Cresswells Passage

Alle reden von der Nordwestpassage – warum redet keiner von Samuel Gurney Cresswell?

reblogged/bearbeitet vom 14. August 2017

In aller Frühe, morgens um 5 Uhr, wurde John Barrow Jr. aus dem Schlaf gerissen. Es war am Freitag, dem 7. Oktober 1853. Barrow war als Sekretär der Admiralität in London zuständig für die Suche nach der verschollenen Franklin-Expedition. Was er nun zu hören bekam, brachte zwar kein Licht in den Verbleib Franklins und seiner Schiffe, war aber trotzdem absolut aufregend – denn er erfuhr, dass das lebenslange Ziel seines vor fünf Jahren verstorbenen Vaters endlich erreicht worden war.

Samuel Gurney Cresswell 1853, Illustrated London News
Porträt von Samuel Gurney Cresswell nach seiner Ankunft in London 1853, Illustrated London News

Über Jahrzehnte hatte Sir John Barrow (Senior), Mitglied der Royal Society und Ständiger Sekretär der Admiralität, Expeditionen zur Suche nach einem möglichen Seeweg vom Atlantik zum Pazifik im nordwestlicher Richtung – der sogenannten Nordwestpassage – ausgesandt. Bei den berühmten Polarreisen von John Ross, Edward Parry, James Clark Ross und John Franklin wurden zuvor völlig unbekannte arktische Küsten und Inseln erreicht und kartiert. Doch noch immer gab es zu viele weiße Flecken, die Passage war nicht gefunden, und Franklins letzte Expedition, 1845 gestartet, war seit Jahren verschollen.

Anblick von Melville Island – Grafik von S.G. Cresswell
Der Anblick von Melville Island, bereits 1819 durch Parry vom Osten her erreicht, bestätigt das Finden der letzten „fehlenden Verbindung“ zu einer Nordwestpassage – Grafik von S.G. Cresswell

Der 26 Jahre junge Mann, der nun vor John Barrow Junior stand, hatte drei strapaziöse Winter im Eis der Arktis hinter sich und nichts Geringeres vollbracht als erstmals die legendäre „Nordwestpassage“ – teils zu Fuß – zu bewältigen. Samuel Gurney Cresswell, zweiter Offizier von HMS Investigator, hatte seinen schwer erkrankten Kameraden, den Maat Robert Wyniatt, heim nach England geleitet und übergab nun den Bericht seines Kapitäns McClure. Cresswell und Wyniatt waren somit die ersten Europäer, die ganz Amerika umrundet und das Polarmeer komplett durchquert hatten – und zwar von West (Alaska) nach Ost (Baffin Island) und schließlich zurück nach London.

Cresswells Weg von West nach Ost durch das Polarmeer
Cresswells Weg von West nach Ost durch das Polarmeer

Die Nordwestpassage, von der zuvor unklar war, ob sie tatsächlich existiert, war endlich gefunden worden – oder besser, ein letztes fehlendes Glied, das ihre Existenz bewies: eine Wasserstraße, der das bekannte Gewässer vor Melville Island, das bereits 1819 vom Osten her durch Kapitän Parry befahren wurde, mit schon kartierten Küstenverläufen im Westen Nordamerikas verband. Die Verbindung wurde im Oktober 1850 von Cresswells Kapitän McClure entdeckt, als seine HMS Investigator – eines der zur Suche nach Franklin ausgesendeten Schiffe – in der Meerenge zwischen zwei großen Landmassen überwintern musste. Sie erhielt den Namen „Prince of Wales Strait„.

HMS Investigator im Packeis – Grafik von S.G. Cresswell
HMS Investigator im Packeis – Grafik von S.G. Cresswell

Infolge widriger Umstände blieb schließlich die Investigator im Norden von Banks Island im Eis gefangen, und nach dem dritten arktischen Winter mit Hunger und Kälte war die Mannschaft dem bereits fast sicheren Tode nahe, als sie im Frühjahr 1853 schließlich von den Crewmitgliedern eines weiteren Rettungsschiffes gefunden wurde. Damals brachte Cresswell gemeinsam mit Miertsching auf einem über zwei Wochen langen Marsch über das Eis 25 zumeist an Skorbut erkrankten Seeleute zu den rettenden, obwohl ebenfalls im Eis feststeckenden Schiffen HMS Resolute und HMS Intrepid bei Dealy Island (im Südosten von Melville Island).

HMS Investigator wird verlassen – Grafik von S.G. Cresswell
HMS Investigator wird verlassen – Grafik von S.G. Cresswell

Von dort wurde Cresswell nach London gesandt, um die Nachricht vom Auffinden der Passage zu überbringen. Nach einem vierwöchigen Marsch übers Eis erreichte er Beechey Island, von wo er später mit dem Schiff Phoenix nach Thurso in Schottland segelte. 53 weitere Reisestunden brachten ihn schließlich nach London – diesmal auf Rädern: damals verkehrte bereits eine Eisenbahn zwischen Edinburgh und der Hauptstadt.

Mit Lastschlitten durch das Packeis – Grafik von S.G. Cresswell
Mit Lastschlitten durch das Packeis – Grafik von S.G. Cresswell

Cresswell hatte Erfahrungen mit Fußmärschen in der Arktis. Er hatte 1850 und 1851 von Bord der Investigator aus mehrwöchige Expeditionen mit Lastschlitten durchgeführt, um Küstenverläufe von Banks Island zu erkunden. Was jedoch der insgesamt 750 Kilometer lange Gewaltmarsch über das Packeis von Banks Island im Westen nach Beechey Island im Osten dem nunmehr längst unter den Folgen von Mangelernährung leidenden jungen Offizier abverlangte, ist heute kaum noch vorstellbar.

Beechey Island
Eine Bucht bei Beechey Island vor der Küste Devon Islands bot den Briten einen sicheren Hafen
Grabmal von Thomas Morgan auf Beechey Island
Grabmal von Thomas Morgan (HMS Investigator), der es nicht mehr heim nach England schaffte, auf Beechey Island

Nach seiner Ankunft in England wurde Cresswell enthusiastisch gefeiert. In seiner Heimatstadt King’s Lynn fand ein Empfang statt, auf dem der ruhmreiche 62jährige Admiral Edward Parry – der 1819 mit den Schiffen Hecla und Griper bereits die Hälfte der Nordwestpassage bis hin zur heutigen McClure Strait befahren hatte – eine Laudatio zu Ehren Cresswells und der anderen mutigen Arktiserforscher hielt.

laudatio Cresswell King's Lynn - Illustrated London News
Empfang für Cresswell in seiner Heimatstadt King’s Lynn – Illustrated London News

Samuel Gurney Cresswell, der erste Durchquerer der kompletten Nordwestpassage – wenn auch in Teilen nicht per Schiff, sondern zu Fuß, was eine vielleicht noch größere persönliche Leistung darstellt – starb vor genau 152 Jahren, am 14. August 1867, im Alter von nur 39 Jahren. Offenbar hatten die Strapazen der fast vierjährigen Arktisreise seine Gesundheit unterminiert. Doch sein Vermächtnis lebt fort – nicht zuletzt in seinen wunderbaren und berühmten Zeichnungen, die bis heute zahlreiche Bücher und Artikel zur Erforschung der Arktis illustrieren.

Kritische Position von HMS Investigator im Eis – Grafik von S.G. Cresswell
Kritische Position von HMS Investigator im Eis – Grafik von S.G. Cresswell

Nachtrag vom August 2022: Wir freuen uns sehr, dass unser Buch „Weil ich ein Inuk bin. Johann August Miertsching – ein Lebensbild“ im Sommer 2022 im Berliner Lukas Verlag erschienen ist.

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Vor 166 Jahren: Warten auf den Eisaufbruch

reblogged/neubearbeitet vom August 2013

Kein Jahr ist wie das andere. Wo in einem Jahr die Durchfahrt durch das Polarmeer einfach war, kann sie im nächsten unmöglich sein. Selbst mit der heutigen überdurchschnittlichen Erwärmung der Arktis und der extremen Abnahme der Eisbedeckung kann – insbesondere im kanadischen Archipel – die Schiffahrt durch die Eissituation örtlich stark behindert werden. Wind und Meeresströmungen bewirken die Konzentration von Treibeis inbesondere in schmaleren Wasserstraßen und zwischen den Inseln; Voraussagen sind schwer zu treffen.

Eiskarte August 2019
Eiskarte August 2019 – Grafik: Courtesy of CIS, Environment Canada

Schon so manche Segeljachten warteten in vergangenen Jahren ungeduldig vor der Bellot Strait oder anderswo auf den Eisaufbruch, um ihr Ziel – das Passieren der „Nordwestpassage“ – erreichen zu können; oft jedoch vergebens! Insbesondere für kleinere Segelschiffe und Ruderboote kann eine stärkere Eisbedeckung ein unüberwindbares Hindernis darstellen. Noch ist die übliche Saison der Eisschmelze nicht vorüber, doch deutet vieles darauf hin, dass in diesem Sommer ein neuer Minimalrekord erreicht wird – das mag gut für die sportlich-ehrgeizigen Ziele der Segler sein, es ist katastrophal für den Rest der Welt.

Treibeisfelder: Überall Eis
Treibeisfelder: Überall Eis

Vor 166 Jahren, im Sommer 1853, warteten auch die Geretteten von der im Eis aufgegebenen HMS Investigator sehnlichst auf den Aufbruch des Eises. Sie waren mittlerweile in Sicherheit, bei Dealy Island südlich von Melville Island in der westlichen Arktis, an Bord der (noch immer im Winterquartier festgefrorenen) Rettungsschiffe HMS Resolute und HMS Intrepid. Nachdem sie drei Winter lang in der Arktis zugebracht und dabei Hunger, Kälte und Krankheit durchgestanden hatten, wollten sie aber sehnlichst zurück nach England!

Sportspiele der Schiffsmannschaften - G. McDougall
Sportspiele der Schiffsmannschaften – zeitgenössische Grafik von G. McDougall

Die Schiffe waren längst segelfertig, alles war vorbereitet, aber das Eis regte sich nicht. Die Männer lenkten sich mit Sportspielen und Wettkämpfen an Land ab. Doch dann änderte sich das Wetter:

„18. August. Ein starker Wind wurde zu einem starken Sturm; … die unübersehbare Eisfläche wurde in wenigen Stunden in Stücke zerbrochen … das Steuerruder der Resolute und zwei kleine Boote von der Intrepid wurden … zertrümmert. Gegen Abend ließ der Sturm nach, und beide Schiffe saßen unbeweglich fest in den Eisschollen.“
„19. August. Mit dem Eis ostwärts getrieben. Beide Schiffe sind so mit Eisstücken umlagert, dass weder Segel noch Dampfmaschine zu brauchen sind.“
„21. August. Beide Schiffe liegen noch hülflos mit Eis umlagert und treiben mit demselben langsam nach Ost. Wir sind soweit entfernt vom Lande, dass wir dasselbe nicht sehen können. – Meinen vierten Geburtstag in diesem Eismeer verbrachte ich ganz in der Stille …“

Als Johann August Miertsching aus Gröditz in Sachsen, aus dessen Tagebuch diese Zitate stammen, im Januar 1850 seine Reise antrat, hätte er wohl kaum erwartet, dass er nach vier Jahren noch immer nicht zurückgekehrt sein würde. Die britische Admiralität hatte ihn als Übersetzer für Inuktitut, die Sprache der Inuit (oder „Eskimo“, wie man damals sagte), angeheuert. Er nahm an Bord der HMS Investigator an der Suchexpedition teil, die das Schicksal der verschollenen Franklin-Expedition aufklären sollte. –
Doch auch seinen nächsten Geburtstag konnte Miertsching noch nicht zuhause feiern – er musste noch ein weiteres Jahr warten, dafür sorgten schwierige Eisbedingungen; später mehr dazu.

