Erneut auf der Suche nach dem Nordpol

Vor 150 Jahren, am 15.6.1869 startete die Zweite Deutsche Nordpolar-Expedition. Unter reger Anteilnahme der Angehörigen und der Bevölkerung verließen die Schiffe Germania und Hansa Bremerhaven in Richtung Arktis. Einmal mehr war der bis dahin unerreichte Nordpol das Ziel – nachdem die Expedition im Jahr zuvor an widrigen Eisbedingungen im Osten Grönlands gescheitert war und umkehren musste.

Auslaufen der Schiffe Germania und Hansa – Holzstich nach Carl Fedeler
Auslaufen der Schiffe Germania und Hansa zur Zweiten Deutschen Polarexpedition 1869 von Bremerhaven – Holzstich nach Carl Fedeler

Spiritus Rector der deutschen Aktivitäten in der Arktis war der bekannte Geograf August Petermann aus Gotha, der endgültig die Frage klären wollte, ob sich der geografische Nordpol in einem eisfreien Meer befindet, das nach der Durchquerung eines Packeisgürtels erreicht werden könnte. Petermann war weder der erste noch der letzte Wissenschaftler oder Seefahrer, der die Möglichkeit eines eisfreien Polarmeeres vertrat.

Ersttagsbrief zum Gedenken an die 2. Deutsche Nordpolarexpedition
Ersttagsbrief zum Gedenken an die 2. Deutsche Nordpolarexpedition

Zum Expeditionsleiter wurde wieder Carl Koldewey ernannt, der gleichzeitig Kapitän der Germania war. Paul Hegemann diente als Kapitän der Hansa. Unter den Teilnehmern befanden sich die später berühmt gewordenen Arktisreisenden Julius Payer und Wilhelm Bade.

Teilnehmer der Zweiten Deutschen Nordpolar-Expedition
Petermann (Mitte) und Teilnehmer der Zweiten Deutschen Nordpolar-Expedition

Petermann hatte die Arktis-Expeditionen der Vergangenheit aufmerksam studiert und wollte unbedingt den Erfolg seiner Expedition in alle Richtungen absichern. Da man mit dem Kontakt zu Inuit rechnete, sollte ein sprach- und arktiskundiger Übersetzer gewonnen werden. Best geeignet erschien dafür Johann August Miertsching, der an der Suche nach der verschwundenen Franklin-Expedition beteiligt war und dabei seine Sprachkenntnisse erfolgreich bewiesen hatte. Die Nachfrage bei der Herrnhuter Brüdergemeine, zu der Miertsching gehörte, wurde jedoch abschlägig beschieden, da er in Südafrika tätig und dort unabkömmlich sei.

Die Herrnhuter Mission in Genadendal
Die Herrnhuter Mission in Genadendal, Südafrika
Zeichnung von George French Angas, ca. 1849

Die Schiffe erreichten Mitte Juli das Packeis vor Ostgrönland, doch verloren sie hier den Kontakt zueinander. Die Hansa blieb im Eis stecken und driftete mit dem Ostgrönlandstrom nach Süden. Nachdem das Schiff am 23. Oktober – vom Eis zerstört – gesunken war, begann für die Besatzung die Odyssee einer 200tägigen Drift auf einer immer kleiner werdenden Eisscholle entlang der grönländischen Küste. Über diese ungewöhnliche „Reise“ und ihre dramatischen Momente kann man u.a. in den Tagebüchern von Paul Hegemann und Wilhelm Bade nachlesen (mehr hierzu bietet das Buch von Krause “Zweihundert Tage im Packeis“). Wilhelm Bade wurde später als “Erfinder” des Spitzbergen-Tourismus bekannt.

Die Hansa, vom Eis zerdrückt
Die Hansa, vom Eis zerdrückt

Als die Eisscholle immer kleiner wurde, wechselten die Seeleute in ihre auf das Eis geretteten Beiboote und erreichten am 13. Juni 1870 eine bewohnte Siedlung ganz im Süden von Grönland. Zu ihrer Überraschung trafen sie dort auf Missionare der Herrnhuter Brüdergemeine in ihrer Station Friedrichsthal (heute Narsarmijit), die sie freudestrahlend auf Deutsch begrüßten und zuvorkommend bewirteten, wie sie später in ihren Briefen nach Herrnhut berichteten.

Die Ankunft der Boote in Friedrichthal
Die Ankunft der Boote in Friedrichtal, heute Narsarmijit
Narsarmijit heute
Narsarmijit heute, Foto: Awewewe

Mit Hilfe der Missionare erreichten sie letztendlich ein Schiff, das sie wieder nach Deutschland zurück brachte. Die Reise der Germania verlief im Gegensatz zu der der Hansa erfolgreich, obwohl auch Koldewey nicht einmal in die Nähe des Nordpols gelangte. Bei einer Schlittenexpedition kam er gemeinsam mit Payer bis 77,1° N. Das war der bis dahin nördlichste erreichte Punkt an der Küste Ostgrönlands. Die Fragestellung Petermanns, ob es einen eisfreien Nordpol gäbe, konnte auch bei dieser Expedition nicht abschließend geklärt werden.

Das Teufelsschloss am Kaiser Franz Josef Fjord
Das “Teufelsschloss” am Kaiser-Franz-Josef-Fjord – bis hierhin gelangte die Germania

Über Julius Payer, der bald darauf Franz-Josef-Land mit-entdeckte und später ein berühmter Maler wurde, wird es in Kürze auf diesem Blog mehr zu lesen geben.

posted by Wolfgang Opel am 15.6.2019

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2 Antworten zu Erneut auf der Suche nach dem Nordpol

  1. sEvenbites sagt:

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