Ein neues Buch von Michael Engelhard
Der kleine Ort Nome in Alaska begeht in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag. Wer sich für Geschichte – und besonders für die des Nordens – interessiert, hat den Namen schon gehört: ob im Zusammenhang mit Goldgräbern, Polarreisenden wie Roald Amundsen, Hundeschlittenrennen oder den auf beiden Seiten der Beringstraße lebenden indigenen Völkern. Doch nur wenige wissen mehr darüber, als was man durch historische Postkarten, aus Reiseberichten und Abenteuerbüchern erfahren kann. Nome ist so abgelegen, dass man es wohl selten touristisch aufsuchen wird, ganz besonders in diesen aktuell politisch schwierigen Zeiten.

Dass man sich jetzt dennoch mit den vielseitigen und weitreichenden Aspekten Nomes, der Landschaft, der Geschichte und den Menschen dort vertraut machen kann, verdanken wir dem neuen Buch von Michael Engelhard: „No Place like Nome“.

Engelhard, studierter Anthropologe, erfolgreicher Autor und viele Jahre als Wildnis-Guide tätig, hat selbst mehrere Jahre dort gelebt und kennt daher vieles Nome Betreffendes aus der Nähe und im Detail. Das bisher nur in englisch verfügbare Buch umfasst die Kapitel: The Place, Personalities, Art and Industries, Journeys, und ist ein interessantes und teilweise spannend zu lesendes Sachbuch, das reichhaltig illustriert ist.

Es ist schwer, aus dem umfangreich Erzähltem einzelne Highlights hervorzuheben. Mir hat besonders gefallen, dass der historische Bogen weit gespannt ist, von der frühen Besiedlung Alaskas vor ungefähr dreizehntausend Jahren über Georg Wilhelm Steller, James Cook, Goldsucher und sogar frühe Filmleute, wie dem aus Preußen eingewanderten Piloten und Fotografen Frank E. Kleinschmidt, bis zum Kalten Krieg und heute.

Auch diese abgelegene Ecke Nordamerikas wurde natürlich von Missionaren und Priestern aufgesucht, meist nicht zum Vorteil der indigenen Bevölkerung. Der negative Einfluss von Goldsuchern und ihren Begleiterscheinungen war aber mit Sicherheit größer. Über indigene Künstler und die Bearbeitung von Walross-Elfenbein, aber auch von fossilen Mammutstoßzähnen erzählt Michael Engelhard ausführlich, mitfühlend aber auch kritisch. So etwa, wenn Gesetze zum Schutz der Tiere und des fossilen Elfenbeins umgangen werden, weil dafür u.a. in China horrende Preise gezahlt werden. Die Geschichten um Alaskas Jade, die mythische Bedeutung und ihre Bearbeitung und Vermarktung waren mir bisher unbekannt. Danke dafür!

Im letzten Kapitel erzählt Engelhard unter anderem von wagemutigen Überquerern der Datumsgrenze zwischen Alaska und Sibirien und von seltsamen Radfahrern, die sich nicht von Kälte und wilden Tieren abhalten lassen wollten, die Tundra Richtung Nome zu bewältigen.

Amundsens „Gjoa“ in Alaska, 1906
Es muss noch erwähnt werden, dass das Problem des tauenden Permafrosts längst auch Nome erreicht und bedroht hat. Schon seit einiger Zeit sind Wissenschaftler vom Alfred-Wegener-Institut auch in dieser Region forschend tätig. Und dass der Sorbe Johann August Miertsching 1850 hier in der Nähe auf HMS Investigator in Richtung Nordwestpassage vorbei gesegelt war, sei nur am Rande ergänzt.

Engelhards Buch „No Place like Nome“ wäre dringend eine deutsche Ausgabe zu wünschen, nicht nur wegen der Verweise auf deutsche bzw. deutschstämmige Entdecker, Reisende und Einwanderer. Was der Fußballer Mario Götze allerdings mit Nome zu tun hat, wird der interessierte Leser selbst herausfinden!
Das lesenswerte Buch ist bei Corax Books erschienen, hat 306 Seiten und ist u.a. bei Buch 7 broschiert und als Download zu erwerben.