Das Schicksal der verschollenen Franklin-Expedition aufklären soll auch die diesjährige Expedition der Unterwasser-Archäologen von Parks Canada an den Wracks von HMS Erebus und HMS Terror, die demnächst beginnen wird. Bevor diese Wracks 2014 bzw. 2016 aufgespürt wurden, hatten über Jahre hinweg jeweils im kurzen Zeitfenster des arktischen Sommers, wenn die in Frage kommenden Regionen einigermaßen eisfrei waren, Suchexpeditionen stattgefunden. Mithilfe von Seitensonar-Geräten wurde damals der arktische Meeresboden gescannt, sobald Eisbedingungen und Wetter es erlaubten – Streifen für Streifen; gründlich, eintönig, ermüdend – doch lange Zeit ohne jeden Erfolg.

Seitensonar wird aus dem Wasser geholt – Foto Credit: T. Boyer, Parks Canada
Rückblick auf die Suchexpedition 2013: Am Abend des ersten Tages wird das Seitensonar aus dem Wasser geholt – Foto Credit: T. Boyer, Parks Canada
Der Unterwasserarchäologe Ryan Harris 2013  – Foto Credit: Parks Canada
2013: Der Unterwasserarchäologe Ryan Harris arbeitete noch spät in der Nacht, um die Daten des Seitensonars vom arktischen Meeresgrund zu erfassen – Foto Credit: Parks Canada

Nunmehr, 2019, haben die Unterwasserarchäologen ganz andere Aufgaben an den Wracks der Franklin-Expedition durchzuführen – bestimmt nicht eintönig, aber durchaus schwierig und nicht ohne Risiko. Wünschen wir ihnen dafür Glück und gutes Wetter!

Nachtrag vom August 2022: Wir freuen uns sehr, dass unser Buch „Weil ich ein Inuk bin. Johann August Miertsching – ein Lebensbild“ im Sommer 2022 im Berliner Lukas Verlag erschienen ist.

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Nördlich des 49. Breitengrades

Endlich wieder verfügbar: Das Kanada-Länderporträt

In Europa steht der 49. Breitengrad für die südliche Mitte; in der Sicht der Bewohner des amerikanischen Kontinents spricht man aber bereits vom Norden. Es geht um Kanada, ein Land, das uns seit 1996 viel beschäftigt hat und uns sehr am Herzen liegt. Das Ergebnis unserer mehrjährigen Arbeit liegt nun endlich wieder vor – selbstverständlich in einer überarbeiteten, aktualisierten und erweiterten Auflage.

Kanada. Länderporträt. MANA-Verlag
Die neue Auflage des Kanada-Länderporträts

Die Schönheit und Wildheit der kanadischen Natur zieht Kanadier wie auch Reisende aus aller Welt in ihren Bann. Nicht nur die Vielfalt der Landschaftsformen, die klimatischen Besonderheiten und die Möglichkeiten, diese Natur zu erleben, sondern auch die Konfrontationen zwischen Menschen und wilden Tieren, die Bedrohungen für die Tier- und Pflanzenwelt, die Folgen der globalen Erwärmung und die Umweltpolitik sind Gegenstand des ersten Kapitels. Auf über 40 Seiten wird ein illustrierter „kleiner Naturführer“ angeboten. Wir stellen den in Deutschland so gut wie unbekannten David Suzuki, Träger des sogenannten „alternativen Nobelpreises“ vor, und auch die heiß umstrittene Robbenjagd wird diskutiert.

Buckelwal in der Bay of Fundy

Das zweite Kapitel ist der Geschichte und den Kulturen der First Peoples gewidmet: den First Nations (sogenannten „Indianern“), den Métis und den Inuit. Zunächst geht es um die Spuren der ersten Bewohner des Landes, um die Paläo- und archaischen Kulturen und um die Vielfalt der Kulturen der indigenen Völker in den verschiedenen Regionen vor dem Kontakt mit den Europäern.

Diorama im Berringia Centre in Whitehorse, Yukon
Diorama im Berringia Centre in Whitehorse, Yukon

Die Ankunft, Ansiedlung und Ausbreitung der Einwanderer aus Europa behandeln wir im dritten Kapitel – von den Reisen der Wikinger über den Atlantik, den neuzeitlichen Entdeckungsreisen bis zur folgenden Besiedlung und Kolonisierung des Landes unter französischer bzw. britischer Herrschaft. Auch ein Exkurs über die Suche nach der Nordwestpassage ist enthalten. Wir schreiben über die Gründung und Entwicklung des kanadischen Staates, die weitere Erschließung des großen Landes mit ihren Folgen für die Ureinwohner und den Weg Kanadas zu Unabhängigkeit und Demokratie, einschließlich wichtiger geschichtlicher Ereignissen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Ruine der McMichaels Residential School
Die Ruine der McMichaels Residential School in Alert Bay, für ehemalige Schüler ein Ort des Schreckens und der Verzweiflung, wurde 2015 nach
einer »Healing Ceremony« der Kwakwaka‘wakw abgerissen. Vgl. dazu auch unser Beitrag über die Filmemacherin Barb Cranmer.

Wahlen, Parlament und die Besonderheiten des politischen Systems in Kanada sind Gegenstand im Kapitel 4. Neben Wissenswertem über Regierung und Verwaltung, Aspekte der Außenpolitik, Bildung, Wissenschaft und Forschung versuchen wir, das Gesicht des modernen Kanadas zu zeichnen – das Gesicht eines multikulturellen Landes – und einen Einblick in das heutige Leben der indigenen Völker zu geben. Dazu gehören auch Erblasten und Konflikte, etwa die traurigen Folgen der „Residential Schools“, oder die Separatistenbewegung in Quebec – aber auch tatsächliche, großartige Errungenschaften und fantastische Möglichkeiten.

Kanadische Flagge
Human Rights Memorial in Ottawa
Human Rights Memorial in Ottawa

Welche Folgen hat die Ölsandförderung in Alberta? Ist das Zeitalter der Kahlschläge in Kanada vorüber? Diese und weitere Themen sind Gegenstand im Kapitel zur Wirtschaft, das auch die frühen wirtschaftlichen Beziehungen der indigenen Völker einbezieht und die derzeitigen Probleme und Herausforderungen im Visier hat.

Im Finanzdistrikt, Toronto
Im Finanzdistrikt, Toronto

Über Ahornsirup, Hummer und Fastfood, über Vorstadtsiedlungen und ländliche Weihnachtsdekorationen, über Zusammenstöße von Elch und Auto, über Hockey, kanadische Höflichkeit, Nationalstolz und mehr – „Kanadische Lebensart“ ist ein Kapitel, in dem kanadisches Familienleben, Essen und Trinken, Straßenverkehr und Sport, Urteile und Vorurteile aus spezifisch „deutscher Sicht“ betrachtet werden.

Entspannte Kanadier
Entspannte Kanadier in Montréal

Leonard Cohen, Buffy St. Marie, Neil Young, Joni Mitchell, Oscar Peterson, Glenn Gould – sie alle sind Kanadier. Das Land ist nicht nur Heimat vieler international bekannter Musiker, auch Schauspieler wie Donald Sutherland, Jim Carey und Keanu Reeves kommen aus Kanada. Wir bemühen uns, einen Einblick in die Breite und Vielfalt der kanadischen Kulturszene zu liefern, wir würdigen den Beitrag der kanadischen Schriftsteller zur Weltliteratur und werfen einen Blick auf die bildende Kunst und Künstler Kanadas – sowohl die frühe Kunst der indigenen Völker, als auch die wichtigsten Künstler im 19. und 20. Jahrhundert – und auf kanadische Architektur. Perlen der Filmkunst und die kanadische Medienlandschaft finden ihren Platz. Und auch die Darstellende Kunst, einschließlich traditioneller Ausdrucksformen der indigenen Völker, wird behandelt.

Bill Frisell beim Halifax Jazz Festival
Bill Frisell gastiert beim Halifax Jazz Festival
Bill Reids Skulptur "Der Rabe und der erste Mensch"
Bill Reids Skulptur „Der Rabe und der erste Mensch“ im UBC Museum of Anthropology in Vancouver

Was die Ureinwohner, die ersten Siedler und die neuen Einwanderer in das kulturelle Leben des Landes eingebracht haben, führte zu einer außergewöhnlich reichen Vielfalt – in der Literatur, der bildenden und darstellenden Kunst und der Architektur.

Mi'kmaq-Tänzerin
Mi’kmaq-Tänzerin
Künstler-Studio auf Fogo Island
Künstler-Studio auf Fogo Island

Kanada liegt an drei Meeren. Unsere virtuelle Reise im letzten Kapitel führt nicht nur von Ost nach West, sondern auch an die Küsten des Polarmeeres. Wir zeigen Besonderheiten und Schönheiten des zweitgrößten Landes der Erde. Und wir stellen einige der wichtigsten Reiseziele in Kanada vor.

Dempster Highway
Dempster Highway
Saglek Fjord
Wildes, unbekanntes Labrador: Der Saglek Fjord

KANADA – Alles, was Sie über Kanada wissen müssen“ ist in Ihrem lokalen Buchhandel erhältlich, oder direkt beim Verlag.

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„Lost Beneath the Ice“ – HMS Investigator

Vor nunmehr neun Jahren, Ende Juli 2010, wurde das Wrack von HMS Investigator entdeckt. Aus diesem Anlass rebloggen wir diesen Beitrag vom November 2013.

Wir verließen nun am 15. April unser Schiff Investigator und kamen am 2. Mai hier auf den Schiffen Resolute und Intrepid, Capitän Kellet, wohlbehalten an. Wir waren 29 Mann mit 4 Schlitten und 4 Zelten. Auf unserm Investigator hatten wir 2 Jahre lang uns mit sehr knapper Kost begnügen müssen, indem wir täglich nur ⅔ der bestimmten Schiffsportion erhalten konnten, und sind nun sehr froh und dankbar, dass wir uns endlich wieder alle Tage satt essen können.

Das schreibt Johann August Miertsching nach drei entbehrungsreichen Wintern im arktischen Eis, nun gerettet an Bord des Schiffes Resolute, Dealy Island, am 4. Mai 1853, in einem Brief nach Deutschland.

Schlitten verlassen HMS Investigator – S.G. Cresswell
1853: Schlitten verlassen HMS Investigator – Stich/Zeichnung von S.G. Cresswell

Morgen geht von hier ein Schlitten mit dem Doctor nach der Bay of Mercy, um die auf dem Investigator zurückgebliebene Mannschaft aufzusuchen, und vielleicht alle hierherzubringen, in welchem Fall dann das Schiff seinem Schicksal überlassen wird. – Mit dieser Prognose behielt Miertsching recht; das Schiff HMS Investigator, seit zwei Jahren im festen Eis der Mercy Bay eingeschlossen, wurde tatsächlich verlassen und aufgegeben. Mit Ausnahme von fünf Besatzungsmitgliedern, die Unterernährung und Krankheiten nicht überlebt hatten und in der Arktis ihre letzte Ruhestätte fanden, wurde die gesamte Mannschaft gerettet und kehrte später nach England zurück. (Siehe auch Ein Sorbe in der Arktis. Über die Entdeckung der Nordwestpassage informiert auch unser soeben in Neuauflage erschienenes Kanada-Länderporträt.)

