Ballonfahrer: Andrée – Wegener – Pückler

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Gestern hörten wir den überaus interessanten online-Vortrag von Birgit Lutz in der Reihe Arktischer Mittwoch über die Ballonfahrt von Ingenieur Salomon August Andrée und seinen Gefährten im Jahre 1897. Sie begann auf Spitzbergens Insel Danskøya, sollte zum Nordpol und weiter nach Sibirien gehen, endete jedoch nach 66 Stunden irgendwo auf dem Eis; die Verunglückten schafften es bis nach Kvitøya, der „Weißen Insel“, wo sie zu Tode kamen. Gleich zu Beginn des Vortrags fielen mir spontan zwei andere berühmte Ballonfahrer ein.

Denkmal für Andrees Expedition auf Danskøya
Denkmal für Andrées Expedition auf Danskøya

Da war der später berühmte Polarforscher Alfred T. Wegener, der mit seiner Theorie der Kontinentalverschiebung die Grundlage für das Modell der Plattentektonik schuf, damit jedoch erst nach seinem Tod Anerkennung und Bestätigung fand.

Büste von Alfred T. Wegener im AWI
Büste von A.T. Wegener im AWI

Neun Jahre nach Andrée, am 5. April 1906, stiegen Alfred und sein Bruder Kurt Wegener, damals Assistenten am Königlich-Preußischen Aeronautischen Observatorium Lindenberg bei Beeskow, in Reinickendorf bei Berlin zu einer denkwürdigen Ballonfahrt auf. Der Ballon war mit 1200 m3 Wasserstoff gefüllt. Sie wollten meteorologische Daten aus der höheren Atmosphäre gewinnen und überprüfen, wie man in der Nacht astrononomische Ortsbestimmungen vornehmen kann. Nach einer 52-stündigen Fahrt kamen sie am 7. April 1906 bei Laufach im Landkreis Aschaffenburg wieder auf den Boden und stellten damit einen Rekord im Dauerflug auf. Dieser galt damals – weil man Andrées Ergebnis noch nicht wissen konnte, da dessen Expedition verschollen war – als Weltrekord.


Im Alfred-Wegener-Museum in Zechlinerhütte bei Berlin kann man das Original des aus Weidenruten geflochtenen Ballon-Korbes besichtigen.

Ballonkorb
Ballonkorb von 1906
Alfred-Wegener-Museum Zechliner Hütte

Der andere Ballonfahrer, ein betuchter und damals prominenter Mann, unternahm eine ziemlich abenteuerliche Fahrt bereits im Jahre 1816. Allerdings in professioneller Begleitung des berühmten Luftfahrtpioniers Gottfried Reichard, der 1810 als zweiter deutscher Ballonfahrer in die Geschichte einging und damals bereits auf sechs Fahrten in den hohen Lüften Erfahrungen gesammelt hatte; seine Frau Wilhelmine (Minna) war übrigens 1811 die erste deutsche Ballonfahrerin.

Luftfahrtpioniere Wilhelmine und Gottfried Reichard
Wilhelmine und Gottfried Reichard
Fotos von Adolph Friedrich Kunike

Der Abenteurer ließ sich das Vergnügen 600 Reichsthaler kosten, startete vor großem Publikum in Berlin am Gendarmenmarkt und stieg weit über drohende Wolkengebilde auf. Sie landeten schließlich nach Anbruch der Dämmerung in der Nähe von Potsdam auf einer großen Fichte – so sein eigener Bericht. Es war Hermann von Pückler-Muskau, ein sehr widersprüchlicher Mensch, zum einen ein verwöhnter Lebemann, der Verrücktheiten bis zum Übermut trieb; zum anderen Aufklärer, Anhänger und Förderer liberaler und demokratischer Ideen, jedenfalls aber ein scharfsinniger, aufgeschlossener, gerechtigkeitsliebender Mensch, Buchautor und bahnbrechender Park- und Landschaftsgestalter.

Heute jährt sich übrigens zum 150. Mal sein Todestag!

Pückler - Zeichnung von Moritz Michel Daffinger
Hermann von Pückler-Muskau
Zeichnung von Moritz Michel Daffinger
Pückler - Bücher von und über ihn
Pückler – Bücher von und über ihn
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