted by Mechtild Opel on August 22, 2012

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Ein Sorbe in der Arktis

reblogged vom 21. August 2012 – Here is an English version

Am 21. August 1817, heute vor genau 195 Jahren, wurde Johann August Miertsching in Gröditz, das damals noch Hrodzischczo (später Hrodźišćo) hieß, geboren.

Gröditz, Dorfmitte
Gröditz, Dorfmitte

Die Menschen in dem kleinen Gutsdorf in der Oberlausitz, in dem damals um die 50 Häuser standen, waren zumeist bodenständig. Sie betrieben vor allem Garten- und Landwirtschaft, und manche arbeiteten als Handwerker. Immerhin gab es im Ort eine Schule. Aber damals ahnte niemand, dass der kleine Sorbenjunge, der dann schon als zweijähriger seinen Vater verlor, später durch eine Reise in die Hocharktis bekannt werden sollte, an der er im Auftrag der britischen Admiralität als Inuktitut-Übersetzer teilnahm.

Johann August Miertsching
Johann August Miertsching in einer zeitgenössischen Darstellung

33 Jahre später, am 21. August 1850, befand Miertsching sich jenseits des Polarkreises und schrieb in seinem Tagebuch: „Starcker Nordwind, wir segelten schnell … passierten Flaxmans Island, sahen auf derselben Menschen und Zelte, kamen gegen Abend nahe an Pelly Island welche am Ausfluss des Mackenzie-Flusses liegt; gingen vor Ancker an einer Eisscholle … Meinen Geburtstag konnte ich heute so recht in der Stille feiern. Abends zwei recht angenehme Stunden in meiner Kajüte, mit Mr. Piers und Farquarson.“

Die HMS Investigator war auf der Suche nach Franklins verschollener Expedition und nach der Nordwestpassage vom Westen her in das Polarmeer gesegelt und hatte dort das Mackenzie-Delta erreicht. Miertsching ahnte damals allerdings nicht, dass er noch vier weitere Geburtstage in der Arktis verbringen würde …

Alaska und das Mackenzie-Delta in Kanada
Alaska und das Mackenzie-Delta in Kanada – Kartenwerk

Mehr über Miertschings Leben und seine Arktisreise wird auf diesem Blog noch folgen.

posted by Mechtild Opel am 21. August 2012

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Ostern in Nunatsiavut (Labrador)

reblogged vom 19. April 2014

Früher war das Osterfest einer der Höhepunkte im Jahresablauf der Inuit in Labrador; hier traf man noch einmal zu den Festlichkeiten der “Moravian Church” zusammen, bevor die Familien wieder in die Jagdcamps zogen.

Das Emblem der Moravian Church - Photo: JJackman, Wikipedia
Das Emblem der Moravian Church – Photo: JJackman, Wikipedia

Die Feierlichkeiten begannen bereits am Gründonnerstag mit der Abendmahlsfeier. Noch bevor am Ostersonntag die Kirchenglocken läuteten, spielte früh am Morgen die Blaskapelle in festlicher Kleidung kirchliche Hymnen, manchmal vom Dach der Kirche aus, bevor sie dann durch die Siedlung zog.

Die Blaskapelle von Hopedale, 1919

Die Missionare der Herrnhuter Brüdergemeine, die im 18. Jahrhundert nach Labrador kamen, brachten die Instrumente und die Noten aus Deutschland mit – nicht nur Kirchenlieder, sondern auch Bach, Haydn, Händel und Vivaldi – siehe unser Kanada-Länderporträt.

Musiker und Chor in Nain, ca 1880

Teile dieser Musiktradition haben sich noch in der älteren Generation der Inuit erhalten und wurden in den letzten Jahren wiederbelebt, so dass auch heute wieder junge Leute zu Ostern in der traditionellen Festkleidung in Chor und Blaskapelle die Herrnhuter Kirchenmusik intonieren, wie auch Nigel Markhams Film “Till we meet again” zeigt.

Doch in Nunatsiavut werden auch andere Osterbräuche praktiziert. Im Buch “Arctic Twighlight” kann man nachlesen, wie Leonard Budgell in den 1940er Jahren in Hebron zu Ostern an Schlittenwettrennen teilnimmt; auch der Missionar Gerhard J. Vollprecht berichtete 1959 von einem Schlittenrennen zu Ostern, und dieser Tage finden in Makkovik die alljährlichen “Easter Games” statt, wo beim “Labrathon” Fähigkeiten zum Jagen, Fallenstellen und Überleben in der Wildnis unter Beweis gestellt werden; auch gibt es Hundeschlittenrennen, ein Schneeskulpturenwettbewerb und andere sportliche Spiele für Kinder und Erwachsene.

Flagge von Nunatsiavut
Flagge von Nunatsiavut

Ob die Missionare aus Deutschland, von denen einige auch Sorben waren, den Brauch des Färbens und Verzierens von Ostereiern nach Labrador mitbringen wollten, ist nicht überliefert; es wäre jedenfalls am Mangel an Eiern zu dieser Jahreszeit in diesem Klima gescheitert. Bei uns in Deutschland werden in vielen Familien immer noch Ostereier von Hand gefärbt und manche davon in der Tradition der Lausitzer Sorben wunderschön verziert.

Sorbische Ostereier
Sorbische Ostereier

Mit diesen bunten sorbischen Ostereiern wünschen wir allen Lesern des Blogs ein frohes Osterfest.

posted by Mechtild Opel am 19. April 2014

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