2011:  Mercy Bay – Photo: Courtesy of Parks Canada
2011: Expeditionscamp an der Mercy Bay – Photo: Courtesy of Parks Canada

Der letzte historische Bericht über den Zustand des Schiffes stammte aus dem Jahr 1854. Frederic Krabbé, Leutnant der Britischen Admiralität, hatte HMS Investigator im April nochmals aufgesucht, um wichtige an Bord befindliche Gegenstände zu bergen, die man zurückgelassen hatte, als das Schiff im Jahr zuvor in der Mercy Bay im Norden von Banks Island aufgegeben worden war.
Krabbé berichtete, dass Wasser in den Schiffskörper eingedrungen und innen gefroren war; das Schiff hatte sich zwar 10 Grad nach Steuerbord geneigt, jedoch bisher allen Eispressungen standgehalten. Von den noch an Bord vorhandenen Vorräten wurde an der Küste ein Depot zur Nutzung durch künftige Explorer angelegt.

McClure Cache – Photo: Courtesy of Parks Canada
McClure Cache: Archäologen untersuchen das Depot – Photo: Courtesy of Parks Canada

Wahrscheinlich aber war das Schiff bereits kurz darauf gesunken, denn keiner der Forscher, die den Ort im frühen 20. Jahrhundert erreichten, hat es noch sichten können. Die Bucht war ständig von Eis bedeckt. In jüngster Zeit hat sich das infolge der globalen Erwärmung geändert: als im Juli 2010 eine archäologische Expedition von Parks Canada die Mercy Bay – heute Teil des Aulavik National Park – erforschte, war die Eisdecke großenteils aufgebrochen.

Sommer 2011: Mercy Bay – Photo: Courtesy of Parks Canada
Sommer 2011: die Mercy Bay ist fast eisfrei – Photo: Courtesy of Parks Canada

Man ließ ein Schlauchboot zu Wasser, und bereits nach wenigen Minuten waren die Umrisse des gesunkenen Schiffes erkennbar! Das Deck liegt nur acht Meter unter der Wasseroberfläche.

Wrack der HMS Investigator  – Photo: Courtesy of Parks Canada
Wrack der HMS Investigator in der Mercy Bay – Photo: Courtesy of Parks Canada

Über die Reise der HMS Investigator zur Suche nach der verschollenen Franklin-Expedition, die Entdeckung der Nordwestpassage unter Kapitän McClure und über die Wiederentdeckung und Erforschung des Wracks durch die Unterwasserarchäologen von Parks Canada berichtet der Bildband „Lost Beneath the Ice“, der im November 2013 in Ottawa vorgestellt wurde.

Bildband über HMS Investigator – Photo: Courtesy of Parks Canada
Bildband über HMS Investigator – Photo: Courtesy of Parks Canada

Der Text fasst auf 38 Seiten bereits bekannte Informationen kurz zusammen; das reiche historische Bildmaterial verdeutlicht recht anschaulich die Seefahrt in der Arktis mit all ihren Risiken – nicht nur im 19. Jahrhundert; faszinierende Farbfotos geben einen Eindruck vom Zustand des Wracks heute sowie von den gefundenen Artefakten. Sie zeigen auch die grandiose Arbeit des Archäologenteams, das in einem sehr engen Zeitfenster arbeiten musste.

Ryan Harris vor dem Tauchgang – Photo: Courtesy of Parks Canada
Ryan Harris vor dem Tauchgang – Photo: Courtesy of Parks Canada

In einem Interview* erzählte uns der Unterwasserarchäologe Ryan Harris von den aufregenden Tauchgängen – bei Wassertemperaturen zwischen +1 und -2°C – die manchmal bis 3 Uhr morgens andauerten. Jedes der sechs Teammitglieder tauchte vier mal am Tag für 60 bis 70 Minuten. Das günstige Wetter sowie Kerosinheizer in den Arbeitszelten sorgten dafür, dass man anschließend wieder warm werden konnte – und auch der Adrenalinschub, hervorgerufen durch das fast surreale Empfinden, an einem so abgelegenen Ort unter der Mitternachtssonne an einem derart geschichtsträchtigem Objekt zu arbeiten und damit eine emotionale Verbindung zu den Heroen der Vergangenheit zu bekommen – beispielsweise auf gleichen Planken zu stehen wie einst Kapitän McClure. (*Interview mit Ryan Harris über die Erforschung des Wracks der HMS Investigator, unveröffentlichtes Manuskript)

Artifact HMS Investigator – Photo: Courtesy of Parks Canada
Gefunden an Bord des Wracks – ob der gelernte Schuhmacher Miertsching den Schuh reparieren wollte? – Photo: Courtesy of Parks Canada

Wir hoffen, dass die Unterwasserarchäologen von Parks Canada bald wieder Gelegenheit bekommen, zum Wrack von HMS Investigator zurückzukehren!

Taucher am Wrack der Investigator – Photo: Courtesy of Parks Canada
Taucher am Wrack der Investigator – Photo: Courtesy of Parks Canada

Nachtrag vom August 2022: Wir freuen uns sehr, dass unser Buch „Weil ich ein Inuk bin. Johann August Miertsching – ein Lebensbild“ im Sommer 2022 im Berliner Lukas Verlag erschienen ist.

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Remnants of Northumberland House

reblogged vom Dezember 2012

The wretched remnants of a hut on the remote Arctic Beechey Island bear a proud name: Northumberland House. Since the beginning of the 17th century, this name had stood for the London home of the Percy family, Earls of Northumberland, until it was demolished in 1874.
In Northumberland Avenue which was later created in this area, the Victoria Hotel was one of the largest buildings; today, it is called Northumberland House and serves as a student home for the prestigious London School of Economics. During the summer holidays, it is used as a tourist hotel. This Northumberland House has its own Facebook page with 85 fans. It is located in the heart of London: Trafalgar Square is only 3 minutes away, and Waterloo Place is also within walking distance – the place of the monument of Sir John Franklin, who got lost in the Arctic while searching for the Northwest passage.

Place of the Northumberland House in 18th's century London
Place of the Northumberland House in 18th’s century London

After John Franklin had departed from England to the Arctic with his ships Erebus and Terror in 1845, he spent the first winter in a protected bay near Beechey Island.
This rocky island is situated high in the North of the Arctic archipelago of present-day Canada – beyond the 74th latitude, west of Lancaster Sound, at the Wellington channel in front of Devon Island. From here, Franklin started his last journey in the summer of 1846 – a journey with no return.

On the beach of Beechey Island
On the beach of Beechey Island

During the search expedition six years later, in 1851, the graves of John Torrington, William Braine and John Hartnell were found on Beechey Island: three dead men of Franklin’s unfortunate expedition. Three years later, in 1854, the men of the „HMS Investigator” which had to be abandoned frozen in the ice in the Western Arctic, arrived on Beechey Island after a long walk across the Arctic ice. Here, they spent the summer before they could return to Europe by ship in the Fall. Among them was Johann August Miertsching, who had accompanied the expedition as an interpreter for Inuktitut. On May 4, 1854, Miertsching wrote in his diary:

… There are also three graves, each of them with a black-coated board made of oak timber, with the following inscriptions:
I. „Sacred to the memory of W. Braine, R.M., H.M.S. ‚Erebus‘. Died April 3rd 1846, aged 32 years.“ „Choose ye this day whom you will serve“
II. „Sacred to the memory of Jno. Hartwell, A.B. H.M.S ‚Erebus‘ aged 23 years. – Thus saith the lord of hosts, consider your ways.“
III. „Sacred to the memory of Jno. Torrington, who departed this life Jan 1st, A.D.1846, on board Her Majesty’s Ship ‚Terror‘ aged 20“.

Graves on Beechey Island
Graves on Beechey Island

And right here, on this remote, secluded Island, another „Northumberland House“ was now erected – this time not a magnificent stone building, but rather a simple wooden cottage – if even.
In June 1854, Johann August Miertsching wrote in his diary:

… the carpenters are eagerly busy this time, constructing a wooden house at Beechey Island, which should serve as a comfortable home for 60 men and will be filled with food and other necessary things, in the case of Franklin himself or Collinson should stray here by chance. –
But only a short time after that, on July 20, the House got another temporary dweller. As Miertsching wrote, the Commander of the rescue expedition, Captain Sir Edward Belcher, took possession of the house: „At the opening, the house was christened „Northumberland House“ by Sir E.. But he sent the accompanying crew back to his lost ships, only keeping 6 men with him who are his bodyguards or sentinels and live with him in the house“.

Remnants of Northumberland House
Remnants of Northumberland House, 2012

One can ponder about whether this naming of the wooden house testifies Sir Edward Belcher’s strange sense of humor or if he rather wanted to recall his high position and to demand respect and submission with that. Or maybe just to label a rather uncomfortable place with a familiar name to make it a bit more „homey“?
Not much is left today of the Northumberland House on Beechey Island. Only a few of the boards and beams are still at their original position and a half-height dry stone wall of unknown purpose is standing in front of the remnants of a coal pile.

About Miertsching see also: A Sorb in the Arctic

Zur deutschen Version hier.

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Northumberland House

reblogged vom November 2012

Die kläglichen Überbleibsel einer Hütte auf der entlegenen arktischen Insel Beechey Island tragen einen stolzen Namen: Northumberland House.
Seit Anfang des 17. Jahrhundert stand dieser Name für das Londoner Haus der Familie Percy, Earls von Northumberland, bis es 1874 abgerissen wurde. In der danach in dieser Gegend neu entstandenen Northumberland Avenue war das Victoria Hotel eines der größten Gebäude; heute trägt es den Namen Northumberland House und dient der renommierten London School of Economics als Studentenwohnheim. In den Sommerferien wird es als Touristenhotel genutzt. Dieses Northumberland House hat eine eigene Facebook-Seite mit 85 Fans. Es liegt im Herzen Londons, der Trafalgar Square ist nur 3 Minuten entfernt, und auch der Waterloo Place ist in fußläufiger Entfernung – hier steht das Denkmal für Sir John Franklin, der auf der Suche nach der Nordwestpassage in der Arktis verschollen ist.

Northumberland House – Canaletto
Northumberland House, London, The Strand, 1752 – Gemälde von Canaletto

Nachdem John Franklin 1845 mit seinen Schiffen Erebus und Terror von England in die Arktis aufgebrochen war, verbrachte er den ersten Winter in einer geschützten Bucht bei Beechey Island.
Diese felsige Insel liegt hoch im Norden, im arktischen Archipel des heutigen Kanada – jenseits des 74. Breitengrades, westlich vom Lancaster Sound am Wellington-Kanal vor Devon Island. Von hier aus begann Franklin im Sommer 1846 seine letzte Reise, von der er nie mehr wiederkehren sollte.

Blick auf Beechey Island
Blick auf Beechey Island

Bei einer Suchexpedition wurden sechs Jahre darauf, 1851, auf Beechey Island die Gräber von John Torrington, William Braine und John Hartnell gefunden: drei Tote von Franklins unglücklicher Expedition. Und noch drei Jahre später, 1854, trafen die Männer von der im Eis eingefrorenen „HMS Investigator“ nach einem Fußmarsch über das arktische Eis auf Beechey Island ein. Hier verbrachten sie den Sommer, bevor sie schließlich im Herbst per Schiff nach Europa zurückkehren konnten. Unter ihnen befand sich Johann August Miertsching, der die Expedition als Dolmetscher für Inuktitut begleitet hatte. Am 4. Mai 1854 schrieb Miertsching in sein Tagebuch:
… Auch sind hier drei Gräber, jede mit einer schwarz angestrichenen eichenen Pfoste, auf welchen folgende Schrift ausgeschnitten ist:
I. „Sacred to the memory of W. Braine, R.M., H.M.S. ‚Erebus‘. Died April 3rd 1846, aged 32 years.“ „Choose ye this day whom you will serve“
II. „Sacred to the memory of Jno. Hartwell, A.B. H.M.S ‚Erebus‘ aged 23 years. – Thus saith the lord of hosts, consider your ways.“
III. „Sacred to the memory of Jno. Torrington, who departed this life Jan 1st, A.D.1846, on board Her Majesty’s Ship ‚Terror‘ aged 20“
.

Die Gräber von Braine, Hartnell und Torrington auf Beechey Island
Die Gräber von Braine, Hartnell und Torrington auf Beechey Island

Und ausgerechnet hier, auf dieser weit abgelegenen, einsamen Island entstand nun ein weiteres „Northumberland House“ – jedoch kein prachtvoller Steinbau, sondern ein einfaches Bretterhaus.
In seinem Tagebuch schrieb Johann August Miertsching im Juni 1854: … die Zimmerleute sind in dieser Zeit eifrig beschäftigt auf Beechey Insel ein hölzernes Haus zu bauen, welches als eine bequeme Wohnung für 60 Mann sein soll und mit Proviant und andern nöthigen Dingen angefüllt werden wird, im Falle Franklin oder Collinson sich hierher verirren sollte. –
Doch schon kurze Zeit darauf, am 20. Juli, bekam das Haus zunächst einen anderen Bewohner: Miertsching schreibt, dass der Kommandeur der Rettungsexpedition, Kapitän Sir Edward Belcher, vom Haus Besitz nahm. „Bei der Einweihung dieses Hauses wurde dasselbe von Sir E. „Northumberland House“ genannt. Die mitgekommene Mannschaft schickte er wieder zurück auf seine Schiffe, nur 6 Mann behielt er, welche seine Leibgarde oder Wache sind, und mit ihm in dem Hause wohnen“, kann man bei Miertsching lesen.

Die Reste von Northumberland House auf Beechey Island
Die Reste von Northumberland House auf Beechey Island, 2012

Man kann sich den Kopf darüber zerbrechen, ob diese Namensgebung für das Holzhaus von einem seltsamen Humor Sir Edward Belchers zeugt; oder wollte er damit eher an seine gehobene Position erinnern und Respekt und Unterordnung einfordern? Oder vielleicht einfach nur einen eher ungemütlichen Platz mit einem vertrauten Namen benennen und dadurch etwas „wohnlicher“ machen?
Vom Northumberland House auf Beechey Island ist heute nicht mehr viel übrig. Nur wenige der Bretter und Balken befinden sich noch an ihrer ursprünglichen Position; vor den Resten eines Kohlehaufens steht eine halbhohe Trockenmauer aus Stein, deren Funktion heute nicht mehr erkennbar ist.

Siehe auch: Ein Sorbe in der Arktis

Nachtrag vom August 2022: Wir freuen uns sehr, dass unser Buch „Weil ich ein Inuk bin. Johann August Miertsching – ein Lebensbild“ im Sommer 2022 im Berliner Lukas Verlag erschienen ist.

For an English version, see here.

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Mythos Norden III – Künstler und die Arktis

reblogged – bearbeitet vom Mai 2013

Anfang August des Jahres 1816 lag die russische Brigg Rurik in einer weiten Bucht im Nordwesten Amerikas. Das Schiff unter Kapitän Otto von Kotzebue war auf einer mehrjährigen Weltumsegelung und suchte hier in Russisch-Amerika nach einer Einfahrt in die noch immer nicht entdeckte Nordwest-Passage. Zur Besatzung gehörten auch der Naturforscher und Dichter Adelbert von Chamisso, der Arzt Johann Friedrich von Eschscholtz und der Zeichner und Maler Ludwig Choris (1795-1828). Selbst in dieser abgelegenen, erstmals von Europäern besuchten Gegend war man auf Menschen, Inupiat, getroffen, die von Kotzebue und Chamisso in ihren Berichten beschrieben und von Choris lebensnah porträtiert wurden.

Choris -Bewohner der Kotzebue-Bucht
Ludwig Choris: Bewohner der Kotzebue-Bucht, 1816

Am 7. August ging der Kapitän gemeinsam mit seinen Forschern und einem Leutnant an Land, um den Ostteil der Bucht näher zu untersuchen. Man fand zwei unbewohnte Erdhütten, sammelte Artefakte und ließ im Austausch einige Werkzeuge zurück. Am nächsten Tag machte Dr. Eschscholtz bei der Untersuchung des Ufers eine ungewöhnliche Entdeckung. Choris notierte in seinem Tagebuch:
„Als man weiter spaziren ging am Ufer, bemerckte man, daß dieses von Eis wahr und nur aber paar fuß mit Erde bedeckt ist. Wir gingen alle hir um … Ich habe etwas davon gezeichnet.“

Choris - Eiskeile - Ice wedges
Ludwig Choris: Eiskeile (ice wedges) in der Kotzebue Bucht, 1816

In seiner „Reise um die Welt“, 2012 in einer Prachtausgabe mit 150 farbigen Lithographien von Ludwig Choris erschienen, diskutiert Chamisso die Entstehung dieser „sogenannten Eisberge“ und bestimmt sie als „angeschwemmtes Land“, das „bis zu einer großen Tiefe fest gefroren befunden worden ist“. Chamisso verweist dann auf ähnliche Eisformationen im Lenadelta und an der Mündung des Mackenzie Rivers, wo man ebenfalls wie auch hier im Kotzebue Sound „Überreste urweltlicher Tiere“ finden kann. Die Wissenschaft bezeichnet diese Eisformationen als Eiskeile (ice wedges).

Eiskeile - ice wedges - river Lena delta
Eiskeile im Lenadelta, 2010
Überreste von Mammuts, Oyogos Yar Küste, Laptev Strait
Überreste von Mammuts an der Oyogos Yar Küste, Laptev Strait, Ostsibirien

Die Namen der Entdecker von damals findet man heute auf der Karte Alaskas: Kotzebue Sound, Eschscholtz Bay, Chamisso Island und Choris Peninsula. Die auf der Choris-Halbinsel gefundenen Artefakte werden übrigens auf Grund ihrer spezifischen Eigenschaften einer eigenen Kulturgruppe, der Choris culture (ca. 700 v. u. Z) zugeordnet. Viel Ehre für den damals erst 21jährigen Maler, der danach nie wieder in die Arktis fuhr und im Alter von nur 28 Jahren in Mexiko ermordet wurde.
34 Jahre später, Ende Juli 1850, beginnt genau hier im Kotzebue Sound HMS Investigator unter Kapitän McClure ihre Fahrt in die Arktis, auf der letztendlich nach Jahrhunderten die Nordwest-Passage – siehe auch Kanada-Länderporträt, in neuer Auflage erhältlich ab August 2019 – entdeckt wurde. An Bord der Herrnhuter Missionar Johann August Miertsching als Inuktitut-Übersetzer. Ob Miertsching seinerzeit bereits Chamissos „Reise um die Welt“, die Lithografien von Choris oder sogar die Karrikatur von E.T.A. Hoffmann kannte, ist nicht überliefert.

E.T.A. Hoffmann: Karikatur zu Chamissos Reise
E.T.A. Hoffmann: „Reise zum Nordpol“, Karikatur zur Forschungsreise Chamissos

Ein Künstler, der sich besonders intensiv mit dem Leben in der Arktis auseinandergesetzt hat, ist Rockwell Kent (1882-1971), ein amerikanischer Maler und Grafiker aus Neuengland. Er verbrachte viele Monate in entlegenen Regionen wie in Feuerland, Alaska und sowie mehrfach in Grönland, um zu zeichnen, zu malen und vor allem, um das einfache Leben abseits der Hektik der zivilisierten Welt zu erleben. In hunderten Gemälden, Grafiken, Illustrationen und mehreren Büchern verarbeitete Kent das Erleben der außergewöhnlichen Landschaften Grönlands und das Zusammenleben mit den Inuit.

Rockwell Kent - "Greenland Hunter", 1933
Rockwell Kent – „Greenland Hunter“, 1933
Courtesy of St. Lawrence University (SLU Permanent Collection)

Rockwell Kent pflegte engste Kontakte zu seinen dortigen Nachbarn, den Grönland-Inuit. Wie bei seinen Freunden Rasmussen, Freuchen und anderen Arktisreisenden schloss das Partnerbeziehungen mit ein. Seine Beziehung zu Salamina machte Kent zum Gegenstand und Titel seines wohl bekanntesten Buches.

Rockwell Kent - "Dirty Deborah",
Rockwell Kent – „Dirty Deborah“, 1933
Courtesy of St. Lawrence University (SLU Permanent Collection)

Als Friedensaktivist war Rockwell Kent lange Zeit, besonders in den 1950er Jahren, in der offiziellen US-Gesellschaft nicht gern gesehen. Aus Ärger über diese Situation vermachte Kent viele seiner Gemälde und Grafiken sowjetischen Museen. Erst in den letzten Jahren besinnt man sich in den USA wieder auf die Bedeutung Rockwell Kents, des wichtigsten Realisten in der US-Kunst des 20. Jahrhunderts.

Karrat Fjord, Grönland
Karrat Fjord, Grönland – hier malte Rockwell Kent

Auch heute noch erregen „echte“ Eisberge trotz der ungezählten Darstellungen in Film und Fernsehen Aufmerksamkeit und Interesse der Reisenden. Nicht nur weil von ihnen erhebliche Gefahren für den Schiffsverkehr ausgehen können, sondern vor allem durch die phantastischen Formen und Farben der still dahin treibenden Riesen. Der Amerikaner A.D. Tinkham gehört zu den wenigen zeitgenössischen Malern, die sich immer wieder der Faszination dieser Eisriesen aussetzen. Besonders seine Darstellungen bei ungewöhnlichen Lichtverhältnissen, nachts bei Mondschein, im Nebel oder bei Sonnenauf- und –untergängen vermitteln eine Vorstellung von der Magie der arktischen Landschaften.

A.D. Tinkham, "It is 3am and I am looking southeast"
A.D. Tinkham, „It is 3am and I am looking southeast“, Courtesy of A.D. Tinkham

Hier geht’s zum Teil I und zum Teil II dieses Beitrages.

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Mythos Norden II – Künstler und die Arktis

reblogged/aktualisiert vom April 2013

Bis heute befassen sich Historiker, Enthusiasten und Fans (oft als Franklinistas oder Franklinites bezeichnet) mit dem Schicksal von Sir John Franklin, dem Scheitern seiner Expedition und der Auseinandersetzung darüber, wem denn nun der Ruhm des Entdeckers der Nordwestpassage gebührt. Britische Traditionalisten beharren meist auf Franklin, andere benennen Francis Crozier, Dr. John Rae oder gar Roald Amundsen, der 1903-1905 die Passage erstmals vollständig mit dem Schiff befahren hatte. Die britische Admiralität hatte sich aber schon früh entschieden und Kapitän Sir Robert McClure für die Entdeckung der „Nordwestlichen Durchfahrt“ geehrt, obwohl er sein Schiff, die HMS Investigator, aufgeben musste, als es unwiederbringlich im Eis der Mercy Bay im Norden von Banks Island eingefroren war, wo es später sank.

Cresswell: Die Entdeckung der Nordwestpassage
Samuel Gurney Cresswell: Die Entdeckung der Nordwestpassage

Wem gebührte aber nun wirklich der Ruhm für die erste vollständige Durchquerung der Passage und die erste Umrundung der amerikanischen Kontinente? Es war ein junger Offizier, Leutnant Samuel Gurney Cresswell (1827-1867) von der Investigator, der seinen schwer erkrankten Kameraden, Maat Robert Wynniatt, zurück nach England begleitete und so bereits ein Jahr vor seinen Schiffsgenossen, am 7. Oktober 1853, London erreichte. Dort wurde Cresswell als Held und Bezwinger der Nordwestpassage gefeiert.

Samuel Gurney Cresswell -Illustrated London News
Samuel Gurney Cresswell, Portrat in „Illustrated London News“

Cresswell, der auch offizieller Künstler der HMS Investigator war, hatte während seiner Zeit in der Arktis verschiedene Aquarelle zur Dokumentation der Reise und der Entdeckungen angefertigt. Einige seiner Aquarelle wurden sogar Queen Victoria präsentiert. Nach diesen Aquarellen entstand dann eine Mappe mit acht Lithografien, die wohl bis heute die meist reproduzierten Bilder zur Entdeckungsgeschichte der Nordwestpassage sind!
Besonders ein Blatt ist geradezu eine Ikone zur Thematik „Entdeckung der Arktis“ geworden. Es zeigt, wie die HMS Investigator durch das sich übereinander schiebende Packeis in Schwindel erregende Höhe und Schieflage gehoben wurde und dadurch von vollständiger Zerstörung bedroht war.

Cresswell: HMS Investigator im Eis
Samuel Gurney Cresswell: HMS Investigator im Eis

Ähnliche Darstellungen gibt es auch von Abraham Hondius, einem Holländer, der bereits 1677, also fast 200 Jahre vor Cresswell, ein im Packeis eingeschlossenes Schiff gemalt hatte, und auch von Sir George Back, der 1838 die im Eis eingeschlossene HMS Terror gezeichnet hatte.

Abraham Hondius: Arctic Adventure, 1677
Abraham Hondius: Arctic Adventure, 1677
George Back: HMS Terror
George Back: HMS Terror

Da bis heute keinerlei detaillierten Zeugnisse von der Reise Franklins oder gar Tagebücher der Kapitäne oder Mannschaften gefunden wurden, sind nur wenige Aufenthaltsorte der Expedition sicher und verbindlich verbrieft. Der bekannteste ist Beechey Island. Hier wurden am 23.8.1850 drei Gräber und Überreste eines Winterlagers entdeckt, und so gehört dieser Ort bis heute zum Pflichtprogramm vieler Arktisreisender, also auch von Künstlern, die sich auf die Spuren der verschwundenen Franklin-Expedition begeben.

Gräber auf Beechey Island
Gräber auf Beechey Island
Beechey Island
Beechey Island

Von Maurice Haycock gibt es ein Gemälde, das Beechey Island aus einer ungewohnten Perspektive zeigt und das an einem für die normalen Touristen unerreichbaren Ort entstanden ist. In dieser Ansicht befinden sich die Gräber am rechten Ende der kleinen Landbrücke hinüber zu Beechey Island. Im Hintergrund ist Cape Riley zu sehen, wo 1850 ebenfalls Hinterlassenschaften der Franklinexpedition gefunden worden waren.

Maurice Haycock: Beechey Island from Cape Spencer - copyright K Haycock/K Pittman - www.haycock.ca
Maurice Haycock: Beechey Island from Cape Spencer, 1976, 11″ x 14″, oil on wood panel, copyright K Haycock/K Pittman, www.haycock.ca

Neben den Grafiken von Cresswell gibt es auch eine Serie handkolorierter Glas-Dias, die von Frederik James Cox für die sogenannte Laterna Magica über die Franklin Expedition und die Suche nach den verschwundenen Seeleuten geschaffen wurde. Mittelpunkt waren immer auch die Schwierigkeiten beim Überleben in der Arktis und die Qualen, die die Mannschaften bei der Suche nach Franklins Schiffen erdulden mussten.

Cresswell: Schlitten über Hummocks
Samuel Gurney Cresswell: Schlitten über Hummocks
Glasdia für die Laterna Magica
Glasdia für die Laterna Magica

Nachdem die Expedition unter Sir Francis Leopold McClintock 1859 in einem Steinmal eindeutige schriftliche Beweise für den Tod Franklins entdeckt hatte und weitere Hinweise über das vermutliche Scheitern der gesamten Expedition gefunden wurden, richteten viele nachfolgende Arktis-Expeditionen ihren Schwerpunkt auf die Erforschung der Nordpolregion.
Da genaue Informationen über den Tod Franklins und seiner Leute fehlten, versuchten sich viele Journalisten, Schriftsteller und auch bildende Künstler an Interpretationen des Ablaufes der Ereignisse.
Einer der bekanntesten US-amerikanischen Maler seiner Zeit war Frederic Edwin Church (1826-1900) aus Neu-England. Angeregt durch Alexander von Humboldt begann er zu reisen und fertigte später im Atelier Portraits beeindruckender und bisher so nicht gezeigter Landschaften, zunächst aus Nord- und Südamerika, später auch aus Europa und dem Orient. Die Berichterstattung über die Nordwestpassage und Erzählungen von Walfängern aus seiner Heimat über die Meere des Nordens und besonders die Eislandschaften führten ihn 1859 zu einer Reise in den Nordatlantik zwischen Labrador und Grönland, um Eisberge zu zeichnen. Im Ergebnis dieser Reise entstand 1861 das monumentale Gemälde „Die Eisberge“, das zunächst keine besondere Aufmerksamkeit fand und erst später, 1863, in England verkauft wurde. Das Bild wurde von der Öffentlichkeit schnell vergessen, erst über 100 Jahre später wurde es in einer Internatsschule für Jungen wiederentdeckt und 1979 durch Sotheby’s für 2,5 Millionen US-Dollar verkauft – seinerzeit der höchste jemals erzielte Preis für ein amerikanisches Gemälde.

Frederic Church: Die Eisberge
Frederic Church: Die Eisberge

Der Arktisreisende Julius von Payer, einer der Entdecker von Franz-Josef-Land, betätigte sich nach seiner Zeit als Forschungsreisender als Maler, wo er seine eigenen Erlebnisse auf drei Reisen in die Arktis, aber auch das Geschehen um die verschwundene Franklin-Expedition verarbeitete. Das Gemälde „Starvation Cove“ zeigt einen Eisbären, der im Begriff ist, sich auf eine Gruppe von sterbenden oder bereits toten Seeleuten in einem Bootswrack zu stürzen. Nur am Bug steht ein Mann mit einem Gewehr noch aufrecht und bereit, sich gegen den hungrigen Bären zu verteidigen.

Payer: Starvation Cove
Julius von Payer: Starvation Cove, 1896

Mehr über die Suche nach der Nordwestpassage findet man auch in unserem Kanada-Länderporträt, das schon in wenigen Tagen – Ende Juli 2019 – in neuer Auflage erscheinen wird.

hier gehts zum Teil I dieses Beitrags, hier zum Teil III.

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Mythos Norden I – Künstler und die Arktis

reblogged vom April 2013

Genau vor 500 Jahren studierte ein junger Mann an der Rostocker Universität, dessen später in nur neun Exemplaren gedruckte Carta Marina (1539) mit der Darstellung Nordeuropas, einschließlich Islands und eines Teils von Südgrönland, und der Schrift Beschreibung der Völker des Nordens (1555) bis heute die Gemüter erregen. Erstaunliche korrekte Details in Karte und Schrift werden durch Fantasielandschaften, Fabelwesen und kaum nachprüfbare Geschichten ergänzt, so dass Olaus Magnus von manchen gestrengen Autoren auch als Lügner und Spinner diskreditiert wurde, nicht beachtend, dass Karte und Buch bereits vor fast 500 Jahren entstanden sind. Unter anderem findet man hier eine frühe Darstellung des mit Eis bedeckten Polarmeeres nebst zweier Eisbären, diese zwar nicht nordwestlich, sondern südöstlich von Island angeordnet. Allerdings wird Island bis heute immer mal wieder von Eisbären besucht; so ganz falsch lag Magnus also doch nicht.

Ausschnitt aus der Carta Marina von Olaus Magnus, 1539
Ausschnitt aus der Carta Marina von Olaus Magnus, 1539

Die ersten bildlichen Darstellungen der Arktis und seiner Bewohner stammten also nicht von Künstlern im heutigen Verständnis, sondern von Geografen, Seeleuten oder von Holzschneidern und Kupferstechern, die ihre Illustrationen der Erlebnisse der Reisenden nach dem Hörensagen geschaffen hatten.
Der Brite Martin Frobisher versuchte auf drei Arktisreisen zwischen 1560 und 1578, eine nordwestliche Durchfahrt zu den Schätzen Chinas und Indiens zu finden. In der Beschreibung seiner dritten Reise finden sich unter anderen Bildern auch eine frühe Darstellung von Inuit von Baffin Island, vermutlich nach einer Zeichnung von John White, dem ersten Künstler überhaupt, der Indianer und Inuit zeichnete.

Inuit von Baffin Island, nach Frobishers Reise von 1578
Inuit von Baffin Island, nach Frobishers Reise von 1578

In den folgenden Jahrzehnten gelangten mit den Schiffen von Walfängern und Forschungsreisenden auch einige Inuit, manche davon aus Labrador, mehr oder weniger freiwillig nach Europa. Als unbekannte Wesen aus dem Norden und als Kuriosa wurden sie in Herrscherhäusern, aber auch auf Jahrmärkten präsentiert. Manche von ihnen wurden zu temporären Berühmtheiten, gewöhnten sich schnell an die üblichen Regeln und Sitten, lernten Sprachen und kleideten sich gemäß der angesagten Mode. Adlige und Wissenschaftler bestellten bei bekannten Künstlern Portraits von ihnen, die noch heute in den Museen und Sammlungen zu sehen sind.

Mikak mit ihrem Sohn – Gemälde von John Russell, 1769
Mikak aus Labrador mit ihrem Sohn – John Russell, 1769
"Eskimopaar" - Johann Gottfried Schadow, 1821
„Eskimopaar“ aus Labrador – Zeichnung von Johann Gottfried Schadow, 1821

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Suche nach einer Nordwestpassage nach Asien verstärkt. Die nur bedingt erfolgreichen Expeditionen von John Ross, William Edward Parry und John Franklin zwischen 1818 und 1827 und das erfahrene Leid der Teilnehmer regten die Fantasien der Künstler an. Die Expeditionsberichte wurde in für jene Zeit großen Auflagen verbreitet. Der deutsche Maler Caspar David Friedrich muss wohl solche Berichte gekannt haben. 1824 vollendete er sein Gemälde Das Eismeer, das heute in der Kunsthalle Hamburg zu sehen ist und ein im Packeis zerstörtes und untergehendes Segelschiff zeigt. Im Gegensatz zu anderen seiner Bilder fand das „Eismeer“ nicht das Interesse seiner Landsleute. Das Thema entsprach wohl nicht der Erwartungshaltung des Publikums. Friedrich äußerte sich zu seinem Schaffen: „Der Mahler soll nicht bloß mahlen was er vor sich sieht, sondern auch was er in sich sieht. Sieht er aber nichts in sich so unterlasse er auch zu mahlen was er vor sich sieht.“ In die Arktis musste Friedrich für sein Bild nicht reisen, denn Studien von Eis und den winterlichen Lichtstimmungen konnte man auch an Elbe und Ostsee machen.

Das Eismeer  – Gemälde von Caspar David Friedrich, 1824
Das Eismeer – Gemälde von Caspar David Friedrich, 1824

Anders als bei Friedrichs Zeitgenossen erregen arktische Szenen heute, wohl auch infolge des Klimawandels, das Interesse der Öffentlichkeit: In Oslo treibt seit 2010 eine 12 Meter hohe Skulptur von Monica Bonvicini in der Bucht gegenüber der neuen Oper, die ein direktes Zitat des Bildes von Caspar David Friedrich ist.

"Sie liegt" – Skulptur von Monica Bonvicini, 2010
„Sie liegt“ – Skulptur von Monica Bonvicini, 2010

Im Jahre 1845 begab sich Sir John Franklin mit den Schiffen HMS Erebus und HMS Terror auf die vermeintlich abschließende Expedition zur Entdeckung einer befahrbaren nordwestlichen Durchfahrt nach China. Beide Schiffe verschwanden jedoch im arktischen Archipel. Sir John Franklin und 129 Mann Besatzung wurden nie wieder lebendig gesehen. Die britische Admiralität vertraute auf die Erfahrungen des erprobten Arktisreisenden Franklin und machte sich zunächst keine Sorgen um den Verbleib der Expedition. Als man aber auch drei Jahre später noch nichts wieder von der Expedition gehört hatte, wurde man nervös und sandte die ersten Schiffe zur Suche nach Franklin aus: HMS Enterprise und HMS Investigator unter Sir James Clark Ross.

Carved Rock, Port Leopold – Copyright Jarlath Cunnane
Carved Rock, Port Leopold – Copyright Jarlath Cunnane

Die Suche war ein Fehlschlag, man überwinterte in Port Leopold, einer geschützten Bucht von Somerset Island und kehrte erfolglos nach England zurück. Noch heute kündet ein rostiger zurückgelassener Boiler und ein kleiner Felsen mit der Inschrift „E. I. 1849“ von dieser Überwinterung.

Ross's Old Boiler at Whalers Point
Ross’s Old Boiler at Whalers Point, Port Leopold, Somerset Island – Gemälde von Maurice Haycock, 1972, 11″ x 14″, Öl auf Holz
Copyright K. Haycock/K. Pittman, www.haycock.ca

Maurice Haycock studierte Geologie und verbrachte nach dem Studium mehrere Monate in der Arktis. Dort traf er den Maler A. Y. Jackson, Mitglied der Group of Seven*, einer Vereinigung bedeutender kanadischer Maler des frühen 20. Jahrhunderts, den er in den nächsten Jahrzehnten auf dessen Reisen zum Malen begleitete. Von Jackson gibt es neben seinen Gemälden der arktischen Landschaften unter vielen anderen Skizzen auch eine Zeichnung des Felsens zur Erinnerung an den Aufenthalt von James Ross’s Schiffen in Port Leopold im Winter 1848/1849.
Haycock ist heute wohl der einzige kanadische Künstler, der alle bedeutenden und bekannten Orte in der kanadischen Arktis bereist und dort auch gemalt hat. 1968 errichtete er im Alexandra Fjord auf Ellesmere Island ein Steinmal mit einer Plakette zur Erinnerung an A. Y. Jackson, der 1927 hier in der Nähe auf der gegenüberliegenden Bache Halbinsel, nur wenige hundert Kilometer vom Nordpol entfernt, gemalt hatte.

Steinmal zum Gedenken an A.Y.Jackson, Alexandra Fjord, Ellesmere Island
Steinmal zum Gedenken an A.Y.Jackson, Alexandra Fjord, Ellesmere Island

Mehr über die Künstlergruppe Group of Seven steht im Kanada-Länderporträt, dessen überarbeitete Nachauflage für August 2019 zu erwarten ist.

Zur Fortsetzung – Teil II und zum Teil III.

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Auf den Îles-de-la-Madeleine

recycled vom Oktober 2013 – passt grad gut zum Strandwetter draußen!

Früher gab es hier Walrosse in Massen, und sogar Eisbären sollen auf den Magdalenen-Inseln gesichtet worden sein. Heute ist alles etwas anders, wie wir auf unserer Rundreise erfahren …

Cap-a-Isaac
Am Cap-à-Isaac, Île de Grande Entrée

Eine schlafarme Nacht auf der Fähre, gefolgt von einem sonnigen Sonntagmorgen auf den Îles-de-la-Madeleine: ein Déjeuner sur l’herbe (Frühstück im Freien) mit französischen Köstlichkeiten bildete den Auftakt für unsere Entdeckungsfahrt. Manche sagen, diese Inselgruppe würde beim Blick auf die Landkarte aussehen wie ein gestreckter Angelhaken, oder wie ein mit Strichen angedeutetes kopfstehendes Seepferdchen. Der Archipel besteht aus einzelnen felsigen Inseln, überwiegend aus rotem Sandstein, die sich über eine Länge von 65 km erstrecken und fast alle auf natürliche Weise miteinander verbunden sind – zumeist über lange schmale Sandstreifen (Nehrungen) und Dünen, die manchmal noch durch Dammwege und Brücken ergänzt wurden.

Zwischen den Inseln
Dämme, Dünen und Nehrungen verbinden die felsigen Inseln

An Stränden gibt es hier keinen Mangel – die Sandstrände mit einer Gesamtlänge von über 300 km ziehen sich ausgedehnt vor flachem Schwemmland dahin, ähnlich wie man es in Deutschland etwa von Hiddensee oder Sylt kennt. Hinter manchen der langgestreckten Nehrungen finden sich auch Lagunen oder aber seichtere Meeresarme. Das milde maritime Klima sorgt für moderate Temperaturen. Aber auch wenn man kein passionierter „Badegast“ ist, kann man auf den Inseln viel erleben.

Parc de la dune de l'Oest
Am Strand, Dune de l’Oest

Sanfte Dünen, Feuchtgebiete, wie das Réserve nationale de faune de la Pointe-de-l’Est, wo Plankenwege die empfindliche Vegetation schützen, bilden ein Paradies für Wasservögel.
Felsige Steilküsten, rote Sandsteinfelsen mit scharfen Abbruchkanten, zahlreichen Einschnitten und Aushöhlungen begeistern uns mit ihren abwechslungsreichen Formen und spektakulären Ausblicken; im Abendlicht entfalten die roten Felsen eine unvergleichliche Leuchtkraft.

Bei Fatima
Felsenküste bei Fatima, Cap aux Meules

Im kleinen historischen Viertel La Grave auf der südlichsten Insel Havre Aubert mit seinen restaurierten Holzhäuser, ob farbenfroh gestrichen oder im natürlichen Silbergrau, finden wir Boutiquen, Kunstgalerien sowie Bistro, Pub, Restaurants, Cafés – und ein Museum mit aufschlussreichen Ausstellungen.

Seacow Path
An die Zeiten der Walrosse erinnert nur noch das Strassenschild

Mehr über das Leben auf den Magdalenen-Inseln gestern und heute, über Künstler, Kite-Surfer, über einen ehemaligen Walross-Liegeplatz und auch über die umstrittene Robbenjagd der Inselbewohner kann man im vollständigen Artikel „Kleinod im Golf von Sankt Lorenz: Rundfahrt auf den Îles de la Madeleine“ in Ausgabe 4/2013 des Magazins 360° Kanada nachlesen.

Hafen im Abendlicht
Hafen im Abendlicht

Detailliertere Hintergrundinformation zum Reisen auf den Îles-de-la-Madeleine, zu Attraktionen, Natur, Kultur und Geschichte findet man in meinem Reiseführer „Kanada – der maritime Osten“ (soeben – Ende Juni 2019 – in der aktualisierte Ausgabe erschienen!)

von Mechtild Opel

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Retreat at Whaler’s Point – Port Leopold

Deutsche Version: Zuflucht in Whaler’s Point

reblogged from November 12th, 2012

When looking for „Whaler’s Point“, search engines find – among others – „Luxury Condominium with Spectacular Panoramic Ocean Views on the Cliffs“. There are indeed spectacular views of the ocean and cliffs in Port Leopold – but real estate agents have no business here.
This bay in the North-East of Somerset Iceland is located at the junction of four Arctic waterways – Lancaster Sound, Barrow’s Strait, Wellington Channel, and Prince Regent’s Inlet – and surrounded by table mountains. In front of the steep walls you see talus, which is already covered with powdered sugar snow in fall.

Approaching Somerset Island
Approaching Somerset Island

On shore, there are coastal terraces which consist mainly of slate-like pebbles: sharp and brittle, a seemingly colorless mass that shows its nuances only on closer inspection: Clay-colored? Greyish blue? Yellowish? Reddish? Brownish? A little bit of them all, in between also lichens in grey and deep orange-red, and now in the autumn here and there the grey-green of the few grasses, already discolored brownish leaves, and seed pods of Mountain Avens and Saxifrage. In the hollows, you can still see the snow of last night, blown in by the wind. A barren, inhospitable, remote place that looks not very attractive.

Whaler's Point – Port Leopold
Whaler’s Point – Port Leopold

And yet there were residents in this place temporarily.
The first lived here already about a thousand years ago. On the coastal terraces, the stone foundations of dwellings which fall into the Thule culture can be found. These ancestors of today’s Inuit hunted seals, walruses, and especially whales, whose numerous bones are still scattered here around the archaeological sites. The number of ruins gives indication that it must have been a good place with an abundance of food.
A decaying wooden house at the end of the bay gives evidence of other temporary visitors – this time in the 20th century. The Hudson’s Bay Company had built a trading post here in 1926, which was in operation only for a few years.

Thule ruin at Port Leopold
Thule ruin at Port Leopold

In the 19th century, the Bay was named Whaler Point. Hundreds of whaling ships from Europe and New England came to the Arctic during the summer season and thousands of whales have been killed annually – a lucrative but also dangerous „trade“.
The sufficiently deep waters of the sheltered bay offered a retreat for the whalers – and even a mailbox in which they could leave messages. This mailbox consisted of an iron boiler, formerly part of the steam engine.
The first steamship that ever sailed to the Arctic was Victory of the expedition of 1829-33 under the command of Sir John Ross. Because of the – at this time still rudimentary – technology, the steam engine broke again and again and proved not useful anymore; so Ross finally ordered to dismantle it.
The boiler at Port Leopold probably comes from the steam launch of a further expedition:

Maurice Haycock: Ross' Old Boiler at Whaler's Ppoint, 1972 - courtesy of Kathy M. Haycock
Ross’s Old Boiler at Whalers Point, Port Leopold – painting by Maurice Haycock, 1972, 11″ x 14″, Copyright K. Haycock/K. Pittman, www.haycock.ca. Courtesy of Kathy M. Haycock – see also „Mythos Norden I – Künstler in der Arktis

In September 1848, Her Majesty’s ships Enterprize and Investigator, under the command of James Clark Ross, entered the harbour of Port Leopold for the purpose of establishing a depot of provisions that should be available, if necessary, to any other expeditions in search of the missing Franklin’s expedition. However, no sooner were the ships anchored than a heavy pack of ice was driven into the bay and completely closed the harbor’s mouth, effectually preventing their departure. For the next nine months they were locked in ice, so they were compelled to spend the winter there. When they were able to depart the next summer, they left behind a house, a steam launch and provisional foods like pemmican, chocolate and biscuits – designated for the use of Franklin’s or other expeditions.

Ravine near Port Leopold
Ravine near Port Leopold – by W.H.Browne, 1850

Early in 1853, about 900 km further West in Mercy Bay of Banks Island, Captain McClure considered this depot as a possibility for the rescue – this was when the men of the frozen HMS Investigator, after three winters in the ice, were threatened by starvation. Johann August Miertsching, interpreter for Inuktitut on board of the Investigator, wrote in his diary on March 3rd:
„… officers…, with 26 sailors…, were appointed to go to Port Leopold… where in 1848 a house had been built with food, clothing, and coal in abundance, and where a small steamboat would also been found; from Port Leopold, they would endeavour to be picked up by a whaling ship in Baffin Bay and so be brought to England „. But Miertsching himself should take another route, together with seven companions, and scratch along approximately 1000 km in Southwest direction to Fort Good Hope.
Fortunately, this march of despair was no longer necessary, because on the day of departure on April 25, 1853, a rescue squad led by Lieutenant Bedford Pim emerged unexpectedly in Mercy Bay.

reblogged from November 2012 by Mechtild Opel – Deutsche Version: Zuflucht in Whaler’s Point

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Zuflucht in Whaler’s Point – Port Leopold

English version: Retreat at Whaler’s Point – Port Leopold

reblogged vom 1. November 2012.

Suchmaschinen finden unter „Whaler’s Point“ u.a „Luxury Condominium with Spectacular Panoramic Ocean Views on the Cliffs“. Den spektakulären Blick auf Ozean und Klippen gibt es in Port Leopold tatsächlich – aber Immobilienagenten haben hier nichts verloren.
Die Bucht im Nordosten von Somerset Island ist an einem Kreuzweg von vier arktischen Wasserstraßen – Lancaster Sound, Barrow’s Strait, Wellington Channel, und Prince Regent’s Inlet – gelegen und von Tafelbergen umgeben; vor den Steilwänden liegen Geröllhalden, die sich im Herbst bereits mit Puderzuckerschnee bedeckt präsentieren.

Strandterrassen – Port Leopold
Strandterrassen – Port Leopold

Davor erstrecken sich Strandterrassen in mehreren Stufen, die vor allem aus schieferartigen Kieselsteinen bestehen: scharfkantig und spröde, eine scheinbar farblose Masse, die erst bei näherer Betrachtung ihre Nuancen zeigt: lehmfarben? graublau? gelblich? rötlich? bräunlich? Von allem etwas, dazwischen auch Flechten in Grau und kräftigem Orangerot, und jetzt im Herbst hin und wieder das Graugrün der wenigen Gräser und die bereits braun verfärbten Blätter und Samenstände von Silberwurz oder Steinbrech. In den Mulden, vom Wind angeweht, liegt auch noch der Schnee der letzten Nacht. Ein unwirtlicher, abgeschiedener, öder Ort, der nicht sehr anziehend wirkt.

Ruinen aus der Thule-Kultur
Ruinen aus der Thule-Kultur

Und doch gab es an diesem Ort zeitweilig Bewohner.
Die ersten lebten hier bereits vor rund Tausend Jahren. Auf den Strandterrassen sind die Steinfundamente von Behausungen zu finden, die sich der Thule-Kultur zuordnen lassen. Diese Vorfahren der heutigen Inuit jagten hier Robben, Walrosse und vor allem Wale, deren zahlreiche Knochen noch immer nahe der Fundstätten verstreut liegen. Die Anzahl der Ruinen weist darauf hin, dass es ein guter Platz mit reichem Nahrungsangebot gewesen sein muss.

Ruine des HBC-Postens Port Leopold
Ruine des HBC-Postens Port Leopold

Von anderen zeitweiligen Besuchern – im 20. Jahrhundert – zeugt ein verfallendes Holzhaus am Ende der Bucht. Die Hudson’s Bay Company ließ hier 1926 einen Handelsposten errichten, der aber nur für wenige Jahre in Betrieb war.

Im 19. Jahrhundert erhielt die Bucht den Namen Whaler Point. Damals kamen in der Sommersaison hunderte Walfangschiffe aus Europa und Neuengland in die Arktis, und pro Jahr wurden Tausende von Walen erlegt – ein lukratives, wenn auch gefährliches „Handwerk“. Das hinreichend tiefe Wasser der geschützten Bucht bot den Walfängern ein Refugium – und dazu noch einen Briefkasten, in dem man Nachrichten hinterlassen konnte.
Dieser „Briefkasten“ bestand aus einem eisernen Boiler, Teil der Dampfmaschine. Das erste Dampfschiff, das jemals in die Arktis fuhr, war das Schiff Victory der Expedition von 1829–33 unter dem Kommando von Sir John Ross. Aufgrund der damals allerdings noch unausgereiften Technik ging die Dampfmaschine ständig kaputt, und Ross ließ sie schließlich demontieren. Der Boiler auf Port Leopold stammt vermutlich von der Dampfbarkasse einer weiteren Expedition.

Boiler am Whalers Point  – Foto: Denis A. St-Onge
Boiler am Whalers Point – Foto: Denis A. St-Onge

Im September 1848 kamen zwei Schiffe, HMS Enterprise und HMS Investigator, unter dem Kommando von James Clark Ross nach Port Leopold. Auf der Suche nach der verschollenen Franklin-Expedition wollte man an Land ein Depot mit Lebensmitteln und Versorgungsgütern anlegen, das bei Bedarf anderen Expeditionen zur Verfügung stehen sollte. Kaum waren die Anker gesetzt, driftete dichtes Packeis in die Bucht, wodurch die für den nächsten Tag geplante Ausfahrt verhindert wurde. Die Schiffe blieben schließlich für die kommenden neun Monate eingeschlossen, so dass die Mannschaften hier überwintern mussten. Als sie im nächsten Sommer freikamen, ließen sie ein Haus und eine Dampfbarkasse zurück, dazu Lebensmittel wie Pemmikan, Schokolade und Biskuit – alles vorgesehen als Rettungsmöglichkeit für Franklins Expedition.

HMS Enterprise und HMS Investigator – Illustrated London News, 1850
HMS Enterprise und HMS Investigator – Illustrated London News, 1850

Anfang 1853, etwa 900 km weiter westlich in der Mercy Bay von Banks Island, fasste Kapitän McClure dieses Depot als Rettungsmöglichkeit ins Auge – als nämlich nach drei Wintern im Eis die Mannschaft der eingefrorenen HMS Investigator vom Hungertod bedroht war. Johann August Miertsching, als Dolmetscher für Inuktitut auf der Investigator, schrieb am 3. März in seinem Tagebuch: „… Offiziere … nebst 26 Matrosen … sind bestimmt, von hier nach Port Leopold zu gehen …, wo ein in 1848 erbautes Haus nebst Lebensmittel, Kleidung und Steinkohlen im Überfluß und ein kleines Dampfboot zu finden sei; von Port Leopold sollte man suchen, mit einem in die Baffinbay kommenden Wallfischfänger nach England zu kommen …“. Miertsching selbst jedoch sollte mit sieben Gefährten eine andere Route nehmen und sich etwa 1000 km weit in Richtung Südwest nach Fort Good Hope durchschlagen.
Glücklicherweise brauchte dieser Verzweiflungsmarsch nicht mehr stattfinden: denn am Tage des Aufbruchs am 25. April 1853 tauchte unvermutet ein Rettungstrupp unter Leitung von Leutnant Bedford Pim in der Mercy Bay auf.

reblogged vom 1.12.2012 von Mechtild Opel. – English version: Retreat at Whaler’s Point

Nachtrag vom August 2022: Wir freuen uns sehr, dass unser Buch „Weil ich ein Inuk bin. Johann August Miertsching – ein Lebensbild“ im Sommer 2022 im Berliner Lukas Verlag erschienen ist.

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Paddelsaison – Von Berlin nach Kamtschatka – Teil II

Der erste Teil dieses Beitrages von 2014 wurde bereits am 17.5.2019 hier reblogged.

Das süße Spreewasser fließt in den Dämeritzsee – Sonnige Tierbeobachtungen

Meine kurze Schienenreise geht nach Hangelsberg über Erkner bis kurz vor Fürstenwalde.
Die Helligkeit stieg schnell aus dem blauen dunklen Himmelszelt auf, während ich auf der Zugtoilette meinen verbrauchten Tee ausspüle. Mein müder Blick geht zum milchigen Fensterglas. Rotes leuchtet auf. Das Rote wird schnell gelb und die Strahlen erleuchten die flache Landschaft in warmen satten Farben und langen Schatten.

Flussnebel – Foto: © Ullrich Wannhoff
Flussnebel am Ufer der Spree bei Hangelsberg – Foto: © Ullrich Wannhoff

Nach einer dreiviertel Stunde bin ich vor Ort, am Ufer der Spree. Die Feen auf den feuchten Wiesen bleiben unsichtbar, nur noch der tief hängende Nebelschleier ist zu sehen. Ich blase mein rotes Gummiboot auf. Zum Glück war das Gras gemäht. In Kamtschatka hingegen wäre ich am zeitigen Morgen wegen Nässe und Kühle an den feuchten Hochstauden schnell bis auf die Haut durchweicht: Pflanzen, die bis zu drei Meter gegen den Himmel wachsen.

Neugierige Kuh – Foto: © Ullrich Wannhoff
Neugierige Kuh – Foto: © Ullrich Wannhoff

Die Sonne saugt den feuchten Feen den Nebel weg, und die klare Luft bildet die Bilder scharf ab. Mit aufgeblasenen Luftpolstern sitze ich auf dem dunklen Wasser, und eine andere Art der Bewegung treibt mich federleicht in westliche Richtung. In einer halben Stunde beobachte ich fünf Biber. Sie alle sind mir nicht freundlich gesinnt.

Gelbe Wasserschwertlilie – Foto: © Ullrich Wannhoff
Gelbe Wasserschwertlilie – Foto: © Ullrich Wannhoff

Bevor die Pelztiere kurz vor dem Boot abtauchen, schlagen sie mit der breiten Schwanzflosse noch mal kräftig zu. Kamera wie Hemd werden unfreiwillig nass. Von Weitem sieht der Kopf des Bibers aus wie dunkles Schwemmholz – nur dass das Holzstückchen gegen die Strömung schwimmt. Meinen ersten Biber sah ich in Nordalaska, mitten in der Stadt Anchorage auf dem See; die menschlichen Aktivitäten am Ufer berührten ihn kaum.

Biber taucht - Spritzfontäne – Foto: © Ullrich Wannhoff
Wenn der Biber abtaucht, entsteht eine Spritzfontäne – Foto: © Ullrich Wannhoff

Schwärme von Alt- und Jungstaren zwitschern aus den Baumkronen der hohen Eichen und Pappeln. Sie fliegen geschäftig hin und her und erinnern an die flirrenden Flügelschläge der Kolbris. Möglich, das die Stare bei den erwärmenden Sonnenstrahlen in der Höhe viele Insekten antreffen und sich daran sättigen. Es mögen weit über tausend Vögel sein, die ich unterwegs bis zum Dämeritzsee beobachte.

Große Teichrose – Foto: © Ullrich Wannhoff
Große Teichrose – Foto: © Ullrich Wannhoff

Das laute Gekräcke vom Teichrohrsänger ist nicht zu überhören. Mit Gesang hat das wenig zu tun, dafür ist es laut und eindringlich. Dort, wo sich die Teichrohrsänger befinden, ist der Kuckuck nicht weit, der seinen Wirt sucht und wohl schon längst gefunden hat. Ich sah, wie der Kuckuck einen Rotmilan ärgert. Meist sind es Krähen, die spielerisch um den Greifvogel fliegen oder ihn sogar attackieren, wenn er sich den Nestern nähert.

Schwanenkinder unterm Mutterbauch – Foto: © Ullrich Wannhoff
Junge Schwanenkinder unterm Mutterbauch – Foto: © Ullrich Wannhoff

In der Auenlandschaft befinden sich einzelne Büsche, und manch Neuntöter sitzt beobachtend darauf und hält Ausschau nach Insekten. Ein wunderschöner Vogel, der offene Landschaften mit Strauchvegetation bevorzugt. Aufgrund der intensiven Landwirtschaft werden sie leider immer weniger.

Distelfalter – Foto: © Ullrich Wannhoff
Distelfalter – Foto: © Ullrich Wannhoff

Die Sonne steigt und steigt und ich bevorzuge jetzt die schattigen Ufer der überhängenden Eichen, deren vereinzelte Blattgruppen im gleißenden Sonnenlicht punktuell hellgrün leuchten. Ein inneres Licht zwischen den größeren dunkelgrünen Blattgruppen, die fast bis ins Schwarze übergehen. Sie erinnern mich an den französischen Maler Maurice de Vlamink (1876-1958), der tiefe schwarze Farben in das kräftige Grün seiner Bäume setzt. Ein Pinselduktus, der mir sehr nahe kommt. Diese Bilder sah ich in der Eremitage in Petersburg, wo sich die französische Malerei in der letzten Etage befindet. Kleine Räume ohne Stuck und Prunk. Einfach wunderschön.

Weiße Seerose – Foto: © Ullrich Wannhoff
Weiße Seerose – Foto: © Ullrich Wannhoff

Ein Rotfuchs flüchtet mit seiner Beute durch die blühende Wiese in Richtung Kiefernwald, während ich meinen Frühstückssalat genieße. Weiße Weiden- und Pappelsamen tanzen auf der dunklen Wasseroberfläche, bilden ein Knäuel und fliegen unbeschwert weiter, ohne ein Ziel zu haben.

Adonislibelle – Foto: © Ullrich Wannhoff
Kopulierende Frühe Adonislibelle – Foto: © Ullrich Wannhoff

In der Mittagssonne verliert der Himmel seine Bläue und die flimmernde weiße Luft endet hinten am Wirtschaftswald voller hochgeschossener Kiefern, die in Reih und Glied stehen. Zarte blaue, grüne, rote, braune mosaikartige Edelsteine schwirren mit seidenen Flügeln dicht vibrierend an mir vorbei.

Gebänderte Prachtlibelle – Foto: © Ullrich Wannhoff
Larve mit frisch geschlüpfter Gebänderter Prachtlibelle – Foto: © Ullrich Wannhoff

Am Ufer schlüpft eine Blauflügel-Prachtlibelle aus der braunen Larve und trocknet ihre Flügel. Auf den schmalen Schilfblättern sehe ich mehrere verlassene leere Larven mit Öffnungen, als würde eine Frau aus ihrem altmodischen Kleid schlüpfen, und ein neues frisches, farbiges Kleid kommt zum Vorschein; Männerpupillen vergrößern sich um ein Vielfaches.

Libellenlarve (Hülle) – Foto: © Ullrich Wannhoff
Ausgeschlüpft – und zurück bleibt die Libellenlarve – Foto: © Ullrich Wannhoff

Mindesten fünf farbenfreudige Libellenarten beobachte ich, deren Namen mir unbekannt bleiben, so wie eine Azurjungfer. In Europa gibt es 135 europäische Libellenarten.
In Kamtschatka fliegen viele Libellen bis weit in den September hinein über die Feuchtwiesen. Einer ihrer Hauptfeinde ist der Baumfalke, der im schnellen Flug diese „Edelsteine“ erbeutet.

Junger Baumfalke aus Kamtschatka – Foto: © Ullrich Wannhoff
Libellenjäger – Junger Baumfalke aus Kamtschatka – Foto: © Ullrich Wannhoff

von Ullrich Wannhoff

Zum ersten Teil dieses Beitrages: Eröffnung der Paddelsaison von Berlin nach Kamtschatka.
In seinem Buch “Der stille Fluss Kamtschatka” kann man erfahren, was Ullrich Wannhoff auf einer 400 km langen Paddeltour auf dem Kamtschatka-Fluss erlebte und was ihn dort bewegte. Eine Kostprobe bietet “Bis zum Stillen Ozean und weiter” hier auf dem Blog.

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Vom Wasser des Atlantik umspült

„Kanada – der maritime Osten“ in vierter Auflage erschienen

10 Nationalparks liegen in Kanadas Atlantikprovinzen; und es sind 12 – wenn man denn Québec maritime einbezieht. Genau das bietet die stark überarbeitete (und bereits seit der dritten Auflage 2016 um 36 Seiten erweiterte) neue Auflage meines Buches Kanada – der maritime Osten, das Ende Juni im Reise Know-how Verlag Grundmann erschienen (in der ersten und zweiten Auflage noch bekannt unter dem Titel „Kanada – Maritimes“).
In der an Reisezielen so reichen maritimen Region des Ostens liegen auch acht – zählt man Quebec City am St. Lorenz zur maritimen Region, sind es sogar neun, und damit knapp die Hälfte – der 20 kanadischen UNESCO-Welterbestätten.

Sandy Beach im Thomas Raddall Provincial Park
Am Sandy Beach im Thomas Raddall Provincial Park, Nova Scotia

Was die vom Atlantik umspülten Küstenregionen Kanadas außer den bekannten Nationalparks, Provinzparks und den UNESCO-Stätten zu bieten haben? Vieles mehr, und nicht alles davon ist allgemein bekannt. Unsere Routen führen auch abseits ausgetretener Wege zu reizvoll eingeschnittenen Buchten, langen Sandstränden, spektakulären Felsformationen.

Felsformation am Cape Split, Nova Scotia
Felsformation am Cape Split, Nova Scotia

Sie führen zu vielgestaltigen Leuchttürmen, in romantisch anmutende Fischerdörfer, durch charaktervolle Städte.

Leuchtturm La Martre, Gaspé-
Leuchtturm La Martre, Gaspé-Halbinsel, Québec

Wo wird Geschichte liebevoll „zum Anfassen“ (living history) dargeboten? Welches Fest sollte man nicht verpassen?

Scarecrow-Festival, Mahone Bay
Dekoration beim Scarecrow-Festival, Mahone Bay

Auf welche Insel sollte man unbedingt übersetzen? Was sind die besten Destinationen, um Wale zu beobachten?

Brier Island, Bay of Fundy
Walbeobachtung bei Brier Island, Bay of Fundy

Was ist akadischer Forst, und Bäume und andere Pflanzen sind dort zuhause? Welche Tiere lassen sich dort beobachten?

Baumstachler - Porcupine
Baumstachler – Porcupine

Wie lebten die Mi’kmaq in vergangenen Zeiten? Vor welchen Herausforderungen stehen sie heute?

Mi'kmaq-Tänzerin Ashley Julian
Die Mi’kmaq-Tänzerin Ashley Julian am National Aboriginal Day

Und was in aller Welt bedeutet bloß diese blau-weiß-rote Flagge mit dem goldenen Stern?

Leuchtturm bei Grande Anse
In den Farben der Akadier: Leuchtturm bei Grande Anse, New Brunswick

Neu – schon seit der dritten Auflage auf nunmehr 466 Seiten:
Die Nordküste des St. Lorenz-Stromes in Richtung Labrador wird bereits ab Tadoussac und damit umfangreicher behandelt; völlig neu hinzugekommen sind eine mögliche Anreise von Montreal via Quebec City sowie die reizvollen Îles de la Madeleine. Zu den klassischen maritimen Provinzen Nova Scotia, New Brunswick und Prince Edward Island, der Gaspé-Halbinsel sowie Newfoundland und Labrador hat „Kanada – der maritime Osten“ damit eine deutliche Bereicherung gegenüber früheren Ausgaben („Kanadas maritime Provinzen“) erfahren.
Reiseziele und -routen wie auch die „allgemeinen“ Reiseinformationen sind für die vierte Auflage natürlich gründlich überarbeitet, aktualisiert und zum Teil auch mit neuen Fotos versehen worden.

Mi'kmaq - traditionelle Kleidung
Bei besonderen Festen wird traditionelle Mi’kmaq-Kleidung angelegt

posted by Mechtild Opel

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Francis McClintock – zum 200. Geburtstag

Schon sein vollständiger Name einschließlich der Titel ist beeindruckend: Admiral Sir Francis Leopold McClintock KCB FRS (Knights Commander of the Order of the Bath, Fellow of the Royal Society). Noch beeindruckender sind jedoch seine Leistungen als Marine-Offizier und Arktisforscher. Als McClintock am 8.7.1819 in Dundalk, Irland, geboren wurde, war William Parry, einer seiner berühmten Vorgänger, gerade in Richtung Arktis unterwegs – auf der Suche nach der Nordwestpassage. Schon als 12jähriger begann McClintock seine seemännische Laufbahn als Freiwilliger. 17 Jahre später nahm er erstmalig an einer Arktisexpedition auf der Suche nach John Franklin und seinen Schiffen teil.

Sir Francis Leopold McClintock
Sir Francis Leopold McClintock

Damit hatte McClintock endgültig seine Berufung gefunden. Von 1850-1852 war er unter Horatio Austin erneut auf der Suche nach Franklins Schiffen in der Arktis, und 1852-1854 in der Flotte Edward Belchers als Kapitän von HMS Intrepid. Dabei zeichnete er sich durch extrem lange Schlittenreisen zur Entdeckung und Vermessung des kanadischen Arktis-Archipels aus. 1853 traf er auf Johann August Miertsching und die gerettete Mannschaft der HMS Investigator.

Port Leopold
Port Leopold – hier überwinterten McClintock und McClure 1848-49

Sein größter Erfolg gelang McClintock 1859 während der von ihm geführten Suchexpedition mit der „Fox“ nach dem Verbleib Franklins. Nicht nur, weil hier sein Stellvertreter William Hobson die schriftliche Nachricht vom Tod Franklins und eines Teils der Mannschaft fand; die Expedition spürte auch viele weitere Zeugnisse und Relikte vom tragischen Verlauf der Franklin-Expedition auf.

McClintocks Cairn
McClintocks Cairn bei Fort Ross nahe der Bellot Strait
Gedenkstein für Francis Leopold McClintock
Von der Familie gestifteter Gedenkstein für Francis Leopold McClintock bei Fort Ross

In unseren Recherchen über Johann August Miertsching, der übrigens trotz erheblicher finanzieller Angebote darauf verzichtet hatte, als Übersetzer an McClintocks Expedition teilzunehmen, trafen wir immer wieder auf Francis McClintock.

Dublin, Gardiner Place
Hier am Gardiner Place wohnte McClintock einst bei seiner Mutter

Dass wir in Dublin auf der Suche nach Zeugnissen über Miertschings Kapitän Robert McClure, der ebenfalls aus Irland stammte, auch auf McClintock stoßen würden, war wenig überraschend. Hier stehen noch die Häuser, in denen letzerer bei seiner Mutter bzw. bei seinem Bruder gewohnt hatte.

Dublin, Merrion-Square
Hier am Merrion-Square wohnte McClintock einst bei seinem Bruder

Im National History Museum konnten wir Präparate der Tiere entdecken, die McClintock in der Arktis geschossen und später dem Museum übereignet hatte.

Eisbär im Museum
McClintocks Eisbär im Museum

Die Tiere befinden sich hinter Glas in einer Vitrine. Das Loch vor dem Ohr des Eisbären stammt übrigens vom Einschuss der Kugel aus dem Gewehr McClintocks.

Moschusochsen-Kalb
McClintocks Moschusochsen-Kalb

Selbst in Halifax, Nova Scotia, lassen sich Spuren von Admiral Francis McClintock verfolgen, der als Commander-in-Chief der North America and West Indies Station im Admiralty House residierte. Hier in Halifax treffen wir ebenfalls wieder auf Miertsching, denn sein Urenkel war der Gründer des hiesigen Maritime Museum of the Atlantic, dessen Bibliothek heute seinen Namen „Niels Jannasch“ trägt.

Das Admiralty House in Halifax
Admiralty House in Halifax
McClintocks flagship in Halifax
HMS Northampton, McClintocks Flaggschiff in Halifax

Herzliche Glückwünsche zum 200. Geburtstag, Sir Francis McClintock!

posted by Wolfgang Opel

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